«Ich bin keiner, der nach Applaus strebt»

Dominik Kaiser hat geschafft, was vor ihm niemand schaffte: Der 42-Jährige macht privates Fernsehen in der Schweiz – und Geld damit. Am Dienstag startet 4+, sein jüngstes Fernsehbaby.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Herr Kaiser, Sie hantieren gerade mit Ihrem Handy – welchen Klingelton haben Sie?
Dominik Kaiser: Ich habe mein Telefon immer stumm gestellt.

Das ist ja langweilig. Dabei sollen Sie doch so kreativ sein.
Das Klingeln nervt. Es ist ein Konzentrationszerstörer.

Sie wurden auch schon als besonders innovativer Jungunternehmer ausgezeichnet. Aber eigentlich sind Sie mit Ihrem TV-Sender 3+ doch vor allem ein Meister des Abkupferns. Haben Sie auch mal eigene Ideen?
(lacht) Ich habe schon auch eigene Ideen. Es gibt diverse Sendungen in unserem Programm, die wir als Erste gemacht haben. Mit «Jung, wild&sexy» zum Beispiel waren wir den Deutschen zwei Jahre voraus. Andere Formate wie etwa «Bauer, ledig sucht» setzen wir komplett anders um als die Vorbilder «Bauer sucht Bäuerin» vom SF oder «Bauer sucht Frau» in Deutschland. Das braucht sehr viel Kreativität und Fingerspitzengefühl. Grundsätzlich ist es aber auch nicht unser Anspruch, ständig neue, bahnbrechende Formate zu erfinden. Wir müssen in erster Linie Sendungen produzieren und ausstrahlen, die gerne geschaut werden.

Das tönt ganz nach dem früheren RTL-König Helmut Thoma, der bei Ihnen im Verwaltungsrat sitzt. Er sagt: «Kopieren ist die höchste Kunst des Fernsehmachens.»
Dieses Zitat kannte ich nicht. Thoma sagte auch einmal: «Der Wurm muss dem Fisch gefallen, nicht dem Angler.» Aber nein, mit Thoma hat unsere Strategie nichts zu tun.

Wie ist der vergleichsweise kleine Dominik Kaiser denn überhaupt zum grossen TV-Tycoon Thoma gekommen?
So klein bin ich auch wieder nicht, immerhin 1,85 Meter oder so (lacht). 2001 führte ich in Köln den Musiksender Viva Plus. Dort traf ich Thoma bei einem Frühstück und erzählte ihm, dass die Schweizer Privatsender TV3 und Tele24 zugemacht hatten. Er sagte, dass Privat-TV in der Schweiz trotzdem möglich sein sollte. 2008 rief ich ihn dann wieder an. Er kam nach Schlieren, schaute sich alles an – und war mit an Bord.

Als Sie 2003 eine Sendelizenz beantragten, nahmen Sie nicht einmal Ihre Eltern ernst. Trotzdem haben Sie Investoren überzeugt, Ihnen Geld zu leihen, ohne die Kontrolle zu wollen. Wie haben Sie das geschafft?
Das Glück war, dass wir am Schluss nicht mehr so viel Geld brauchten. Ursprünglich wollten wir viel grösser und teurer starten. Aber ich merkte nach vielen Verhandlungen: Ich hatte Dimensionen angestrebt, bei denen die Geldgeber die volle Kontrolle verlangt hätten. Die wollte ich aber keinesfalls abgeben. Deshalb wurde das Ganze dann bis zum Sendestart einige Nummern kleiner. Wir verkauften Sendeplätze und planten weniger Eigenproduktionen.

Wie viel haben Sie persönlich in 3+ investiert?
Alles, was ich vorher verdient hatte

Geht es etwas genauer?
(lacht) Nein, das bleibt geheim. Aber wenig war es nicht. Zusätzlich nahm ich private Darlehen auf.

Wer hat Ihnen unter die Arme gegriffen?
Über die privaten Darlehensgeber spreche ich nicht. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es niemand mit politischem Einfluss war.

Politischen Einfluss hat hingegen der Multimillionär und SVP-Nationalratskandidat Thomas Matter. Er ist Ihr Teilhaber.
Thomas Matter habe ich 2003 kennen gelernt. Ich zeigte ihm damals unser Konzept. Er wollte einen Investor vermitteln, es kam aber keine Zusammenarbeit zustande. Später traf ich ihn auf den Malediven in den Ferien wieder. Er wohnte zufällig im Hüttchen neben mir. Dort assen wir zweimal zusammen. Er sagte damals: «Wenn du einen Schritt weiter bist, melde dich.» Schliesslich war ich mehrere Schritte weiter und rief ihn an. Heute ist er ein sehr angenehmer und hilfreicher Partner.

