Die Monster-Königin siegt erneut

Wie viele Intrigen, Gewalt und Unzucht gabs diesmal? Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht die siebte Staffel des Serienhits «Game of Thrones». Heute: Folge 3.

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SPOILER-ALARM: NUR WEITERLESEN, WENN MAN EPISODE 3 VON STAFFEL 7 GESEHEN HAT.

Was ist in der neusten Folge passiert?
Es stehen in dieser Staffel nur noch vier Episoden an. Ist das der Grund für die beschleunigte Erzählzeit? Jon Snow jedenfalls ist bereits in Dragonstone eingetroffen. Früher hätte eine Reise von der Mauer dorthin mindestens ein paar Episoden wenn nicht gar mehrere Staffeln gedauert. Item. Auf das Treffen zwischen Jon und Daenerys warteten wir lange genug. Und bravo! Jon weigerte sich, vor der rechtmässigen, aber halt auch arroganten Erbin des Eisernen Thrones in die Knie zu gehen, weil er sich als König des Nordens versteht. Es war ein spannender Moment – denn Daenerys ist bekanntlich ziemlich impulsiv. Würde sie ihn ihren Drachen zum Frass vorwerfen? Nein, das nicht. Aber zurückreisen liess sie ihn auch nicht. Und seine Bitte für Unterstützung im Kampf gegen die White Walker schlug sie ab. Ihr Ziel ist der Eiserne Thron, die «Armee der Toten» hält sie für Folklore. Immerhin darf Jon Dragonglass schürfen – ein Hinweis, dass Daenerys letztlich mit ihm zusammenspannen wird? Die Frage, die viele Fans mehr interessiert, lautet aber: Wird sie mit ihm das Bett teilen? Die beiden attraktivsten Singles in Westeros sind zwar unwissentlich miteinander verwandt – aber Inzest war in dieser Serie ja noch nie ein Tabu.

Erstes Treffen: Daenerys und Jon Snow auf Dragonstone.

Unterdessen in King’s Landing ging Cerseis Lauf weiter. Sie ahnte, dass ihr Bruder Tyrion den Familiensitz Casterlyrock einnehmen wollte, und liess die Festung räumen – um die Lannister-Armee im reichen Highgarden auflaufen zu lassen. Nun hat sie genügend Geld, um ihre Schulden bei der Eisernen Bank zurückzuzahlen. Die Schlacht in Highgarden sahen wir kaum – dafür war das Produktionsbudget wohl zu knapp –, aber das war auch nicht nötig. Die Autoren behalfen sich mit einem Trick. Sie zeigten Olenna und Jaime, wie Letzterer der geschlagenen Tyrell-Matriarchin einen Giftbecher reichte. Olenna, cool und spitzzüngig wie eh, trank ihn und eröffnete Jaime, dass sie es war, die damals seinen Sohn Joffrey vergiftet hatte – nicht Tyrion. Für solche Momente, die über Jahre hinausgezögert werden, lieben die Fans «Game of Thrones». Ebenso für die grossartigen Schauspieler wie Diana Rigg (Olenna), deren letzte Szene einmal mehr Weltklasse war.

Sturm auf Highgarden.

Darauf hätte Jaime Olenna noch massakrieren können, beliess es aber beim Gift. Seine Zwillingsschwester Cersei hätte wohl anders gehandelt. Ihr sadistischer Charakter, der durch Rachegelüste geprägt ist, zeigte sich in dieser Episode einmal mehr. Sie liess Ellaria und ihre Tochter Tyene durch King’s Landing schleifen und vergiftete Tyene im Kerker, sodass ihre Mutter, die neben ihr angekettet war, ihr beim Sterben zuschauen musste. Es war das erste Mal, wo ich mit den Sandschlangen so etwas wie Empathie empfand.

Das Ende der Sandschlangen.

Fragen und Gedanken:

  • Neben Daenerys/Jon kam es mit dem Geschwisterpaar Bran/Sansa zu einer weiteren lang erwarteten Zusammenkunft. Allerdings fiel sie ähnlich verlegen aus wie das Treffen der beiden Könige. Sansa umarmte ihren Bruder und brach in Tränen aus, doch alles, was Bran nach der jahrelangen Trennung zu sagen hatte, war: «Ich bin der dreiäugige Rabe.» Da hätte ich mich auch gewundert, was mit dem los sei. Zumal er dann noch seine Vision von Sansas Vergewaltigung paraphrasierte. Da hätte er ihr besser seine wichtigste Vision verklickert: dass Jon ein Targaryen ist.
  • Wir müssen über Jaime reden. Er wurde von den Autoren schon immer als zwiegespaltene Figur präsentiert. Wenn man stets das Gefühl hat, er habe sich für die gute Seite entschieden, landet er wieder im Bett seiner Zwillingsschwester Cersei. So auch in dieser Episode. Wird er für Cersei sterben – oder letztlich ihr Mörder sein? Es scheint zumindest, dass er den verdorbenen Charakter seiner Schwester immer mehr zu erahnen beginnt. Und dass sie sich selber Euron versprochen hat, wenn dieser den Krieg für sie gewinnt, dürfte ihm auch nicht gefallen.
  • Emilia Clark und Kit Harrington, die Daenerys und Jon Snow spielen, waren und sind einfach keine guten Schauspieler. Zu steif, zu viel Pathos. Wie viel besser ist da ein John Bradley-West, der Sam Tarly spielt, und erst sein Mentor Jim Broadbent! Die beiden machen jede Szene zu einem Genuss.
  • Wenn ich die Auflistung von Daenerys’ vielen Titeln noch einmal hören muss, wechsle ich ins Lager der White Walker. Davos hielt sich bei der Einführung seines Königs dagegen super kurz: «This is Jon Snow. He’s King in the North.»
  • Als der Drache über Jon hinwegflog, dachte ich, er käme für Streicheleinheiten zurück, weil Jon ja ein Targaryen ist. Aber das wäre wohl ein bisschen billig gewesen.
  • «Everything is happening all at once»: Littlefingers Rat an Sansa war mehr Esoterik als Militätstrategie.
  • Ser Jorah wurde von Sam von der Greyscale-Krankheit geheilt, die ja das Lepra von Westeros ist. Was ist nun die Rolle des unglücklich verknallten Ritters im Endspiel?

Ekligste Gewalteskalation:
Ellaria und Tyene im Kerker.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Erneuter Inzest zwischen Jaime und Cersei.

Der Winter ist ja nun hier. Aber wurden auch White Walkers gesichtet?
Nein.

Wie gefiel Ihnen die Folge? Unten können Sie mitreden.

Alle Recaps von Staffel 7 zum Nachlesen:

-Folge 1
-Folge 2
-Folge 3
-Folge 4
-Folge 5
-Folge 6
-Folge 7


Erstellt: 02.08.2017, 10:28 Uhr

Serien-Besprechung

Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht jeweils am Mittwoch die neuste Folge von «Game of Thrones», die am Montagabend auf dem welschen Fernsehsender RTS im englischen Originalton läuft (und danach im RTS-Webplayer zu sehen ist).

Die US-Serie ist das TV-Ereignis schlechthin. Weltweit verfolgen Millionen jede Woche die neuste Folge der Machtkämpfe im fiktiven Königreich von Westeros. Das Erfolgsgeheimnis von «Game of Thrones» sind eine komplexe Handlung, ein hochkarätiges Schauspieler-Ensemble und überraschende Wendungen sowie politische Bezüge zur Gegenwart.

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