Jean-Claude Van Damme spielt sich selbst

Die neue Serie «Jean-Claude Van Johnson» zeigt, dass Action heute ohne Humor nicht mehr auskommt - und auch ein Van Damme nicht ohne Mimik. Ein Treffen.

Manchmal wirkt das komisch, manchmal auch unfreiwillig: «Jean-Claude Van Johnson».


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Jean-Claude Van Damme zuckt zur Seite. Päm. Eine Hand schlägt ihm ins Gesicht. Mit aufgerissenen Augen schaut er am Donnerstagmittag rüber auf das Sofa im Interviewraum eines Münchner Hotels. Dort sitzt Produzent Dave Callaham («The Expendables», «Godzilla»). Van Dammes Vorwurf: Hast du gerade zugeschlagen? Die Wahrheit: Die Hand war seine eigene. Die Frage: Kann ein früherer Film-Haudrauf, der Jahrzehnte lang ohne Mimik auskam, auch Humor haben? In der Amazon-Serie «Jean-Claude Van Johnson» braucht er vor allem eines: Selbstironie. Van Damme spielt Van Damme, einen alternden Schläger-Schauspieler, als Tarnung für seinen Job als Undercover-Agent.

Der echte Van Damme heute, das ist ein aufgedrehter Mann, der es geniesst, endlich wieder Interviewtage zu erleben, der sich in Paris auf dem roten Teppich bei der Premiere nicht zu schade ist, im Anzug seinen Kickbox-Tritt zu zeigen. Das ist ein Mann, der seine Eltern dabei hatte in Frankreich und erzählt, «wie mein Sohn meine Mutter gefilmt hat bei meinem Auftritt, ihr hat vor Stolz das Kinn gezittert.» Seine Entourage, mit der er die Promo-Tour bestreitet, das sind auch Fans. Für Produzent Callaham war der junge Van Damme in «Bloodsport» oder «Universal Soldier» ein Kindheitsidol. Inszeniert wird der belgische Schauspieler dann auch mit jeder Menge Reminiszenzen. «Ich war superberühmt», sagt Van Damme in der ersten Folge, doch dann verstaubten Auszeichnungen und Fitnessgeräte. Die Figur in der Serie fährt mit dem Segway zehn Meter bis zum Briefkasten, um die Zeitung zu holen, und scheitert am Spagat. Ein Humor, der irgendwie passt, er wird einem mit der rechten Geraden vermittelt.

Ein Schauspieler, der immer schon mehr Sportler als Schauspieler war Wobei sich im Laufe der Serie auch einige gelungene Gags einschleichen («Niemand wird sterben - ausser denen, die ich töte», «Ich habe wirklich aufgehört, nicht Nicolas-Cage-aufgehört»). Ein Actionfilm darf heute ja nicht mehr nur Actionfilm sein, sondern muss auch zum Lachen bringen. «Bloodsport» und Co. in den 80ern waren todernst, «ein eigenes Genre», sagt Regisseur Atencio. «Heute haben alle Produktionen Stunts und Spezialeffekte. In Hollywood herrscht die Meinung, dass jeder Film jedes Element braucht.» Das mache vieles sehr ähnlich und überzeichnet.

Für Van Damme bedeutet das: Ein Schauspieler, der immer schon mehr Sportler als Schauspieler war, muss jetzt wirklich schauspielen. Manchmal wirkt das komisch, manchmal auch unfreiwillig, manchmal ein bisschen tragisch, aber all das soll es auch sein. Zumindest fällt Van Damme dank der mittlerweile ausgeprägten Falten die Mimik heute deutlich leichter. Und ein paar Mal löst er in der Serie Probleme auch beinahe mit Worten und Blicken, bevor er zuschlägt.

(Süddeutsche Zeitung)

Erstellt: 19.12.2017, 09:52 Uhr

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