Altwerden ist nichts für Feiglinge

Zum Tode der deutschen Fernsehlegende Joachim Fuchsberger.

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Er war ein Fossil aus einer Zeit, als die Welt noch in Ordnung war und das Fernsehen noch als Anstalt für gehobene Bildung und gepflegte Unterhaltung galt: Joachim «Blacky» Fuchsberger war in seinen besten Jahren, gut aussehend und cool wie kein zweiter deutscher Schauspieler. Er hatte alle Höhen und Tiefen der deutschen Film- und Fernsehunterhaltung mitgemacht, finanzielle Pleiten, persönliche Krisen wie den Unfalltod seines einziges Sohnes und drei Schlaganfälle weggesteckt, ohne je seinen Humor und seine Zuversicht zu verlieren. «Höre nie auf anzufangen, und fange nie an aufzuhören» hiess eine seiner vielen Kalenderweisheiten.

Fuchsberger war flotten Sprüchen und derben Spässchen nie abgeneigt (mal moderierte er im Nachthemd, mal wurde er bei einer Fernsehshow vom Affen gebissen), aber er machte nicht jedes Affentheater mit. Das alles machte ihn zum Frauen- und später zum Schwiegermutterschwarm, zum – nächst Hans-Joachim Kulenkampff und Robert Lembke – populärsten Showmaster Deutschlands und schliesslich zum Experten für aufgeklärten Konservativismus, gallige Fernsehkritik und Altern in Würde. Kurz: für fast ein halbes Jahrhundert zum Liebling der Nation.

Vom feschen Liebhaber zum tadellosen Gentleman

Durch die Rolle des gewitzten Gefreiten Asch in «08/15» über Nacht zum Star geworden, spielte der gebürtige Schwabe in den 50er-Jahren in Kriegsfilmen wie «Die grünen Teufel von Monte Cassino» den guten Deutschen und in Heimatfilmen wie «Geh’ mach dein Fensterl auf» den feschen Liebhaber an der Seite von schönen Frauen wie Marianne Hold, Senta Berger und Romy Schneider. Für seine erste Frau, die Schlagersängerin Gitta Lind, und Udo Jürgens schrieb er sogar Schlagertexte wie «Blumen für die Dame» oder «Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint».

Die Rolle des Beschützers verfolgter Frauen, tadellosen Gentlemans und vertrauenswürdigen Scotland-Yard-Kommissars in dreizehn Edgar-Wallace-Filmen war für ihn «Rettung und Erfüllung» aus dem Jammertal der Schnulzen und qualifizierte ihn für höhere Aufgaben. In Talk- und Quizshows wie «Heut’ abend» und «Auf Los geht’s los» gelang es Fuchsberger, seine Gäste zur Preisgabe intimer Geheimnisse zu bewegen (und Klaus Kinski zu zähmen), ohne je unfair oder aufdringlich zu werden. So scharte Blacky mit Charme und Schalk die Nation ums Fernsehlagerfeuer, eine Aufgabe, an der heute Nachfolger wie Thomas Gottschalk und Markus Lanz verzweifeln.

Sein Erfolgsrezept: die «vier V»

1973 zog sich Fuchsberger vom Filmgeschäft, in den Achtzigern dann auch vom Fernsehen und aus Deutschland zurück. Von seiner Wahlheimat Australien aus machte er seinem Ärger über Niveauverlust und Dekadenz mit wachsendem Grimm – «Je älter ich werde, desto intoleranter werde ich» – Luft. Und startete dann doch noch einmal durch als Präsentator von Naturdokumentationen wie «Terra Australis».

Die «vier V», die er immer als Erfolgsrezept seiner 60-jährigen Ehe mit Gundel Korte pries, waren für ihn universelle Werte: Verstehen, vertrauen, verzeihen, verzichten. Selbst als Günter Grass’ Vergangenheit in der Waffen-SS ruchbar wurde, fand Fuchsberger, selber ein Mitglied der Flakhelfer-Generation, versöhnliche Worte.

«Altwerden ist nichts für Feiglinge» heisst eine von Fuchsbergers Sammlungen von Altersweisheiten. Hochdekoriert mit Orden, Bambis und Goldenen Kameras, wollte und konnte er auf den Kontakt zum Publikum («die einzige Droge, die ich mir leiste») nicht verzichten, und so riskierte er immer wieder Comebacks: Er tingelte auf Theatertourneen, heuerte auf dem ZDF-Traumschiff an, kehrte 2007 in der Edgar-Wallace-Parodie «Neues vom Wixxer» ins Kino und schliesslich auch wieder nach Deutschland zurück. 2013 trat er, schon schwer von Alter und Krankheit gezeichnet, noch einmal in der Altersheimkomödie «Spätzünder – Der Himmel soll warten» an der Seite von Didi Hallervorden auf. Der liebe Gott, an den der geschworene Atheist nie glaubte, wartete nicht: Jetzt ist Joachim Fuchsberger im Alter von 87 Jahren in Grünwald bei München gestorben. (mw/sda)

Erstellt: 11.09.2014, 17:17 Uhr

Starb mit 87 Jahren in Grünwald bei München: Joachim Fuchsberger. (Video: Reuters )

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