«Ich verreisse gerne einen Musikclip»

Gülsha Adilji ist Moderatorin beim Jugendsender Joiz. Die Newcomer-Journalistin des Jahres kommentiert Youtube-Videos und spricht auch mal über Achselschweiss.

«Reden ist vermutlich mein Hobby»: Gülsha Adilji moderiert täglich 18 Minuten «Noiz» auf Joiz.

«Reden ist vermutlich mein Hobby»: Gülsha Adilji moderiert täglich 18 Minuten «Noiz» auf Joiz. Bild: Dominique Meienberg

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Frau Adilji, freut es Sie, wenn Sie auf der Strasse erkannt werden?
Ja, auf jeden Fall. Das ist ein Zeichen, dass Leute meine Sendung schauen. Ich bin auch erstaunt, weil ich am Fernseher viel grösser wirke.

Wie bereiten Sie sich auf eine Sendung vor?
Die Vorbereitung beginnt praktisch beim Frühstück. Ich lasse mich von den Kollegen vom Frühstücksfernsehen berieseln. Auf dem Weg zur Arbeit blättere ich durch die Gratiszeitung. Im Büro klappere ich Newsportale ab. Von Celebrity Gossip bis hin zur politischen Lage in Syrien. In der Redaktionssitzung entscheiden wir dann gemeinsam, was genug relevant und interessant ist für die Sendung, welche wir um 13 Uhr voraufzeichnen.

Was schafft es in Ihre Sendung?
Wir bringen die Themen, welche auffällig oft auf allen Newsportalen aufgetaucht sind. Teilweise sind das auch Dinge, die uns nicht wirklich interessieren, aber dennoch für viel Aufmerksamkeit gesorgt haben, so zum Beispiel die Schwangerschaft von Reality-Star Kim Kardashian. Wir hatten dafür nur ein müdes Lächeln übrig, aber die Welt scheint das zu interessieren, also behandeln wir es in unserer Sendung. Sonst bringen wir eigentlich alles, was meinen Moderationspartner und mich interessiert. Da lässt uns der Sender viel Freiheit.

Sie reden viel und schnell. Ist das anstrengend?
Ich habe schon in der Schule gerne Vorträge gehalten. Reden ist vermutlich mein Hobby, dabei habe ich aber nicht das Gefühl, dass ich zu viel spreche. Ich will die Leute ja auch nicht überfordern.

Welche Gäste mögen Sie besonders?
Am liebsten sind mir die Gesprächspartner, die sich selber nicht so ernst nehmen und entspannt mit der künstlichen Interview-Situation umgehen können. Überrascht war ich von Sänger Moby, den ich letztes Jahr interviewen durfte. Ich war voreingenommen, da man ihn als skeptischen und wortkargen Genossen kennt. Aber unser Gespräch driftete nach knapp vier Minuten zu einem sehr intimen Thema: Achselschweiss. Wenn ich nervös bin oder Gäste meinen Humor nicht verstehen, bewahre ich einen kühlen Kopf. Ich versuche dann, die Sache so schnell und souverän wie möglich hinter mich zu bringen. Ich bleibe aber transparent und sage, wenn mir eine Situation unangenehm ist.

Muss man beim Jugendsender Joiz eine Rebellin sein?
Nein. Man muss kein Rebell sein, aber man darf. Vor allem dürfen wir unsere eigene Meinung sagen, auch wenn diese negativ ausfällt. Andere Sendungen von Joiz sind ziemlich konform. Nur bei uns sagen wir, wenn uns etwas nicht gefällt. Es macht Spass, mal einen Musikclip zu verreissen.

Wollen Sie ein Sprachrohr der Jugend sein?
Nein, ich will mein eigenes Sprachrohr sein. Das könnte ich auch gar nicht, das kann meiner Meinung nach niemand, weil «Jugend» etwas Komplexes und keine homogene Masse ist.

Was bedeutet Ihnen die Auszeichnung Newcomer-Journalistin des Jahres?
Zuerst hatte ich Panik. Dann habe ich mich gefragt, ob die das wirklich ernst meinen. Jetzt aber freue ich mich über die Wertschätzung. Ich habe jetzt ein Jahr Zeit, um zu zeigen, dass ich den Preis verdient habe. Preise können auch helfen, Kritikern etwas zu beweisen.

Was machen Sie, wenn Sie sich zu alt fühlen für einen Jugendsender?
Dann werde ich etwas anderes machen. Ich hoffe aber, dass ich einen Teil meiner Jugend bewahren kann.

Erstellt: 11.02.2013, 08:40 Uhr

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