Geissenpeter, nicht Ziegenpeter!

Synchronisieren? Untertiteln? Mit Helvetismen einfärben? Die Schweizer Dialektproblematik mit der deutschen Krimiserie «Tatort».

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«Geissenpeter, nicht Ziegenpeter» ermahnte die deutsche Ermittlerin ihren Assistenten, als dieser sich über einen Schweizer lustig machte. Die Szene vom letzten «Tatort» war ein gelungenes Beispiel für die grenzübergreifende Zusammenarbeit von Polizisten in der so genannten «Bodensee-Trilogie», die am Sonntag zu Ende ging. Weniger gelungen war der abenteuerliche Sprachmix der Koproduktion zwischen SF und SWR. «Dieser perfekte Switch zwischen Dialektfilm und perfektem Hochdeutsch ging irgendwie nicht. Habe nach zehn Minuten zur ARD gewechselt», schrieb ein Leser im «Tatort»-Forum auf Tagesanzeiger.ch/Newsnet.

So wie ihm gings auch anderen Zuschauern. Wobei sich viele auch an der Synchronisation der Schweizerdeutschen Passagen stiessen: «Man kam sich vor wie in einem eilig übersetzten Werbespot (‹fühlt sich din Darm au eso träg a?›).»

«Habe mich schrecklich geärgert»

Immerhin, könnte man sagen, hat man es probiert. Denn dass Schweizer Filmfiguren Schweizerdeutsch sprechen, ist keine Selbstverständlichkeit mehr - nicht einmal in einheimischen Produktionen. So sind nur wenige der Filme, die an den kommenden Solothurner Filmtagen zu sehen sind, in Dialekt gedreht. Weil man sich mit Hochdeutsch im Ausland die besseren Chancen erhofft. Aber auch weil Regisseuren und Schauspielern das Gefühl für Mundart abhanden gekommen ist. Der «Tatort» vom Sonntag hat dies bestätigt.

Nun wurde besagter «Tatort» von einem Deutschen in Szene gesetzt. Und eine gelungene Synchronisation ist auch immer eine Frage des Gelds. Interessanter ist deshalb die Frage, wie der geplante «reine» Schweizer «Tatort» in Luzern sprachlich daherkommt. Sicher ist, dass die Filme in Schweizerdeutsch gedreht werden – und dann für die ARD ins Deutsche synchronisiert werden. «Die Deutschen lieben unseren Akzent, es wird deshalb eine leichte Schweizer Färbung in der Synchronfassung haben», erklärt Peter Studhalter auf Anfrage. Weniger Freude an der Synchronisation hingegen haben die Regisseure. Der Schweizer Florian Froschmayer etwa sagt: «Ich habe mich schrecklich geärgert, dass einer meiner «Tatorte» von den Deutschen vom Schweizerdeutschen ins Hochdeutsche synchronisiert wurde.»

Deutsche sind an Synchronisationen gewohnt

Für Froschmayer kämen Untertitel bei Schweizer «Tatort»-Folgen durchaus in Frage - Studhalter wiederum sagt, das sei für die deutschen TV-Anstalten undenkbar. Zumal der deutsche Zuschauer sich von amerikanischen Filmen, auch im Kino, an Synchronisationen gewohnt sei. Dennoch dürfte der Schweizer «Tatort», der es in Deutschland ja schon vor zehn Jahren mit eigenen Folgen probiert hat, schwer haben. Zum «Tatort» gehört nun Mal der Lokalkolorit, und Hochdeutsch passt auch für deutsche Ohren einfach nicht zu Luzern – auch wenn man wie in früheren Schweizer «Tatort»-Episoden Helvetismen einstreut oder im Abspann einen Mundart-Song spielt.

Etwas Gutes aber hat die Dialektproblematik für das SF. Jene 200'000 Schweizer «Tatort»-Fans, die den Krimi beharrlich auf der ARD schauen, dürften – zumindest für einen Abend – in die Fernsehheimat zurückkehren. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 18.01.2011, 13:18 Uhr

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