Man verstand sich nicht so gut

Christa Rigozzi, Kesb-Wut und die Anarchie des Zuschauertelefons: Das war die Premiere von «Arena/Reporter».

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Zwei Fragen drängten sich vor der Premiere von «Arena/Reporter» auf. Erstens: Wars klug, einen Kesb-Kritiker zu inszenieren, der sich selbst als «Nazi» bezeichnet? Zweitens: Was bringt Ex-Miss Christa Rigozzi der politischen Debatte?

Solide Premiere: Ex-Schönheitskönigin Christa Rigozzi bei «Arena/Reporter». Video: Tamedia/SRF

Antwort eins: Leider nein. Der «Reporter» berichtete über Christian Kasts unstetes Leben, gab aber kaum Einblicke in die komplexe Arbeit der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde Kesb. Kast ist ein Boulevard-Liebling, bekannt geworden wegen seines extremen Denkens und Handelns; er taugt nicht als Ausgangspunkt einer ausgewogenen Betrachtung. Dabei hat der Versuch, mit einem «Reporter»-Film eine gemeinsame Gesprächsbasis für die folgende «Arena»-Diskussion zu legen, durchaus seinen Reiz. Beim hochemotionalen Thema Kesb verhinderten allerdings alte Befindlichkeiten jede Aussicht auf eine frische Reflexion. Längst waren die Meinungen zur Causa Kast gemacht.

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Und Christa Rigozzi? Der Medientrubel um ihr Engagement dürfte sich quotenmässig bereits gelohnt haben. Rigozzis Anmoderation war souverän – danach referierte sie ebenso souverän Tweets und Zuschauertelefonate. Der Job der neutralen Feedback-Sammlerin kommt ihr als Geschäftsfrau zupass, vor allzu gewagten eigenen Polit-Statements wird sie sich hüten.

Derweil beharkten sich Kesb-Vertreter und Kesb-Kritiker in einer giftigen, komplett unversöhnlichen Diskussion. Der Fall Kast wurde nach Gutdünken strapaziert, hinzu kamen Telefonate von persönlich Betroffenen, deren Kesb-Fälle man bloss zur Kenntnis nehmen und dann wieder vergessen konnte. Die überladene, überhitzte Sendung zerfaserte weiter, weil «Arena»-Mann Projer den «Reporter»-Filmer zu Details seines Werks befragen musste; offenbar war den Machern die Ausstrahlung des Films nicht Aufmerksamkeit genug. Knarzte dann auch noch die Telefonverbindung, stand die Liveshow kurz vor der Kakofonie. Zum Schluss las Rigozzi ein paar Tweets vor. «Sehr intensive + emotionale Sendung» stand in einem davon. Man stimmte zu und merkte doch: Banalität ist ein schwacher Trost. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 12.06.2017, 00:10 Uhr

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