«Deutschland ist bunt, das möchte ich auch im TV sehen»

Die Schauspielerin Florence Kasumba wird neue «Tatort»-Kommissarin. Sie ist bekannt aus Hollywoodblockbustern wie «Black Panther» oder «Avengers: Infinity War».

Florence Kasumba mit Maria Furtwängler: «In Amerika ist die Chance viel größer, farbige Schauspieler als Held zu sehen.» Bild: NDR/Christine Schroeder

Florence Kasumba mit Maria Furtwängler: «In Amerika ist die Chance viel größer, farbige Schauspieler als Held zu sehen.» Bild: NDR/Christine Schroeder

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Vier Jahre ist es her, dass Florence Kasumba in einem Interview forderte: «Es wird Zeit für einen dunkelhäutigen ‹Tatort›-Kommissar.» Damals spielte die in Kampala in Uganda geborene Schauspielerin zwar mit im «Tatort», aber eben nur in einer Episodenrolle, als undurchsichtige Forscherin aus Südafrika. Jetzt, vier Jahre später, geht ihr Wunsch in Erfüllung. Kasumba spielt wieder im «Tatort» mit, aber diesmal als Ermittlerin Anaïs Schmitz: als neue Kollegin von Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler).

Eine schwarze Kommissarin – im deutschen Fernsehen ist das immer noch eine Besonderheit. Mittlerweile hat zwar jeder fünfte Deutsche ausländische Wurzeln, im Fernsehen sieht man diese Vielfalt aber nur selten. «Deutschland ist bunt, das möchte ich auch im TV sehen», sagt Florence Kasumba: «In Amerika ist die Chance viel grösser, farbige Schauspieler als Held oder Kommissar oder sonst wie als zentrale Figur zu sehen.»

Kasumba, die in Essen aufgewachsen ist, in den Niederlanden studierte und ihre Karriere als Musicaldarstellerin begann, ist seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder im Fernsehen und im Kino zu sehen. Durch die Verpflichtung beim «Tatort» dürfte ihre Bekanntheit in Deutschland jedoch noch einmal einen ordentlichen Schub bekommen: Die 41-Jährige ist hierzulande immer noch relativ unbekannt, dabei hat sie in Hollywood in einigen der erfolgreichsten Blockbustern der vergangenen Jahre mitgewirkt.

Kasumba spielte in «Captain America: Civil War» und dem viel gelobten «Black Panther», derzeit ist sie ausserdem in «Avengers: Infinity War» zu sehen. In den Filmen, die zum Marvel-Comic-Universum gehören, spielt sie Ayo, eine Kriegerin des fiktiven Königreichs Wakanda, die gemeinsam mit einer Leibgarde aus Frauen mit kahlen Schädeln den König T'Challa beschützt. Eine Rolle, wie gemacht für Florence Kasumba, die chinesischen Kampfsport liebt und auch privat die Haare kurz trägt: «Was woanders vielleicht ein Problem ist, kurze Haare, dunkle Hautfarbe, das waren hier die Kriterien, die man brauchte, um mitwirken zu dürfen.» Auch in «Wonder Woman» hatte sie eine Nebenrolle, im kommenden Jahr wird sie ausserdem an Jon Favreaus Realverfilmung von «König der Löwen» mitwirken – neben amerikanischen Stars wie Beyoncé Knowles, Donald Glover oder Chiwetel Ejiofor.

Wie lang das Engagement geht, ist noch unklar

Im vom NDR produzierten «Tatort» wird Kasumba eine dominante Ermittlerin mit dem Namen Anaïs Schmitz spielen. Das erinnert an die Verpflichtung von Sibel Kekilli, die von 2010 bis 2017 an der Seite von Axel Milberg als Sarah Brandt in Kiel auf Mördersuche ging; damals bekam der Sender viel Lob für die Entscheidung, der Figur einen deutschen Namen zu geben. Das könnte sich jetzt wiederholen, auch wenn die Mitteilung der ARD nicht nach einer dauerhaften Verpflichtung klingt: Anaïs Schmitz werde «in den kommenden Fällen» mit Charlotte Lindholm zusammenarbeiten. Lindholm ermittelt nach einer Strafversetzung nicht mehr in Hannover, sondern in Göttingen. Gut möglich also, dass Kasumbas Karriere beim «Tatort» genauso lange andauert wie Lindholms Strafversetzung.

Furtwängler jedenfalls, die inzwischen schon seit 16 Jahren als Charlotte Lindholm ermittelt, freut sich auf die neue Kollegin und kündigt etwas nebulös an: «Unsere Konstellation bietet viel Raum für interessante Wendungen.» Ein Ausstrahlungstermin für die erste gemeinsame Folge mit dem Arbeitstitel «Born to die» ist noch nicht bekannt.

Als sie ein Kind war, so sagte Kasumba in einem Interview, habe sie im Fernsehen amerikanische Produktionen ansehen müssen wie die «Cosby Show» oder den «Prinz von Bel-Air», wenn sie jemanden sehen wollte, der aussieht wie sie. Die Kinder von heute werden künftig auch den «Tatort» mit Florence Kasumba gucken können – jedenfalls, wenn die Eltern es erlauben.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 11.06.2018, 16:29 Uhr

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