Kommissar LSD

Der neuste «Tatort» spielte im Krankenhaus. Das passte zum schwer kranken Plot.

Nora Dalay (Aylin Tezel, links), Martina Bönisch (Anna Schudt, 2.v.l.) sind irritiert über ihren Kollegen Peter Faber (Jörg Hartmann, rechts).

Nora Dalay (Aylin Tezel, links), Martina Bönisch (Anna Schudt, 2.v.l.) sind irritiert über ihren Kollegen Peter Faber (Jörg Hartmann, rechts). Bild: Das Erste

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Zu übermüdet, um Auskunft zu geben: Als im «Tatort» eine Internistin mit einer Plastiktüte über dem Kopf tot aufgefunden wurde, zuckte die Ärzteschaft bloss mit den Schultern. Ja, ist traurig, aber man wisse von nichts und müsse nun weiter. Auch das Pflegepersonal und die Mitarbeiter in der Wäscherei hatten Wichtigeres zu tun, als mit der Polizei zu sprechen. Das deutsche Gesundheitssystem ist nahe am Kollaps, lautete die Botschaft, überdeutlich und sozialkritisch, wie es sich für einen richtigen «Tatort» gehört.

Auch am Abgrund ist bekanntlich der Dortmunder Kommissar Faber, dessen Familie vor Jahren ermordet wurde. Seither plagen ihn böse Träume und Halluzinationen. Gestern, in «Inferno», durfte er wieder den Traumatisierten geben, inklusive Geschreie, Weinattacken und psychischer Zusammenbrüche.

Jörg Hartmann ist ja ein guter Schauspieler, aber solche Szenen wirken auch bei ihm exaltiert. Der Kranke im Krankenhaus! Wehmütig dachte man an Lars von Triers grossartige Krankenhausserie «Geister» – ein ironischer Albtraum getarnt als Ärzteserie, B-Movie, Kunstfilm und Soap zugleich.

Langfädige Tristesse

Doch zurück zu diesem «Tatort», wo Faber Suizidgedanken hatte und seine Kollegin eine Panikattacke. Zugegeben, der Vergleich mit Lars von Trier ist nicht ganz fair, aber «Inferno» war selbst für «Tatort»-Verhältnisse langfädig und trist. Die Handlung diente vor allem dazu, die Langzeitprobleme der Dortmunder Kommissare zu spiegeln.

So war es natürlich kein Zufall, dass die Auflösung unbefriedigend war. Kommissar Faber liess sich vom Hauptverdächtigen, einem Fake-Psychiater, LSD geben, um seine Leidensgeschichte mit der Droge zu überwinden. Beim Hochstapler zu Hause. Allein. Klar, stülpte der mörderische Psychiater ihm einen Plastiksack über.

Doch irgendwie überlebte es Faber und stellte den Mann, indem er dessen Auto rammte und selber schwer verletzt ins Spital eingeliefert wurde. Dann war Schluss und der Zuschauer einmal mehr um die Weisheit reicher, dass ein besonderes Milieu noch keinen «Tatort» ausmacht.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 15.04.2019, 08:38 Uhr

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