Dass sein politischer Hintergrund Ihrem Sender allenfalls schaden könnte, war kein Thema?
Es war immer klar, dass wir einen reinen Unterhaltungssender machen. Das ist politisch ungefährlich. Und er sagte auch nie: «Macht was über mich, ich kandidiere für dieses oder jenes Amt.»

Sie sind offensichtlich ein guter Verkäufer.Ist es Zufall, dass Sie mit diesem Talent im TV-Geschäft gelandet sind?
Ich glaube nicht, dass ich ein guter Verkäufer bin. Ich bin ein guter Stratege und habe ein gutes Gespür für kommerzielle Unterhaltung. Als wir Geld für unseren Sender suchten, hatten wir vor allem einen Businessplan, der zeigte: Wenn die Welt nicht untergeht, können wir mit unserem Programm überleben und nach einem Jahr schwarze Zahlen schreiben. Alle Grundlagen waren abgesichert, alle Zahlen belegt. Das hat die Darlehensgeber überzeugt. Es war solide Arbeit.

Sie argumentieren stets rein betriebswirtschaftlich. Ist es Ihnen als TV-Macher egal, was über Ihre Sender läuft, solange die Zahlen stimmen?
(überlegt lange) Ich konsumiere selbst gerne kommerzielle Unterhaltung. Ein Blockbuster im Kino, den «Bauer» bei uns, «Bumann» oder «Wer wird Millionär?» schaue ich mir gerne an. Deshalb stellt sich mir diese Frage nicht. Ich habe einen Job, in dem ich Sendungen einkaufen, produzieren und verkaufen kann, die mir Spass machen. Dabei kann ich den Zuschauerzahlen und meinem Bauchgefühl folgen – zum Glück funktioniert das oft. Mir gefällt unsere Art von Fernsehen. Ich habe auch eine andere Seite, bin sehr neugierig, was in der Welt geschieht, lese viele Fachbücher.

Wollten Sie die zwei Seiten bei 3+ nie verknüpfen – hatten Sie nie publizistische Ambitionen?
Nein. Wir dachten am Anfang, dass Interesse an Kurznews bestehen könnte. Aber wenn diese News liefen, sackten die Quoten massiv ab. Daher entschieden wir uns, lieber mehr schweizerdeutsche Unterhaltung mit diesem Geld zu produzieren. Das war eine richtige Entscheidung. Wir haben in der Schweiz schon genug Medien mit hoher publizistischer Qualität. Da müssen wir nicht auch noch News bringen.

Würden Sie es sich zutrauen?
Nein, ich habe keine Ahnung von News. Vor allem aber ist es strategisch unnötig. Es gibt in diesem Bereich keine freie Nische.

Sind Tele24 und TV3 daran gescheitert?
Das war tatsächlich eine ihrer grössten Fehleinschätzungen. Es ist aber nicht so, dass wir wahnsinnig viel intelligenter wären. Wir hatten das Glück, aus den Fehlern der anderen lernen zu können.

Morgen startet Ihr neuer Sender 4+. Dessen Konzept ist bekannt (siehe Infobox). Aber wie hoch ist das Budget?
Genaue Zahlen möchte ich nicht nennen. Aber 4+ profitiert natürlich stark von 3+: Infrastruktur, Technik, Know-how – auch viel Personal ist schon vorhanden.

Können Sie einen Vergleich zu 3+ ziehen?
Wir haben etwa 40 Mitarbeiter. Für den neuen Sender haben wir weitere angestellt. Die Personalkosten betragen vielleicht 15 Prozent von 3+. Beim Programm investieren wir nicht in Eigenproduktionen. Diese kosten bei 3+ mehr als die Hälfte des Programmbudgets. Auf 4+ wiederholen wir die erfolgreichsten Eigenproduktionen von 3+. Die gehören uns schon, die sind bezahlt und abgeschrieben. Dann gibt es ein Budget für Serien und Filme. Das ist etwa gleich hoch wie bei 3+. Auch die Ausgaben für das Playout sind etwa gleich hoch.

Eine Folge «Bauer, ledig, sucht» kostet 150'000 Franken.
Ja. «Bumann» ist ein bisschen günstiger. Der «Bachelor» ist mit etwa 200'000 Franken teurer. Dokusoaps wie «Adieu Heimat» sind günstiger, 80'000 Franken etwa.

