Der spannendste «Tatort» seit langem

In Dresden ging ein Serienkiller um – und stellte das neu konzipierte Ermittlerinnenduo auf eine harte Probe.

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Man kennt das aus Gruselfilmen. Ein Unfallopfer sucht Zuflucht in einem alleinstehenden Haus. Dort gibt es aber keine Rettung, sondern noch grössere Angst, zum Beispiel mit einer vermeintlichen Leiche, die sich plötzlich bewegt. Und als dann die Villa von der Polizei auseinandergenommen wird, kommt das wahre Ausmass des Horrors erst zum Vorschein. Wobei der Täter hier schon gefasst werden könnte. Wenn die Neue nicht im entscheidenden Moment zögern würde.

Diese verunsicherte Kommissarin heisst Leonie Winkler. Ihr Einsatz im Dresden-Team ist nötig geworden, weil ihre Vorgängerin, die Oberkommissarin Henni Sieland, nach sechs Folgen ausgestiegen ist (die Darstellerin Alwara Höfels machte «unterschiedliche Auffassungen zum Arbeitsprozess» geltend). Jetzt ist mit Cornelia Gröschel eine waschechte Dresdnerin im Einsatz. Als Schauspielerin ist sie schon lange im Geschäft: Das Schweizer Publikum kennt sie vielleicht sogar noch aus dem «Heidi»-Film von 2001, in dem sie als Titelheldin über die Alp hüpfte. Als Figur trifft sie jetzt auf die bewährte Karin Gorniak (Karin Hanczewski), die sich nach einer schweren Verletzung in den Innendienst versetzen lässt. Und auf den Chef Peter Michael Schnabel (Martin Bambach), der Probleme gerne mit Schnoddrigkeit wegsteckt.

Aber für persönliche Kapricen ist wenig Zeit, der Massenmörder ist noch da draussen, und die Neue setzt alles daran, ihren Fehler vom Anfang wiedergutzumachen. Geschrieben hat diese Folge der Autor Erol Yesilkaya, zusammen mit Regisseur Sebastian Marka ein Spezialist für Angst am Sonntagabend. Die beiden sind für einige wirklich gelungene «Tatort»-Folgen verantwortlich: 2016 gabs die verstörende «Wahrheit» aus München und im letzten Jahr «Meta», ein raffiniertes Film-im-Film-Spiel aus Berlin.

Pullover wie die Serienheldin Lund

In «Das Nest» nun führte Neuling Alex Eslam Regie, und er sorgte nicht nur in der 15-minütigen Eingangssequenz im Horrorhaus für Stimmung. Es gibt Anspielungen auf Filmklassiker (Taschenlampenkegel wie in «Seven») und auf Serien (Kommissarin Gorniak trägt Strickpullover wie die dänische Kommissarin Lund). Zwar wirkt hier und dort ein Mätzchen aufgesetzt, unnötig zum Beispiel, dass Kommissarin Winkler immer wieder mit ihrem Feuerzeug spielen muss. Aber der solide konstruierte Erzählbogen und ein paar handfeste Überraschungen lassen das schnell vergessen. Es geht auf und ab mit Emotionen, als gelte es, in 90 Minuten eine ganze TV-Serie zu durchleben.

Am Ende ist die Spannung schon fast obszön greifbar. Das Schöne aber: Es bleibt nicht dabei. Denn die Auflösung wirkt, in ihrer ganzen Doppelbödigkeit, wirklich nach.

Erstellt: 28.04.2019, 22:30 Uhr

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