Film im Film im Film

Der neue Berliner «Tatort» besuchte den roten Teppich der Berlinale und präsentierte mit «Meta» ein hübsches Verwirrspiel.

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In Berlin laufen gegenwärtig die Stars über den roten Teppich und im «Tatort» taten es die Berliner Kommissare Rubin (Meret Becker) und Karow (Mark Waschke) ebenfalls. Aber nicht sonntagabendliches Vergnügen führte sie ans Schaulaufen vor den Fotografen, nein, es ging um Ermittlungen, bei der sie einen Regisseur mitten aus seiner Berlinale-Premiere rausführten. Sein Vergehen: Er hat in seinem Film vorweggenommen, was die Kommissare an diesem Tag Blutiges erlebt hatten.

«Meta» heisst dieser Berlinale-Film und «Meta» heisst auch dieser Berliner «Tatort». Klar geht es darin – meta, meta – ziemlich verwirrend zu und her. Imitiert der Film das Leben? Oder ist es umgekehrt, imitiert das Leben den Film? An die zweite Theorie glaubt vor allem der wie immer herrlich sture Robert Karow, der sich mit seiner ganzen Besessenheit in die Geschichte vergräbt. Seine Partnerin Nina Rubin denkt eher an Zufall, kommt damit aber im wahrsten Sinne des Wortes unter die Räder.

Das Spiel mit den Ebenen und den Metaebenen funktioniert bestens. Kein Wunder, stammt «Meta» doch von Sebastian Marka (Regie) und Erol Yesilkaya (Drehbuch), diesem Duo für ganz spezielle «Tatort»-Höhepunkte: Sie verantworten zum Beispiel den am Hollywood-Vorbild «Seven» orientierten Psychoschocker «Es lebe der Tod» mit Ulrich Tukur. Auch in ihrer neuen Arbeit heben sie filmisch ganz schön ab, kehren aber immer wieder auf den Boden der Realität zurück. Dafür sorgt besonders die Kommissarin, die sich noch mit ihrem Sohn herumschlagen muss, der sich – oft zu Recht – vernachlässigt fühlt.

«Taxi Driver» ist dann doch zu viel des Guten

Natürlich kann man ein paar Dinge bemängeln: Ein offensichtliches B-Movie wie «Meta» würde niemals als Premiere im Berlinale-Palast laufen. Es ist bizarr, dass der Kommissar im Zeitalter von Streaming-Links tagelang ein Kino zur Verfügung hat, um den Film vor- und rückwärts anzuschauen. Und es ist anmassend, dass als dritte Ebene auch noch das Meisterwerk «Taxi Driver» reingeschnitten wird. «Tatort»-Kommissare, bleibt bei euren Leisten, möchte man da rufen! Aber egal. Das Wechselspiel zwischen Film und Leben bleibt spannend.

In Cannes wurde vor Jahren der Brian-De-Palma-Thriller «Femme fatale» gedreht, da ging es um Diamantenraub im Festival-Palais. Beim Berlinale-«Tatort» sind letztlich eine alte Naziorganisation und aktuelle Kinderprostitution das Thema. Das ist weniger glamourös, aber es passt. Auch wenn es nur ein Film ist. Oder nicht? (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 18.02.2018, 21:52 Uhr

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