Auf welche Eigenproduktion sind Sie am meisten stolz?
Auf «Bauer, ledig, sucht». Dass die Sendung seit 112 Folgen so gut funktioniert, ist grossartig. Wir sind damit bei den 15- bis 49-Jährigen regelmässig vor SF1 oder SF2. Da bin ich stolz darauf, ja. Am liebsten schaue ich mir persönlich aber «Bumann» an.

Sie sagen es: Sie haben in Ihrer Zielgruppe regelmässig mehr Zuschauer als das Staatsfernsehen. Macht Sie das schadenfreudig?
Nein, wieso?

SF versucht oft krampfhaft, jung und cool zu sein. Sie sind es einfach und haben damit Erfolg. Das muss doch eine Genugtuung sein.
Natürlich freue ich mich, wenn wir Erfolg haben. Aber ich denke nicht, dass die anderen es schlechter machen. Ich finde, dass das SF oft unverdient Prügel bekommt. Umgekehrt denke ich manchmal: Hier hätte SF eigentlich Prügel verdient.

Wofür zum Beispiel?
Ich äussere mich nicht zu Marktpartnern. Vor uns gab es Fernsehmacher, die eine grosse Klappe hatten und ihren Laden dann schliessen mussten

Sie wollen nur ja niemandem auf die Füsse treten.
Ich habe die Füsse lieber am Boden und mache, was ich gut machen muss, so gut ich kann, statt die anderen zu kritisieren.

Dann andersrum: Gibt es eine SF-Sendung, auf die Sie neidisch sind?
Auf die «Tagesschau» mit den vielen Zuschauern. Und «The Voice of Switzerland» hätten wir auch gerne selber gemacht, hier hat das SF einfach mehr geboten.

Sie verkaufen tagsüber Ihre Sendezeit: Hellseher und Homeshopping à gogo. Ist das der einzige rentable Weg?
Es ist zumindest der einzige Weg, wie man im kleinen Schweizer Markt am Morgen und am Nachmittag Fernsehen machen kann, ohne Geld zu verlieren. Entweder wir senden ein Testbild, oder wir verkaufen die Sendezeit und nutzen die Einnahmen, um am Abend mehr Schweizer Sendungen zu zeigen.

Glaubt man dem Branchenverband der regionalen Fernsehsender, dann schliessen die politischen Rahmenbedingungen Eigenwirtschaftlichkeit aus.
Für uns nicht. Uns hat niemand gezwungen, Fernsehen zu machen. Wir kannten die Rahmenbedingungen und haben uns damit arrangiert.

Sie weichen aus. Teilen Sie die Meinung vieler Kritiker, dass Medienpolitik in der Schweiz in erster Linie SRG-Politik ist?
So weit würde ich nicht gehen. Ich würde aber sagen: Die SRG macht das sehr geschickt.

Und was machen die Regionalsender falsch?
Je kleiner das Sendegebiet desto schwieriger wird es. Die Zuschauer sind eine hohe Programmqualität gewöhnt. Diese kostet viel Geld und ist ohne Gebührengelder nicht refinanzierbar.

Was müsste an den hiesigen Mediengesetzen geändert werden?
Wir haben kritisiert, dass Kabelnetzbetreiber im Zuge der Digitalisierung künftig auch Sender abschalten dürfen, die verbreitet werden müssen, sogenannte «Must carry»-Programme. Hier bin ich der Meinung, dass man einheimische Sender im Gesetz besser schützen könnte. Weil das aber nicht vorgesehen ist, müssen wir mit den Kabelnetzbetreibern direkt verhandeln. Manchmal ist das leicht, manchmal sehr schwierig.

Die Schweizer Regionalsender sind im Verband Telesuisse organisiert. Wie lobbyieren Sie als Einzelkämpfer?
Wir haben bis jetzt keine Apéros mit Politikern gemacht. Das sollten wir vielleicht irgendwann tun. Nicht, um die Gesetze zu ändern, aber ich denke, viele Politiker wissen nicht, dass es uns gibt. Sie wissen nicht, dass wir wöchentlich ein Drittel der Deutschschweiz erreichen. Sie wissen nicht, wie viel Geld wir in der Schweiz investieren.

Sind Sie überhaupt ein politischer Mensch?
Ich stimme fast immer ab, ja. Aber sonst? Nein. Ich bin Unternehmer.

Eine unternehmerische Herausforderung ist das Internet. Wie sieht da Ihre Strategie aus?
Das Internet kommt bei uns klar nach dem klassischen TV. Man kann auf unserer Website die Eigenproduktionen gratis anschauen, dazu machen wir programmergänzende Sachen, das ist es auch schon. Wir glauben stark ans klassische Fernsehen.

