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Facebooks Frauenproblem

Auf Facebook waren immer wieder Videos zu sehen, in denen Frauen misshandelt werden. Das soll sich nun ändern – aus einem ganz bestimmten Grund.

Erfolg für Frauenorganisation: Der Kosmetikkonzern Dove hat auf Kampagne reagiert.
Erfolg für Frauenorganisation: Der Kosmetikkonzern Dove hat auf Kampagne reagiert.
Twitter/EverydaySexism

Facebook mag keine Brüste. Bilder von stillenden Müttern werden genauso automatisch entfernt wie Fotos von Patientinnen nach Brustkrebsoperationen. Das sorgte immer wieder für Aufregung, aber das soziale Netzwerk blieb hart: keine Brüste. Verblüffend weniger konsequent gab sich das Unternehmen, wenn es um mehr geht als bloss um nackte Haut: um Gewalt gegen Frauen.

Die englischsprachige Presse schreibt bereits seit 2011 von Facebooks «HateSpeech-Problem». Damals wehrten sich Frauen (und Männer) gegen Seiten mit Titeln wie «Was ist 10 Inches lang und bringt jedes Mädchen dazu, mit mir Sex zu haben? – Mein Messer» oder «Du weisst, dass sie nur so tut, als wollte sie nicht, wenn du sie durch eine dunkle Gasse jagst» (diese Seite verzeichnete 130 000 Likes). Nach zwei Monaten andauernden Protesten und einer Petition mit 100 000 Unterschriften bequemte sich das soziale Netzwerk, die entsprechenden Seiten zu entfernen.

Erst Geld bewegt etwas

Es wurde dennoch nicht besser. Nach wie vor fanden sich gewaltverherrlichende Videos oder bestürzend frauenfeindliche Aussagen und Links («Wie du deine Freundin brutal vergewaltigen und Spass dabei haben kannst»), es waren Fotos von gefesselten, verletzten, misshandelten Frauen zu sehen, versehen mit Kommentaren wie «Das wird die Schlampe lehren, noch einmal schwanger zu werden». Ein Video, das eine Gruppenvergewaltigung zeigt, blieb ganze 24 Tage lang anklickbar.

Vor zwei Wochen reichte es drei Protagonistinnen von Frauenorganisationen, sie verfassten in der «Huffington Post» einen offenen Brief an das Zuckerberg-Imperium und forderten ein Ende der laxen Haltung. Laura Bates vom «Everyday Sexism Project» ging noch weiter. Weil sie befürchten musste, dass der Protest wirkungslos verpufft, überlegte sie, was denn ein überzeugenderes Argument sein könnte als der gebotene Respekt gegenüber Frauen. Die Antwort: Geld. Also schrieb Bates Firmen an, die Werbung auf Facebook schalteten, etwa den Kosmetikkonzern Dove. Bates fragte: «Möchten Sie wirklich auf einer Seite werben, auf der ‹Wie man Schlampen mit Fusstritten die Zähne ausschlägt› steht»? Die Antwort kam postwendend: Natürlich nicht! Genauso wenig wollten das 15 andere schwergewichtige Kunden; sie drohten damit, die gebuchten Anzeigen zurückzuziehen.

Das wirkte. Mitte letzter Woche gab Facebook bekannt, man werde nun die Posts sorgfältiger überprüfen, frauenfeindliche Links nicht mehr länger tolerieren und konsequent dagegen vorgehen. Das ist gut. Dass die Einsicht so lange auf sich warten liess, spricht indes Bände. Man stelle sich vor, all die Links wären rassistischer Natur gewesen.

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