Kampf der Eintönigkeit

Der «Kampf der Chöre» dümpelt Woche für Woche vor sich hin. Dass mit Noëmi und Gustav ausgerechnet Truppen im Finale stehen, die sich um den Mainstream foutieren, kann auch als Protest des Publikums interpretiert werden.

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Nur das Pfeifen war von den Scorpions. Danach folgte eine Country-Version mit Banjo und Showtanz. In der SF-Show «Kampf der Chöre» spielt Musiker Gustav mit seinem Chor Songs, die ihm nicht gefallen, wie er selber sagt. Und arrangiert sie um, bis er sie liebt – oder sich zumindest darüber amüsieren kann. Gestern war es die von den Radios zu Tode gespielte Scorpions-Hymne «Wind of Change», letzte Woche der DJ-Bobo-Titel «Somebody Dance With Me», vorgetragen im kommunistischen Kämpfer-Outfit.

Das findet das Publikum so gut, dass Gustavs Konkurrenz in Verlegenheit gerät. «Schiisst mi grad ah…», kann der Schwyzer Padi Bernard seine Eifersucht nicht verstecken. «Wenn er nicht im Final ist, dann weiss ich nicht wer.»

«Choreographisch null»

Ein zweiter Chor könnte das Team Gustav in der Endauswahl nächste Woche übertrumpfen. Opernsängerin Noëmi Nadelmann lässt sich ebenfalls nicht auf den in Castingshows üblichen Mainstream-Pop ein und präsentiert seit Wochen trotzig klassische Chortitel. Das wirkt dann ziemlich steif, dafür perfekt gesungen. «Choreographisch null» lautet hier Bernhards hartes Urteil. Doch gerade das könnte erfolgversprechend sein – gerade auch angesichts des hohen Durschnittsalters des SF-Publikums.

Um bei Castingshows zu gewinnen, kann es unterdessen dienlich sein, sich ein Stück weit um die Regeln des Spiels zu foutieren. Die anfänglichen Favoritenchöre von Maja Brunner, Michael von der Heide und Fabienne Louves mit ihren glatten Pop-Nummern sind jedenfalls längst ausgeschieden. Das Konforme, das Einstudierte, die Verkleidung scheint das Publikum nicht mehr zu beeindrucken. Zu oft sah man es schon in anderen Casting-Formaten, zu langweilig ist dies in einer ohnehin schon eintönigen Sendung.

Schluss mit Sprücheklopfen

Sich mit derben Sprüchen zu profilieren, wie es Dieter Bohlen oder Chris von Rohr machten, scheint auch nicht mehr anzukommen. Chorleiter Stämpf und seine Sänger schafften es gestern nicht ins Finale. Der Churer mit roter Punkfrisur kommentierte ständig alles mit einem lauten «Viva la Grischa!» und nervte so sogar eingefleischte Bündnerland-Sympathisanten.

Bleibt der Chor von Padi «Ewigi Liebi» Bernhard – der dritte, der es ins Finale schaffte. Er wird nächste Woche wohl als einziger auf Schweizer Pop-Durchschnitt setzen. Er, die Verkörperung der eidgenössischen Biederkeit, könnte am Schluss trotzdem als Sieger dastehen: wenn der Innerschweizer Lokalpatriotismus mehr Anrufer zu mobilisieren vermag als Originalität und musikalisches Können.

Erstellt: 22.11.2010, 11:17 Uhr

Das Finale

Sonntag, 28. November, 20.05 Uhr, SF1.

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