Fertig «upstairs» und «downstairs»

Mit der letzten Folge von «Downton Abbey» geht eine der weltweit erfolgreichsten Fernsehserien zu Ende.

Sorgte stets für Lacher: Maggie Smith als Gräfinwitwe Violet Crawley.


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Es schien, als werde die Sonne über dem Anwesen Downton niemals untergehen. Unerschütterlich majestätisch stand der stattliche Bau da, im Intro zu «Downton Abbey», während im Innern des Hauses unermüdlich Besteck arrangiert und staubgewedelt wurde. Folge um Folge klingelte zur Titelmelodie ein Glöckchen einen Bediensteten herbei, als lebten wir für immer in der grossen Zeit des britischen Landadels. Doch wie jener Abschnitt britischer Geschichte musste auch «Downton Abbey» eines Tages zu Ende gehen.

Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen: Nach fünf Jahren und 51 Episoden lief auf ITV am Sonntag die letzte reguläre Folge von «Downton Abbey». Einige lose Erzählstränge sollen in einem Weihnachtsspezial noch zusammengeflochten werden, dann ist sie Geschichte, eine der erfolgreichsten Fernsehserien überhaupt.

Eigentlich ging es bei «Downton Abbey» ja schon immer um Untergänge und drohende Enden. So ist es ein Untergang, der gleich in der ersten Episode die Welt der Adelsfamilie Crawley erschüttert: Die Titanic ist gesunken und hat Patrick Crawley mit sich in die Tiefen des Meeres gerissen – jenen ersten Cousin des Familienoberhaupts, der durch die Heirat mit der ältesten Tochter Mary den Erhalt des Anwesens Downton als Familiensitz hätte sichern sollen.

Eine Portion Soap-Opera

Doch das ist erst der Anfang. Über sechs Staffeln begleitet der Zuschauer die Aristokratenfamilie Crawley und ihre Bediensteten. Es ist das Ende einer Ära, und man wird Zeuge, wie die Bewohner des Anwesens mit den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen ab 1912 klarkommen. Dreizehn Jahre erlebt man so mit: den Ersten Weltkrieg, technische Neuerungen, Frauenrechts- und Arbeiterbewegungen, Grossbritanniens erste Labour-Regierung, schliesslich die finanziellen Schwierigkeiten des Clans.

Bis zu 160 Millionen Zuschauer wollten dies weltweit jeweils miterleben; «Downton Abbey» lief in über 100 Ländern und heimste unzählige Preise ein. Der Grund für diesen Erfolg? «Downton» war mehr als nur ein Kostümdrama. Autor Julian Fellowes hatte eine Historienserie mit modernem Erzählstil geschaffen: Die Handlung folgt stets mehreren Erzählsträngen, der Zuschauer erlebt dabei die Welt von «upstairs» und «downstairs», also sowohl die Geschicke der Adelsfamilie als auch jene der Bediensteten. Dabei mischte Fellowes eine gehörige Portion Soap-Opera rein: Finden Lady Mary und Matthew Crawley zusammen? Kommt der Kammerdiener John Bates aus dem Gefängnis? Werden er und das Hausmädchen Anna glücklich?

Am Ende sind es wohl vor allem die Romanzen, Intrigen und tragischen Tode, die einen bei «Downton» mitfiebern lassen. Kombiniert mit einer Prise Humor: Denn mit Maggie Smith als Gräfinwitwe Violet Crawley gab es auch eine zuverlässige Lieferantin von kernigen Einzeilern. Unvergessen etwa bleibt ihre ungläubige Nachfrage auf Matthew Crawleys Wochenplanung: «Was ist ein Wochenende?»

Konservative Nostalgie

Selbstverständlich war auch «Downton Abbey» nicht ohne seine Kritiker. Der «Guardian» hielt den Machern der Serie vor, sie befeuerten die konservative Nostalgie eines rigiden Klassensystems und exportierten die ewiggleichen Stereotypen von Grossbritannien als Insel des Adels und der Royals. Historiker wiederum bemängelten, das Verhältnis zwischen Adel und Bediensteten auf dem Anwesen sei viel zu nahe, die Arbeit «downstairs» werde romantisiert.

Zuletzt vermochte «Downton» nicht mehr an die ursprüngliche Qualität anzuknüpfen. Die Handlung dümpelte bisweilen dahin, für Gesprächsstoff sorgte nur noch, wenn Hausherr Lord Grantham Blut spuckte. Somit erging es der Serie ein bisschen wie den Adelshäusern: «Downton» blieben die Zuschauer fern, so, wie den Anwesen die Bediensteten wegbrachen. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 09.11.2015, 20:28 Uhr

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