Der letzte Bösewicht

Heute ist es genau dreissig Jahre her, dass Larry Hagman in «Dallas» erstmals den fiesen Öl-Baron mimte. Doch die Zeiten haben sich geändert: Selbst er hat nun Solarzellen auf dem Dach.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Als geldgieriger und machthungriger Fiesling zog er seine Geschäftspartner über den Tisch, schmierte Politiker und ging notorisch fremd. Bis zu 18 Millionen Zuschauer schalteten im deutschsprachigen Raum jeweils dienstags ein, wenn Larry Hagman in «Dallas» als J. R. Ewing sein Unwesen trieb. Dreissig Jahre sind verstrichen, seit die legendäre TV-Serie das erste Mal von der ARD ausgestrahlt wurde. Und vor lauter «Desperate Housewives» und «Grey's Anatomy» hat man Hagmans Soap heute fast vergessen.

Ein echter Texaner

Dass sich die Zeiten geändert haben, zeigt sich nicht zuletzt an Hagman selbst. Der schmierige Öl-Baron aus der Serie wirbt heute erfolgreich für Solarstrom. Mit seiner Frau lebt der gebürtige Texaner seit Jahren auf einer Farm in Kalifornien.

«Ich habe mir zu Hause die grösste Solaranlage installiert, die es überhaupt in einem amerikanischen Privathaushalt gibt», sagte Hagman kürzlich im Interview mit der «Süddeutschen Zeitung». Doch ist Hagman nicht etwa zum harmlosen Öko-Gutmenschen mutiert. Ein Stück von J. R.s texanischer Cowboy-Mentalität hat er sich bewahrt. So sorgte er vor einigen Jahren für Aufsehen, als er seinen Landsmann George W. Bush kurzerhand als «Idioten» und «Faschisten» bezeichnete. Am Wiener Opernball erschien Hagman ohne Skrupel an der Seite von Silvio Berlusconis Skandalnudel Ruby Rubacuori.

Neue Folgen geplant

Jetzt soll eine Neuauflage von «Dallas» folgen. Und auch hier hielt Hagman mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Die Produzenten wollten die neue Staffel im steuergünstigen New Mexico drehen. «Spinnt ihr? Wenn das rauskommt, müsst ihr die Serie von ‹Dallas› in ‹Albuquerque› umbenennen!», hat er ausgerufen, und die texanischen Politiker so lange bearbeitet, bis auch diese dem Filmteam Rabatte gewährten.

Nun wurden die Dreharbeiten für die Serie aufgenommen. Ganz so gross wie einst das Original wird sie kaum werden. Schliesslich wird sie auf dem Spartenkanal TNT und nicht wie einst beim Mainstreamsender CBS an den Start gehen. Trotzdem werden viele altbekannte Gesichter zu sehen sein. Schauspielerin Linda Gray schlüpft noch mal in die Rolle von J. R. Ewings Ehefrau Sue Ellen, und Patrick Duffy spielt noch mal J. R.s Bruder Bobby. Der Fokus der neuen Folgen soll jedoch auf der jungen Generation Ewing und neuen Darstellern liegen. Ob J. R. weiterhin so viele Affären haben wird wie früher, ist zu bezweifeln. Das wäre dann wohl sogar für eine Soap wie «Dallas» reichlich unglaubwürdig, feiert Hagman doch diesen Herbst seinen achtzigsten Geburtstag.

Erstellt: 30.06.2011, 14:20 Uhr

Hagman und Gray in «Dallas»

Artikel zum Thema

Er spielte den intriganten Ölmilliardär und kämpfte mit Alexis

John Forsythe, in der Rolle des Blake Carrington in «Denver Clan» einem weltweiten Millionenpublikum bekannt gewordener Schauspieler, ist im Alter von 92 Jahren an Krebs gestorben. Mehr...

Die letzte wahre Diva

Der «Denver Clan» machte sie berühmt; jetzt hübscht Joan Collins für einen TV-Sender Frauen auf. Mehr...

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Handarbeit: Schauspieler des Kote Marjanishvili Theaters in Tiflis während einer Probe des Tolstoi-Stücks «Die Kreutzersonate». (18. Februar 2020)
(Bild: Zurab Kurtsikidze) Mehr...