«Die Behauptung ist falsch»

Musste Roger de Weck wegen schlechter Quoten beim SRG-Verwaltungsrat antraben? Nein, sagen die Verantwortlichen und üben sich in Zahlenklauberei.

Kämpft gegen sinkende Marktanteile: SRG-Generaldirektor Roger de Weck.

Kämpft gegen sinkende Marktanteile: SRG-Generaldirektor Roger de Weck. Bild: Keystone

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Die SRG wehrt sich gegen einen Artikel in der letzten «NZZ am Sonntag». Darin wird behauptet, dass der Generaldirektor Roger de Weck vor dem Verwaltungsrat die Gründe für den abrupten Rückgang der Zuschauerzahlen beim Schweizer Fernsehen darlegen musste. Seit April 2011 liegt der monatlich ausgewiesene Marktanteil der drei Sender SF 1, SF 2 und SF Info unter 30 Prozent. Im Juli waren es 29,5 Prozent. Noch nie seit Einführung von SF 2 im Jahr 1997 lagen die Werte so tief.

Vertrauen in die «Zuständigen»

Nun reagierte die TV-Station auf den Artikel und teilte mit: «Diese Behauptung ist falsch: Der SRG-Verwaltungsrat hat dieses Thema überhaupt nicht erörtert.» Gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet doppelte Daniel Steiner, Mediensprecher der Generaldirektion, nach: «Sämtliche Behauptungen der ‹NZZ am Sonntag› sind falsch.»

Der Verwaltungsrat werde im Rahmen der regelmässigen Unternehmens-Berichterstattung auch über die Entwicklung der Hörer- und Zuschauerzahlen informiert. «Dieses Thema hat er aber nicht speziell behandelt oder diskutiert, im Wissen, dass die Zuständigen die Nutzungszahlen ihrer Programme und Sendungen laufend beobachten und stets proaktiv handeln», sagt Steiner weiter.

Dieses Vertrauen in die Zuständigen bestätigt Andrea Hemmi, Leiterin der Unternehmenskommunikation bei Schweizer Radio und Fernsehen (SRF): «Die Geschäftsleitung beschäftigt sich laufend mit den Nutzungszahlen; dies gehört wie die Qualitätsdiskussion zu ihren täglichen Aufgaben.»

Allerdings bezweifelt Hemmi die Aussage, dass der Marktanteil der SF-Stationen unter die 30-Prozent-Marke gesunken sei: «Dies ist nicht korrekt, im Schnitt bewegte sich SF von Januar bis Ende Juli bei 30,6 Prozent.» Tatsächlich liegt dieser Durchschnittswert über 30 Prozent, weil von Januar bis März Marktanteile von 31,3 bis 33,1 Prozent erreicht wurden.

Danach sanken die Zahlen allerdings erstmals unter die magische Grenze und erreichten in den Monaten April bis Juli 29,2 bis 29,8 Prozent. Zum Vergleich: Im Juni 2008 erreichte SF den höchsten Wert mit 44,1 Prozent Marktanteil. Fairerweise muss man aber sagen, dass dieser Rekord nur dank des Zuspruchs der Zuschauer zur Berichterstattung zur Fussball-EM in der Schweiz zustande kommen konnte.

«Entwicklung nicht dramatisch»

SRF-Sprecherin Andrea Hemmi relativiert denn auch die aktuelle Entwicklung. «Wie alle anderen Sender stellen wir fest, dass der Markt immer härter umkämpft ist», sagt sie. «Allerdings ist die Entwicklung nicht dramatisch.» Der Marktanteil von SF 1 sei gegenüber dem Vorjahr sogar leicht gestiegen. Als Jahresziel für alle Sender nennt sie die Marke von 32 Prozent. Damit läge das Schweizer Fernsehen bloss 0,6 unter dem Wert des Vorjahrs.

Erfahrungsgemäss steigen die Marktanteile im Herbst und Winter wieder leicht an, doch ob damit der Durchschnittswert derart angehoben werden kann, das darf bezweifelt werden. Die Frage stellt sich da schon, ob die Geschäftsleitung die Entwicklung genug ernst nimmt und ob der Verwaltungsrat derart blindes Vertrauen in die Arbeit der «Zuständigen» haben darf.

Interessant ist jedenfalls, wie die Zahlen seit 2011 kommuniziert werden: Waren die monatlichen Quoten bis dorthin prominent im Titel der Medienmitteilung angekündigt, so heisst es seit Januar nur noch «Monatsbilanz». Seit SRF die Werte nicht mehr an die grosse Glocke hängt, muss man sich die einzelnen Zahlen selber aus der Statistik heraussuchen - und SRF kann wieder mit höheren Durchschnittswerten argumentieren.

Erstellt: 24.08.2011, 12:15 Uhr

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