«Das haben Sie gut gemacht – Herr Jauch»

Günther Jauch hat eine Evolution des deutschen Politik-Talks am Sonntagabend angekündigt und tatsächlich ein paar Dinge anders gemacht.

Als Sonntag-Talker gestartet: Günther Jauch (Mitte), flankiert vom Intendanten des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Lutz Marmor (links), und ARD-Programmdirektor Volker Herres.

Als Sonntag-Talker gestartet: Günther Jauch (Mitte), flankiert vom Intendanten des Norddeutschen Rundfunks (NDR), Lutz Marmor (links), und ARD-Programmdirektor Volker Herres. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Gesprächsrunde über den 11. September 2001 und den anschliessenden Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr lockerte Günther Jauch mit Einspielfilmen und Extra-Gästen auf. Bei Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) kam das gut an: «Ich finde, Sie haben das auch gut gemacht», lobte er am Ende der Sendung.

Der wegen einer Vielzahl erfolgreicher Formate wie «Stern TV» oder «Wer wird Millionär» als beliebtester deutscher Fernsehmoderator geltende Jauch hat den wichtigen Sendeplatz am Sonntagabend von Anne Will bekommen, die mit ihrer Talkshow auf den Mittwoch umziehen musste. Seiner Premierensendung gab Jauch den Titel «Zehn Jahre 11. September - War es richtig, in den Krieg zu ziehen?» Als Gäste begrüsste Jauch im Gasometer in Berlin in seiner bunt gemischten Runde Ex-Verteidigungsminister Peter Struck (SPD), US-Fussballnationaltrainer Jürgen Klinsmann, Literaturkritikerin Elke Heidenreich, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner und den Autor Jürgen Todenhöfer.

Kontroverse Diskussion

Die Diskussionen der Talkgäste liefen erwartungsgemäss kontrovers. Struck bestritt in der Runde eine Darstellung des Nachrichtenmagazins «Spiegel», Deutschland habe sich in den Tagen nach dem 11. September den USA mit militärischer Hilfe aufgedrängt. Dies sei «auf keinen Fall» so gewesen, sagte der ehemalige Verteidigungsminister und langjährige SPD-Fraktionschef. Schon am Tag nach den Anschlägen habe die Nato den Bündnisfall ausgerufen. Den Einsatz lehnte vor allem - wie auch schon in der Vergangenheit in anderen Talkshows - Todenhöfer ab. Klinsmann als Gast konnte persönliche Eindrücke über die Auswirkungen der Anschläge übermitteln, da er selbst seit langem in den USA lebt.

Zusätzliches Leben gab Jauch dem Talk aber durch einige magazinartige Elemente. So zeigte er zu Beginn der Sendung Marcy Borders, die die Anschläge vom 11. September überlebt hatte und deren Bild als in Asche eingehüllte Frau im feinen Kleid nach den Anschlägen um die Welt ging. Das Team von Jauch hatte Borders in den USA besucht, sie war ausserdem Gesprächsgast der Sendung.

Einspielfilme

Am Ende der Sendung wiederum begrüsste Jauch Tanja Menz, deren Sohn mit der Bundeswehr in Afghanistan war und dort im Februar erschossen wurde - die Konfrontation mit den beiden real von den Auswirkungen der Anschläge betroffenen Frauen beeindruckte nicht nur die Talkshowgäste. Wiederholt zeigte Jauchs Redaktion Einspielfilme, ausserdem veröffentlichte der Talkmaster eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Sendung: Demnach sind 66 Prozent der Deutschen für einen sofortigen Abzug der Bundeswehr-Soldaten aus Afghanistan.

Ob die Sendung beim Publikum ankommt, wird sich erst mit der Entwicklung der Einschaltquoten über mehrere Wochen zeigen. Anne Will holte auf dem Sendeplatz zuletzt im Schnitt etwas mehr als vier Millionen Menschen vor den Fernseher. (mrs/AFP)

Erstellt: 12.09.2011, 07:56 Uhr

Artikel zum Thema

«Sie werden vielleicht über mich herfallen»

In wenigen Wochen wird Günther Jauch erstmals seine gleichnamige Sonntagabend-Sendung auf der ARD moderieren. Nun spricht der Journalist über die Talkshow und sein weiteres Engagement bei RTL. Mehr...

Kommentare

Die Welt in Bildern

Monsunregen: Nach heftigen Regenfällen müssen die Menschen im Kurigram-Distrikt in Bangladesh auf Booten ausharren, lediglich die Hausdächer ragen aus dem Hochwasser. (17. Juli 2019)
(Bild: Zakir Hossain Chowdhury/Barcroft Media/Getty) Mehr...