Interview

«Ich strebe eine kurze, puristische Moderation an»

Christine Maier über ihren Wechsel vom «Club» zu «10vor10» – und wie sie mit beleidigenden Kommentaren umgeht.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Frau Maier, bereuen Sie den Wechsel noch nicht?
Überhaupt nicht. Ich habe ja gewusst, worauf ich mich einlasse. Ich habe 2005 bereits einmal für ein halbes Jahr «10vor10» moderiert.

Wieso der Wechsel – hat es Ihnen beim «Club» nicht mehr gefallen?
Nein, es ist alles bestens. Ich wechsle, weil ich seit zehn Jahren beim «Club» bin und spüre, dass ich mich verändern will. Irgendwann kommt bei jeder Arbeit der Punkt, an dem man sich überlegen muss, was nachher kommt. Und es ist immer besser, wenn man das Nachher selber bestimmen kann.

Die meisten «10vor10»-Moderatoren haben ja eine Art Markenzeichen. Was haben Sie sich vorgenommen? Oder anders gefragt: Wie möchten Sie beim Publikum ankommen?
Ich habe mir nicht überlegt, mit welcher Geste oder welchem Schlusssatz ich die Sendung beende. Generell strebe ich eine kurze, eher puristische Art der Moderation an.

Als «10vor10»-Moderatorin ist man Aushängeschild und wird in der Öffentlichkeit entsprechend wahrgenommen. Mussten Sie sich diesen Schritt gut überlegen?
Nein. Schliesslich interessiert mich bei «10vor10» nicht allein die Moderation, sondern auch die redaktionelle Arbeit. Weil ich aber nach wie vor den «Club» leite, arbeite ich vorläufig ausschliesslich als Moderatorin für «10vor10». Danach will ich aber auch Beiträge realisieren und die Sendung mitgestalten.

Bei unseren Lesern kam Ihr Auftritt mehrheitlich gut weg. Es gab aber auch fast schon beleidigende Kommentare, gerade was Ihr Alter angeht. Trifft Sie das?
Nein. Nach 25 Jahren Fernsehen habe ich gelernt, mit solchen Reaktionen umzugehen. Ich habe sieben Jahre in Deutschland und auch in England moderiert – es war nirgends ein Streichelzoo. Man lernt, Strategien zu entwickeln.

Welche denn?
Ich komme nicht dazu, alle Kommentare zu lesen. Aber wenn mich jemand kritisiert oder ich ihm nicht gefalle, dann muss ich das akzeptieren. Das ist wie bei Beliebtheitsumfragen – da kann man heute top sein, morgen aber floppen. Grundsätzlich schätze ich einen höflichen Umgang miteinander. Deshalb wundere ich mich schon, warum jemand beleidigende Kommentare schreiben muss. Da frage ich mich doch, was gibt das dieser Person?

Ausgerechnet jetzt, wo Ihre Kinder bald erwachsen sind, verlassen Sie einen Chefposten. Normalerweise läuft das umgekehrt ab.
Was heisst schon «normal»? Ich fälle meine Entscheide nicht nach Karriereschritten oder Höhe des Salärs. Generell frage ich mich, was für mich heute wichtig ist.

Nun könnte man sagen: Ein Mann hätte das nicht so gemacht. Ist es typisch für Frauen, dass sie weniger karrierebewusst sind?
Ich halte das für ein überholtes Klischee.

Dann war es nicht so, dass Sie nicht gerne Leute geführt haben?
Im Gegenteil, das macht mir grosse Freude. Und wer weiss, vielleicht ergibt sich ja wieder einmal die Gelegenheit.

Etwa bei «10vor10»?
Das steht überhaupt nicht zur Debatte. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 11.08.2011, 10:31 Uhr

Doppelfunktion: Christine Maier moderiert bis auf weiteres den «Club» und «10vor10».

Zur Person

Christine Maier begann nach einem abgebrochenen Jura-Studium 1987 als Programmansagerin beim SF. Von 1991 bis 1998 arbeitete die heute 46-Jährige als Redaktorin und Moderatorin verschiedener Sendungen des ZDF und des Bayerischen Rundfunks. Seit 2001 moderiert Maier den «Club» und leitet seit fünf Jahren dessen Redaktion. Bei «10vor10» übernahm sie die Stelle von Susanne Wille. Bis Maiers Nachfolge beim «Club» geregelt ist, wird sie ihre Aufgaben in der Diskussionssendung weiter wahrnehmen. Maier ist verheiratet und hat zwei Kinder im Teenager-Alter.

Artikel zum Thema

TV-Kritik: Entspannt ist anders

TV-Kritik Von der «Club»-Chefin zur Nachrichtenmoderatorin: Für Christine Maier sollte es beruflich eigentlich ruhiger werden. Bei ihrem Einstand als «10 vor 10»-Sprecherin sah das jedoch anders aus. Mehr...

TV-Kritik: Nach dem Crash ein Gruppengespräch

TV-Kritik Die Teilnehmer des gestrigen «Clubs» bemühten sich um eine fachliche Diskussion, trotz eines albtraumhaften Krisentags. Einzig Peter Bodenmann sorgte für ein Störfeuer. Mehr...

Umfrage

Überzeugt Sie Christine Maier als «10vor10»-Moderatorin?

Ja

 
66.5%

Nein

 
33.5%

779 Stimmen


Kommentare

Werbung

Weiterbildung

Ausbildung & Weiterbildung Finden Sie die passende Weiterbildung Technischer Kaufmann, Deutsch lernen, Coaching Ausbildung, Präsentationstechnik, Persönlichkeitsentwicklung

Die Welt in Bildern

Mit geschwellter Brust: Ein Mann aus Indien zeigt bei einem Wettbewerb für die beeindruckendste Gesichtsbehaarung stolz seinen Schnurrbart. Der Wettbewerb fand am Rande des jährlichen Kamel Festivals in der nordindischen Wüstenstadt Pushkar statt. (20. November 2018)
(Bild: Himanshu SHARMA ) Mehr...