Die Wölfin

Die US-Komikerin Michelle Wolf wird für ihren Auftritt am Korrespondenten-Dinner heftig kritisiert. Wer ist die Frau, die einst an der Wallstreet arbeitete?

Kam nicht überall gut an: Michelle Wolf während ihres Monologs am Korrespondenten-Dinner.

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Mit den Sticheleien hatten sie gerechnet. Und auf Schulterklopfer hatten sie natürlich gehofft, die Korrespondenten des Weissen Hauses. Dass sie aber kräftige Arschtritte erhalten würden, war dann doch eine Überraschung für die Mitglieder der liberalen Medien. Selber schuld: Sie hatten nun einmal die Komikerin Michelle Wolf eingeladen.

Der Roast, das Durch-die-Mangel-Drehen von Politikern und Journalisten durch Comedians, ist seit 1983 Tradition beim Korrespondenten-Dinner. Stephen Colbert gelang damit letztmals 2006 ein Skandal, als er Präsident George W. Bush angriff. Seither war das Ganze meist eine nette Gelegenheit für die Präsidenten, Selbstironie zu beweisen. Nicht selten wurde in den letzten Jahren Kritik laut, der Anlass sei Anzeichen dafür, dass sich Politik und Presse zu nahe stünden. Mit der Rede der 32-jährigen Michelle Wolf sorgt nun erstmals wieder ein Roast für Diskussionen.

«Ihr tut so, als würdet ihr Trump hassen»

Die Comedian schoss gegen die Trump-Familie und die Trump-Regierung. Die Präsidentensprecherin Sarah Huckabee Sanders verspottete sie: «Sie verbrennt Fakten und verwendet danach die Asche, um sich ein perfektes Smokey Eye zu schminken.» Und auch die Presse bekam ihr Fett weg: «Ihr tut so, als würdet ihr Trump hassen, dabei liebt ihr ihn: Er hat euch allen geholfen, Zeitungen und Bücher zu verkaufen.» Das kam nicht gut an, als zu harsch empfanden viele Wolfs Ton. Zahlreiche US-Journalistinnen befanden zudem ihren Angriff auf Sanders als unwürdig.

Wolf kommt 1985 in Hershey, Pennsylvania, zur Welt. Während ihrer Schulzeit brilliert sie als Leichtathletin, muss ihre Karriere jedoch verletzungshalber aufgeben. Nach einem Kinesiologie-Studium arbeitet sie in New Yorks Finanzwelt. Den Entscheid kommentierte sie einmal trocken: «Ich war Athletin, und an der Wallstreet mögen sie Athleten, weil die kompetitiv sind.» Nach vier Jahren hat sie genug von Investmentfirmen: der harsche Umgangston. «Ich realisierte, dass mich diese Welt in einen schlechten Menschen verwandelte.» Ihre Karriere als Komikerin beginnt Wolf mit satirischen Kommentaren auf Twitter. Auf die ersten Bühnenauftritte als Stand-up-Comedian folgt bald die TV-Karriere: Sie schreibt Witze für «Late Night with Seth Meyers», sie schreibt 2016 den Oscar-Monolog für Chris Rock, sie schreibt für «The Daily Show with Trevor Noah».

«Ihr hättet besser recherchieren sollen»

Weil sie gerne Sexualität und die Machtverhältnisse zwischen Mann und Frau thematisiert, gab man ihr in den USA das Label «feministische Komikerin». Dabei ist Wolf in erster Linie eine genaue Beobachterin von Politik und Gesellschaft. Eine, die ihrem Publikum gerne widersprüchliches Verhalten und Heucheleien um die Ohren haut. Wolf kritisiert Männer, die auf weibliche Schönheitsstandards pochen, und sie kritisiert Frauen, die Männer lediglich um den Finger wickeln wollen. Sie greift Männer an, die ihre Macht missbrauchen, und sie greift Frauen an, die als Prinzessin behandelt werden wollen.

Lästert über Hoden und Frauen, die Prinzessinnen sein wollen: Michelle Wolf bei «Live at the Apollo».

Enttäuscht über Wolfs Roast zeigte sich auch Margaret Talev, Präsidentin der Korrespondenten-Vereinigung: Sie hatte sich von der Komikerin eine Würdigung der Pressearbeit erhofft. Die passende Antwort dazu hatte Michelle Wolf noch während ihrer Rede auf die ersten Rauner geliefert: «Ihr hättet besser recherchieren sollen, bevor ihr mich engagiert habt.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 30.04.2018, 16:39 Uhr

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