Himmel, jetzt lacht doch mal!

Michael Elsener wird grimmig gebasht. Aber bitte, Leute: So schlecht ist der Mann nun wirklich nicht. Eine Verteidigung.

Der Trailer zu «Late Update». Quelle: SRF


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Drei Wochen ist er auf Sendung, und die Kritik fliegt Michael Elsener um die Ohren. «Zu brav» («Blick»), «zu langsam» («Tages-Anzeiger»), «zum Fremdschämen» («NZZ am Sonntag») und, nicht zuletzt: «Wo sind die coolen Details?» («Aargauer Zeitung»). Hier fünf Punkte, warum «Late Update» nicht nur besser ist als sein Ruf – sondern lustig.

1 Kennen Sie John Oliver? Selbstverständlich kennen Sie John Oliver. Das ist dieser ein wenig verstockte Brite, der auf HBO progressive Witze gegen Trump macht und hintergründige Comedy-Essays bringt. Elsener hat viel von ihm abgeschaut und ihn sogar in New York besucht. Da nehmen wir gern die Schweizer Kopie, danke. Die macht nämlich auch Witze über Christa Markwalder. Und nicht vergessen: Unsere besten Ideen sind seit jeher Imitate. Siehe Zwingli, die wohltemperierte Raubkopie von Martin Luther.

2 Ein NZZ-Kritiker bemängelte, Elsener habe eine Provokation seines Aussenreporters Renato Kaiser «nicht kontern können». Der Vorwurf fehlender Schlagfertigkeit also. Nun, das war aber kein zufälliges Rencontre zwischen Elsener und Kaiser. Genauso gut könnte man Jürg Randegger vorwerfen, er habe sich beim Skilift-Sketch von Cabaret Rotstift zu wenig gewehrt, als er von hinten geknufft und gepufft wurde. Oder Charlie Chaplin, er hätte es nicht zulassen dürfen, dass er in «The Pilgrim» von einem Kleinkind abgewatscht wird. Oder dem Ritter in Monty Pythons «Ritter der Kokosnuss», er hätte leidenschaftlicher kämpfen müssen, bevor ihm Arme und Beine abgehackt wurden. Deswegen ist Elsener jedenfalls definitiv nicht unlustig.

3 Apropos Sidekicks: Patti Basler muss man ja nicht mehr entdecken. Die Frau, die alles zu Pointen verdichten kann, ist einfach verdammt gut. Auch in Elseners «Late Update»: Gleich in der ersten Ausgabe fragte sie Ueli Maurer, was denn eigentlich «Leader» auf Deutsch heisse – und unter seinen Füssen öffnete Basler gerade die Klapptür. In «Late Update» gehört Basler zu einem Experten-Dreigestirn. Da gibt es noch Renato Kaiser, der als Radikalinski alles ein wenig zu wörtlich nimmt, etwa Vitus Huonders Philippika gegen die Verhütung. Dem Bischof zufolge muss das Kondom als Teil einer «Kultur des Todes» gesehen werden, denn jedes Mal würden tausende Spermien draufgehen, wenn es nicht zur Befruchtung kommt. Für Kaisers Radikaltechnokraten heisst das: Jeder Samenerguss ist ein «fucking Genozid», der Bischof das Produkt eines beispiellosen Massakers – denn auch bei seiner Zeugung wurden Hunderttausende Spermien verschossen. Und nicht zuletzt ist da Matto Kämpf, der die ganze Berner Gemütlichkeit samt und sonders in psychotische Abgründe kippt. Herrlich.

4 Zugegeben: Auch wir hatten die Befürchtung, dass Michael Elsener mit seinem didaktischen Anspruch jedwede Bösartigkeit erstickt. Aber gerade die jüngste Ausgabe des «Late Updates» beruhigte uns, nämlich als Elsener in seinem Stand-up auf die Vietnam-Reise des Post-Kaders zu sprechen kam. Elseners Kommentar dazu? «Frag mal die USA, Vietnam wird immer teurer, als man denkt». Klar, dieser Joke braucht etwas Zeit. Die hat Elsener mehr als verdient: Für solch blitzend-böse Sickerpointen und das allmähliche Warmturnen seines Humors vor der Kamera.

5 Mit einer Humor-Evolution dürfen wir bei Elsener also rechnen. Nicht zuletzt, weil er sich selbst nicht so ernst nimmt, sich selbst zur Pointe macht – etwa seine Frisur. Der Zuger hat das rare Talent zur Selbstdistanz.

Übrigens: Elseners Quote ist jüngst gestiegen. Wollen Sie zu jenen gehören, die immer noch nicht lachen?

Erstellt: 05.02.2019, 19:46 Uhr

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