Es winken nur die Mütter

80/80? 100/50? 100/Hausfrau? Welche Familienmodelle leben die Schweizerinnen und Schweizer heute? Dieser Frage ging der gestrige «DOK» nach.

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Der kleine Bus mit den Schulkindern fährt los und am Dorfbrunnen winken die Mütter. Es winken nur Mütter. Väter sind keine zu sehen. Die Szene aus dem «DOK» «Zwischen Kind und Karriere» ist kurz, man könnte sie glatt übersehen. Doch sie ist signifikant. Sieht das Schweizer Familienmodell Nr. 1 im Jahr 2017 noch immer so aus: Der Mann ist längst im Büro, während die Frau die Kinder zur Schule bringt? Oder hat sich in den zwanzig Jahren seit dem Gleichstellungsgesetz doch etwas verändert?

Dieser Frage ging der gestrige «DOK»-Film von Michèle Sauvain nach. Dazu porträtierte die Filmemacherin drei Familien mit unterschiedlichen Modellen: Raphael Golta arbeitet 100 und seine Frau Catherine 50 Prozent. Die Kinder sind drei Tage die Woche in der Krippe. Diese Aufteilung findet man in der Schweiz am häufigsten. Daniela und Patrik Spiess haben zwei schulpflichtige Töchter und leben nach klassischer Aufteilung: Er arbeitet 100 Prozent, sie ist Hausfrau. Barbara Glassl und Mike Pfäffli schliesslich haben drei Kinder und arbeiten beide 80 Prozent. Im Haushalt helfen sie zu gleichen Teilen mit. Damit gehören sie hierzulande zu einer Minderheit.

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Diese drei Familien begleitete der «DOK» also durch den Alltag; pendelte zwischen Kinderzimmer und Grossraumbüro, zwischen Mittagstisch mit selbst gemachter Pizza und Agendaabgleich der Eltern beim Feierabendbier. Spannend wurde das vor allem dann, wenn Sauvain die Paare nach den Beweggründen ihrer Pensenaufteilung befragte. Oder wenn sie den Unternehmensberater auf den Teilzeitwillen der hiesigen Wirtschaft aushorchte.

Nach und nach dröselte Sauvain so das Thema in seiner ganzen Komplexität auf. Denn die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Arbeit geht weit über das Jonglieren von Stellenprozenten hinaus. Wie steht es um die finanziellen Möglichkeiten? Welche Rollenbilder sind bei den Paaren verankert? Wie ist ihre Einstellung zur Fremdplatzierung der Kinder? Was ist mit Karrierewunsch und Unternehmensphilosophien?

Die Gattin gibt den Impuls

Sauvains Auslegeordnung ist aufschlussreich – und hinterlässt dabei gemischte Gefühle. Ja, in der Schweiz ist bezüglich Gleichstellung und Teilzeitmöglichkeiten einiges gegangen. Ja, die Hauptlast der Arbeit zu Hause fällt noch immer vorwiegend auf die Frau. Und ja, vor allem in den Köpfen vieler Schweizer Männer scheint sich noch etwas ändern zu müssen. Etwas oft hört man sie in «Zwischen Kind und Karriere» so sprechen: vom Eigentlich-hätte-reduzieren-Wollen, das dann doch dem Karrieresprung weichen musste; vom Impuls zur Pensenreduktion, der eben doch von der Gattin gekommen war.

Aber hoffentlich gibt es bald mehr jener Männer, die aus eigenem Antrieb weniger arbeiten und eine grössere Rolle in der Familie übernehmen wollen. Die stehen dann morgens vielleicht auch am Dorfbrunnen und winken den Kindern im Schulbus nach. Und ja, nach dem Winken gehen sie nach Hause. Dort wartet nämlich die Hausarbeit. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 10.03.2017, 10:17 Uhr

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