Verdienen Sie Geld im Netz?
Nein. Unser Auftritt läuft nebenbei. Wir schreiben eine schwarze Null.

Apropos Null: Im zarten Alter von 20 Jahren haben Sie Ihr Leben komplett umgestellt: Null Alkohol, null Kaffee, null Zigaretten mehr. Haben Sie davor dermassen exzessiv gelebt?
Ich habe mit 16 Jahren meine erste Firma gegründet. Ich war der günstigste Anbieter für importierte Computer in der Schweiz. Damit verdiente ich gutes Geld, zum Lehrlingslohn von 250 Franken kam einiges dazu. Dieses Geld habe ich in Partys investiert. Irgendwann merkte ich aber, dass Partys mit der Zeit langweilig und ungesund werden. Darum habe ich aufgehört mit Rauchen und Alkohol. Ich brauchte relativ lange, bis ich wusste, was ich im Leben will. Ich habe die Street-Parade mitorganisiert, Musik produziert, TV-Sendungen fürs SF gemacht. In meiner Zeit bei Viva Plus wurde mir klar, dass ich beim Fernsehen viele meiner Talente nutzen kann. Darum wollte ich auch in der Schweiz einen TV-Sender lancieren.

Und auch deshalb, weil Sie es den anderen gerne zeigen?
Konkurrenz motiviert mich, ja. Das heisst aber nicht, dass ich es den anderen zeigen will. Ich freue mich, wenn ich einen Plan schmieden kann, der dann aufgeht.

Das passiert oft. Ihnen scheint alles zu gelingen. Gibt es etwas, das Sie gar nicht können?
Ich wäre grauenhaft schlecht in vielen Bereichen: als Politiker zum Beispiel oder in einem grossen Konzern.

Ist es Ihnen wichtig, was andere über Sie denken?
Ich bin keiner, der nach Applaus strebt. Nur weil andere sagen, etwas ist nicht gut, heisst das nicht, dass ich es nicht mache. Als wir mit 3+ starteten, waren die Kritiken vernichtend. Das hat dann aber doch sehr geschmerzt.

Haben Sie je darüber nachgedacht, Ihre Sender zu verkaufen?
Im Moment ist das kein Thema, und in naher Zukunft auch nicht. Aber wer weiss, vielleicht macht mir Fernsehen irgendwann keinen Spass mehr. Dann wäre mir wichtig, dass hier alles weiterläuft wie jetzt. Sonst wäre dies das Ende des Senders.

Worauf vertrauen Sie mehr: Kopf oder Bauch ?
(überlegt lange) Im Job sind die Zuschauerzahlen immer die letzte Wahrheit. Sie entscheiden, ob wir etwas machen oder einstellen. Wenn wir sehen, ein Format funktioniert in Ländern, die ähnlich sind wie die Schweiz, machen wir es. Das ist eine Kopfaufgabe. Die Umsetzung ist dann sehr bauchgesteuert. Es braucht Kopf und Bauch.

Und privat?
(lacht) Zum Glück ist über mein Privatleben nicht viel bekannt...

...das wollen wir gerade ändern.
Ich denke, privat ist es bei mir ähnlich: Die Mischung machts.

Bei Ihnen tönt alles immer jobfixiert. Sie sind ein Workaholic.
Ein Workaholic muss arbeiten, damit es ihm gut geht. Das kenne ich nicht. Ich arbeite sehr gerne und viel, ja. Ich kann aber auch sehr gut nicht arbeiten. Jedes Jahr mache ich 3 oder 4 Wochen Ferien am Stück. Da lese ich keine Mails. Die sind mir dann einfach egal.

Wohin fahren Sie in die Ferien – und mit wem?
Wie gesagt: Ich versuche, mein Privatleben aus der Öffentlichkeit zu halten. Nur, weil man etwas gut macht, muss man nicht zu allem seinen Senf abgeben und allen seine Badewanne zeigen. (Berner Zeitung)

Erstellt: 08.10.2012, 11:45 Uhr

Will nicht allen seine Badewanne zeigen: Dominik Kaiser, der Chef von 3+, der morgen mit seinem neuen Sender 4+ startet. (Bild: Keystone )

Dominik Kaiser im Gespräch

Gleich zwei Bodyguards bewachen den TV-Chef Dominik Kaiser beim Interview. So zumindest wirken die beiden: Daniel Bumann, der Restauranttester in Kaisers Diensten, grinst von links. Claudio Zuccolini, der abgesägte Quizmaster von 3+, äugt von der Stirnseite des Sitzungszimmers herüber.

