Er hat die Macht, Sex zu verlangen

Der Fernsehmann Bill O’Reilly hat Frauen belästigt und Firmen vertäubt.

Firmen wie Mercedes, BMW und Bayer haben ihre Spots vor seiner Sendung zurückgezogen, weil sie einen Imageschaden befürchten: Bill O’Reilly. Foto: AP Photo/ Richard Drew

Firmen wie Mercedes, BMW und Bayer haben ihre Spots vor seiner Sendung zurückgezogen, weil sie einen Imageschaden befürchten: Bill O’Reilly. Foto: AP Photo/ Richard Drew

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Er gehört zu den bekanntesten Journalisten Amerikas, er ist ein permanenter Polemiker und eine rhetorische Anlaufstelle für alle Rechten. Mit seinem aggressiven Konservatismus verkörpert er seinen Sender Fox TV ideal.

Bis jetzt. Denn Bill O’Reilly hat ein Problem. Kein journalistisches. Aber ein sexuelles. Der 67-Jährige, berichtet die «New York Times», habe erneut ein hohes Schweigegeld zahlen müssen, um einer Anklage wegen sexueller Belästigung zu entgehen. Es ist das fünfte Mal, die Kosten belaufen sich auf insgesamt 13 Millionen Dollar.

Besonders ungünstig für O’Reillys Sender ist das Timing: Zwei der Fälle haben sich nach der Entlassung von Roger Ailes ereignet. Der frühere Chef von Fox TV, ebenfalls der wiederholten sexuellen Belästigung angeklagt, war im Sommer entlassen worden. Eine interne Untersuchung wies später nach, dass Frauen in diesem Unternehmen immer wieder gemobbt, angemacht und sonst wie erniedrigt wurden. Der Sender hatte Besserung versprochen. Und muss jetzt diese neuen Enthüllungen gewärtigen.

Soll ein Wiederholungstäter sein: Bill O’Reilly in seiner eigenen Show «The O’Reilly Factor». Quelle: Youtube/ Fox News

Mitarbeiterinnen und weibliche Gäste von Fox News klagen seit Jahren über O’Reillys Beschimpfungen, anzügliche Bemerkungen, Zudringlichkeiten und seinen Machtmissbrauch. So soll er Beförderungen von sexueller Gunst abhängig gemacht haben. Die meisten Frauen schwiegen, weil sie seine Rache fürchteten.

Er ist kein zimperlicher Typ. Geht es nach ihm, sind alle Amerikaner entweder Patrioten oder Idioten, hat Barack Obama dem Land nur geschadet und hat er selber mit allem recht, was er sagt. Und da Bill O’Reilly sehr viel redet und auch bei Interviews von Zurückhaltung oder Höflichkeit wenig hält, macht das Rechthaben einen grossen Teil seines Journalismus aus. «The O’Reilly Factor» heisst seine Show, die er seit bald 20 Jahren abhält, sie ist kontrovers, meinungsbildend und erfolgreich. Fast vier Millionen schauen O’Reilly jeden Abend beim Meinen zu, alleine in den letzten drei Jahren hat seine Sendung 446 Millionen Dollar Werbeeinnahmen generiert.

Die meisten Frauen schwiegen, weil sie seine Rache fürchteten.

Verständlich, dass Fox TV ihm 18 Millionen Dollar Jahresgehalt zahlt und den Vertrag mit ihm verlängerte.

Ob der Sender das bereuen wird? Zum ersten Mal haben Firmen wie Mercedes, Hyundai, BMW, Bayer und andere ihre Spots vor O’Reillys Sendung zurückgezogen, weil sie einen Imageschaden befürchten. Man nehme die Anschuldigungen sehr ernst, begründet Mitsubishi Motors seinen Entscheid; der Konzern hat alleine im letzten Jahr für 2,1 Millionen Dollar Werbung bei O’Reilly geschaltet.

Dieser interpretiert die Klagen gegen ihn als Erpressung und begründet sein Schweigegeld mit dem Wunsch, er wolle damit seine Kinder schützen. Im Übrigen ist er der Überzeugung, dass Angestellte ihrem Unternehmen gegenüber loyal sein sollten.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.04.2017, 19:05 Uhr

Artikel zum Thema

Belästigen – und dann verschwinden

Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist verboten. Doch das Gesetz lässt ein grosses Schlupfloch offen: Mit einem Jobwechsel kann man sich der Verantwortung sang- und klanglos entziehen. Mehr...

Belästigung gehört abgeklärt

Analyse Es ist Aufgabe der Chefs, Zudringlichkeiten in der Firma auf den Grund zu gehen. Mehr...

«Die Sorgfaltspflicht gilt bis zum letzten Arbeitstag»

Interview Expertin Helena Trachsel sagt klar: Arbeitgeber müssen bei Belästigungen handeln. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Alpaka trifft Kuh: 131 Lamas und Alpakas ziehen von der Alp Gorneren und der Griesalp im Kientla zurück ins Tal und beschnuppern beim Vorbeigehen die einheimischen Arten (26. September 2017).
(Bild: Urs Flüeler) Mehr...