Beschwerde gegen «SRF Börse»

Viele CEOs, kaum Kleinanleger-Perspektive: Die Sendung ist laut Urs P. Gasche zu einseitig und unsachlich.

Ist in den Augen des SRF-Ombudsmanns Achille Casanova konzessionskonform: Die Sendung «SRF Börse». (Bild: Screenshot «SRF Börse»)

Ist in den Augen des SRF-Ombudsmanns Achille Casanova konzessionskonform: Die Sendung «SRF Börse». (Bild: Screenshot «SRF Börse»)

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Die Redaktionsleitung des Portals «Infosperber» sieht die Sendung «SRF Börse» als konzessionswidrig an. Die Nachrichtenplattform hat deshalb eine Beschwerde bei der Unabhängigen Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) eingereicht. Diese wurde von 200 Zuschauerinnen und Zuschauern unterschrieben.

«Infosperber» ist der Meinung, die Sendung informiere einseitig, unsachlich und vermische zudem Meinungen und Tatsachen. Die Zuschauenden können sich über das Börsengeschehen keine eigene Meinung bilden.

Beanstandet werden mehrere Punkte:

  • «SRF Börse» lasse nur CEOs, Verwaltungsratspräsidenten oder Chefökonomen von Banken zu Wort kommen, die selber an der Börse handeln oder in der Sendung ihre eigenen Interessen vertreten.
  • Die Sicht von Anlegern, von Pensionskassen-Versicherten und von Kleinsparern käme praktisch nicht zum Ausdruck.

Zusätzlich ist «Infosperber» der Ansicht, die SRF-Sendung klammere in ihrer Berichterstattung eine Reihe von Aspekten und Entwicklungen an der Börse aus:

  • Die Aktivitäten von Schattenbanken.
  • Der spekulative Mikrosekunden-Handel.
  • Undurchsichtige Finanzprodukte.
  • Bildung von Blasen und deren Folgen für die reale Volkswirtschaft.
  • Der Einfluss der Börse auf die Vermögensverteilung.

Bereits im Dezember beanstandete «Infosperber» die Sendung beim SRF-Ombudsmann Achille Casanova. Dieser lehnte die Beschwerde jedoch ab. Casanova war zum Schluss gekommen, «SRF Börse» sei konzessionskonform. Das Sendekonzept sei bekannt und im Internet transparent und vollständig ersichtlich. Demnach berichte «SRF Börse» über Entwicklungen, welche die Schweizer Börse täglich bewegten. Sie hole dazu die Meinung von Konzernchefs und anderen wichtigen Entscheidungsträgern der Wirtschaft ein. Das restliche SRF-Programm schaffe zudem einen Ausgleich.

«Infosperber» wiederum will das Argument, die Sendung sei per definitionem Sprachrohr, nicht gelten lassen: Die Sendung verstosse so gegen das Gebot der Sachlichkeit und der Vielfalt.

Die Beschwerde wurde namentlich von Urs P. Gasche eingereicht. Gasche war während zehn Jahren Leiter der SRF-Sendung «Kassensturz». (kpn)

Erstellt: 25.01.2016, 13:01 Uhr

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