Die Konterfeis der beiden hängen in Plakatgrösse an der Wand. Es sind die einzigen Farbtupfer im kargen, fensterlosen Raum. Reduziert auf die nackte Funktionalität – repräsentativ sieht definitiv anders aus. Dass der schlaksige Kaiser trotzdem hier empfängt, ist kein Zufall. Sein Büro sei zu chaotisch, meint er. Will heissen: «Gibt womöglich zu viel preis von mir.» Diese Befürchtung ist beim Interview omnipräsent. Kaiser setzt alles daran, den Menschen hinter der Funktion zu verstecken. Das tut er charmant, häufig lachend, rhetorisch gewandt. Aber zugleich auch sehr bestimmt. Der frühere Musikproduzent und Mitbegründer der Street-Parade will öffentlich ausschliesslich über seinen Job wahrgenommen werden – wenn überhaupt.

Erste TV-Erfahrungen hat er beim SF und bei Viva Plus gesammelt. Jetzt zeigt der Jungunternehmer als Erster, dass sprachnationales Privat-TV in der Schweiz funktionieren kann. Darauf ist der Quereinsteiger stolz, wie die Kaffee-Ecke im 5.Stock des schmucklosen Bürohauses im Industriequartier von Schlieren zeigt: Über dem Waschbecken ist das Mass aller Privatfernsehdinge angepappt: die Quote – ein Balkendiagramm als farbiger Ausdruck des Erfolgs von 3+. Der 42-jährige Basler tritt zurückhaltend auf. Das blonde Haar hat er zurückgekämmt, das Hemd ist offen. Die markante schwarze Brille verleiht seinem Gesicht eine gewisse Strenge, ohne das Lausbubenhafte verdrängen zu können. Nichts an Kaiser macht ihn als Chef kenntlich, Statusgehabe ist ihm fremd. Das Understatement in eigener Sache scheint dem Asketen in Fleisch und Blut übergegangen. Er weiss auch um seine sympathische Ausstrahlung und deren Wirkung auf andere. Doch so locker und umgänglich er sich gibt – ganz wohl in seiner Haut ist ihm augenscheinlich nicht. Kaiser redet schnell, überlegt, ohne lange Pausen, das Gegenüber meist fest im Blick. Er meidet laute Töne, wirkt stets kontrolliert und austariert. Kritische Fragen lässt er abtropfen oder lacht sie kurzerhand weg, um dann wortreich auszuweichen. Konkurrenten nennt Kaiser vielsagend Marktpartner.

Zu offener Kritik lässt er sich schon gar nicht hinreissen. Das könnte ihm ja irgendwann einmal um die Ohren gehauen werden – etwa wenn sein zweites grosses TV-Projekt 4+ floppen sollte.

Kaisers neuer Sender

Morgen Dienstag, 9.Oktober, um 20.15 Uhr nimmt der neue TV-Kanal der Gruppe 3+ von Dominik Kaiser den Sendebetrieb auf. 4+ setzt voll auf Filme, Serien und Dokumentationen. Zum Start läuft morgen Abend «Achtung, fertig, Charlie!» mit Melanie Winiger und der Klassiker «Dirty Dancing». Auf dem Sender werden zudem Eigenproduktionen von 3+ wie «Bauer, ledig, sucht» wiederholt. 4+ ist vorerst über Cablecom und einige weitere Kabelnetze empfangbar.fs

Artikel zum Thema

Ein neuer Schweizer TV-Sender

Blockbuster und Experimente: Im Herbst soll mit 4+ eine neue Schweizer TV-Station auf Sendung gehen. Mehr...

3+ schlägt SF

Der Schweizer Privatsender 3+ erreicht seit Januar dieses Jahres am Vorabend erstmals mehr Zuschauer als die beiden SRG-Sender SF1 und SF2. Mehr...

Bauer, ledig, sucht TeleZüri

TV-Pionier Dominik Kaiser, Chef des Privatsenders 3+, will TeleZüri kaufen. An wen Tamedia verkaufen will, ist offen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Kommentare

Newsletter

Der ideale Start in den Tag

Sonntags bis freitags ab 7 Uhr die besten Beiträge aus der Redaktion.
Newsletter «Der Morgen» jetzt abonnieren.

Die Welt in Bildern

Kein Ball aber viel Rauch: Der Fussballer Tyler Roberts von Wales steht beim Spiel gegen Dänemark in Cardiff im Dunstkreis von einer Fan-Fackel. (17. November 2018)
(Bild: Matthew Childs) Mehr...