Das SF hat einen Vogel

Nach Abpfiff analysieren wechselnde Experten beim SF die WM-Fussballspiele. Dabei ragt eine Stimme überraschend heraus.

Unterschiedliche Qualitäten: SF-Fussballexperten Vogel, Pfister, Gress.

Unterschiedliche Qualitäten: SF-Fussballexperten Vogel, Pfister, Gress.

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Das Schweizer Fernsehen hat an der WM kein Studio vor Ort, wie die Deutschen oder die Österreicher. Auch keine Parodisten, die zum Einsatz kommen (warum eigentlich nicht? Die Yakin-, Sutter- und Hüppi-Parodien ergäben doch eine witzige Rubrik!). Dafür setzt man auf das bewährte Konzept der landeskundigen Kommentatoren. Wenn eine afrikanische Mannschaft spielt, schaut Otto Pfister im Leutschenbach vorbei. Andy Egli deckt Nordkorea ab, und so weiter.

Die Gästeschar verhindert die Gefahr einer Überdosis einzelner Meinungen – wie man sie bei den deutschen Sendern (Netzer/Kahn/Klopp) erwischen kann. Allerdings ist Quantität manchmal der Qualität abträglich; einzelne SF-Experten sind nur mit viel Goodwill erträglich. Dani Gygax etwa, der unmotiviert im Sessel hängt (und, nebenbei gesagt, eine tolle neue Figur für «Giacobbo/Müller» abgäbe). Oder Gilbert Gress (überstrapazierter «Kult»-Faktor).

Fachkompetenz

Weil die Analyse- und Fachkompezenz der Match-Kommentatoren begrenzt ist, wünscht man sich wenigstens bei der Nachbetrachtung ein paar gescheite Inputs und klare Meinungen. Hier ist Otto Pfister und auch Christian Gross, der sich nach dem Chile-Schweiz-Spiel überzeugend für den Videobeweis stark machte, zu loben.

Die wahre Entdeckung unter den Experten ist aber Johann Vogel, der im Studio die Spiele Hollands, Englands und Italiens verfolgt. Mit gekrauster Stirn schaut er zu Beginn einer Frage drein – wie früher, als er vor den Länderspielen bei der Nationalhymne grimmig in die Kamera starrte und die «Weltwoche» ihn als «unbeliebtesten Nati-Captain aller Zeiten» bezeichnete.

«Es ist immerhin WM»

Genau diese Skepsis ist, was Vogel zum Highlight der WM-Expertenrunde macht. Statt auf die typischen Suggestivfragen der SF-Moderatoren einzugehen (etwa: «Warum sind alle italienische Spieler Minimalisten?»), stellt er etwas irritiert fest, dass man das so nicht sagen könne. In diesen Momenten ist er wie auf dem Spielfeld; nie bereit, sich in eine Ecke drängen zu lassen – und mit einer aufmüpfigen Gegenfrage auch mal einen Konter zu lancieren.

Herrlich auch Vogels trockene Reaktion auf eine weitere Unsitte in der SF-Sportredaktion: Die obligaten Fragen nach der Emotionalität (etwa, als es vor dem Spiel Paraguay-Italien hagelte: «Wie fühlen sich die Südamerikaner jetzt?»). Vogel: «Weiss ich doch nicht. Sie sind sicher motiviert. Es ist immerhin WM.»

Wie finden Sie die SF-Experten? Welches sind Ihre Favoriten? Im Rating (siehe Box) können Sie darüber abstimmen. Kommentare hinterlassen Sie unten. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 24.06.2010, 12:37 Uhr

Wer ist der beste SF-Experte?

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