Der missratene Nordkorea-Film

Eine BBC-Dokumentation über Nordkorea ruft Kritik hervor: Erst wegen der Methoden, nun auch wegen des Films selber. Er sei schlecht gemacht und gefährde die nordkoreanischen Reiseführer.

Zeigt das düstere Leben: Undercover-Reportage aus Nordkorea.


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Bereits im Vorfeld löste die Reportage «North Korea Undercover» von John Sweeney Kontroversen aus. Weil der bekannte Investigativ-Journalist eine Studentengruppe der London School of Economics (LSE) als Schutzschild missbrauchte, wollte die Hochschule die Ausstrahlung verhindern. Der halbstündige Beitrag wurde am Montag in der BBC-Sendung «Panorama» trotzdem ausgestrahlt – und rief weitere Kritik hervor.

«Willkommen im wirklichen Nordkorea»: Einen Einblick in «die verschlossenste Nation der Welt» wollte Sweeney geben. Er reiste Ende März für acht Tage nicht offiziell als Journalist ein, sondern als Leiter einer studentischen Touristengruppe. In einem halbstündigen Beitrag präsentiert er die heimlich gefilmten Bilder, die durchsetzt sind mit Statements von Experten und Flüchtlingen sowie Archivaufnahmen. Menschenleere Gegenden wechseln sich ab mit Begegnungen mit offiziellen Vertretern vor gigantischen Denkmälern. «Tourismus im Stalin-Stil», wie Sweeney meint.

Er sieht ein hoch militarisiertes Land, in dem zwei tote Führer als Götter verehrt werden, in dem die Bevölkerung unterdrückt wird und unter Hunger und Armut leidet. Der drohende Krieg ist immer präsent und die Ausrede für alles, was nicht funktioniert. Fotos sind nur gestattet, wenn die Reiseleiter es ausdrücklich erlauben. Die versteckte Kamera des BBC-Teams zeichnet alles auf, was die Reisegruppe – teils nur aus den Augenwinkeln – sieht: das Krankenhaus ohne Patienten, die ständigen Stromausfälle, stillgelegte Produktionsstätten.

Gefährdung auch von Reiseführern

Mit über fünf Millionen Zuschauern erreichte die Sendung die höchste Einschaltquote seit 2007. Vielen gefiel aber nicht, was sie sahen. «Sehr durchschnittlicher Journalismus», «einseitig und rassistisch», «BBC-Propaganda», «überhaupt nichts Neues», «die Aktion des ‹Vice›-Magazins mit Dennis Rodman hat mehr gezeigt»: In den Youtube-Kommentaren kriegt Sweeney sein Fett ab. Auch in den Medien kommt er nicht gut weg: Rodd Liddle vom «Spectator» findet, der Film habe wenig Neues gezeigt, und Sweeneys unheilvoll-bedeutungsschwangere Inszenierung sei unangebracht. Sam Wollaston vom «Guardian» meint, dass die Expedition wenig Neues gebracht habe.

Sweeneys versteckte Aufnahmen zeigen sicher nicht viel, was man nicht schon wusste. Die Reportage wirkt oft bemüht, die dramatische Musik lenkt ab, Sweeneys Vorgehen eher speziell und aufgesetzt. Wenn er verlangt, Patienten im Krankenhaus zu sehen, und dem Arzt sagt, er lasse sich nicht für dumm verkaufen; oder wenn er im Hotelgarten an einem Stacheldraht steht und besorgt auf das öde Land schaut. Was soll der Zuschauer daraus lernen? Interessant wird es vor allem dann, wenn nordkoreanische Flüchtlinge zu Wort kommen und von den Verhältnissen im Land erzählen. Auch die Interviews mit den westlichen Experten und die Archivaufnahmen (Quelle: Youtube) bringen mehr Einsichten als die versteckte Kamera.

Nach der Ausstrahlung haben Reisefachleute für Nordkorea kritisiert, dass mit dem Bericht die nordkoreanischen Reiseführer gefährdet würden, weil diese für die Aktionen des BBC-Journalisten verantwortlich gemacht werden könnten. Auch die LSE hält weiter an ihrer Kritik fest, ihre Studenten seien unzulässig gefährdet und nicht vorgängig informiert worden. Die BBC hatte an der Ausstrahlung des Berichts festgehalten und dies mit dem öffentlichen Interesse begründet. (lmm)

Erstellt: 17.04.2013, 15:05 Uhr

BBC-Reporter John Sweeney in Nordkorea.

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