«Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen»

Kein «Tatort» ist in Deutschland unbeliebter als der schweizerische. Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion beim SRF, verteidigt das Team Gubser.

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Herr Fitze, die Schweizer «Tatort»-Ermittler belegen beim ARD-Ranking derzeit den letzten Platz. Was löst dieses Ergebnis bei Ihnen aus?
Es ist natürlich unschön, wenn Flückiger/Ritschard in Deutschland nicht so oft geschaut werden. Es handelt sich aber um eine Momentaufnahme, die lediglich zeigt, wie zwei unserer «Tatorte» abgeschnitten haben.

Wie erklären Sie sich denn diese schlechte Platzierung?
Die unbefriedigenden Quoten der letzten beiden Filme haben viel mit dem Sendeplatz zu tun. «Geburtstagskind» wurde unmittelbar nach der Sommerpause ausgestrahlt, «Zwischen zwei Welten» am Ostermontag. Auf diesen Plätzen machen nachweislich auch die anderen «Tatorte» schlechtere Quoten. Aber das ist das Schicksal der Neuen im «Tatort»-Verbund, dass sie sich zuerst auf schwierigen Sendeplätzen beweisen müssen. Dann muss man natürlich sehen, dass unsere Ermittler relativ neu und beim deutschen Publikum noch nicht so etabliert sind.

In Fan-Foren konnte man immer wieder lesen, dem Luzerner Ermittlerduo fehle es an Tiefe. Wie reagieren Sie auf diese Kritik?
Wir sind dabei, unseren beiden Kommissaren noch mehr Tiefe zu geben. Wir werden dem Ermittlerduo mehr Privatleben verleihen. Die Zuschauer schätzen es ja, wenn in einem «Tatort» weitere Geschichten ausserhalb des eigentlichen Falls auftauchen. Man muss aber auch sehen: Wir haben unsere beiden Ermittler bewusst so gestaltet, wie sie sind. Es gibt ja unter den «Tatort»-Kommissaren bereits einige sehr schillernde Figuren. Unser Wunsch und jener der ARD war es nicht, noch ein extravagantes Team zu kreieren – unsere Protagonisten sollen als Polizisten solide ermitteln.

In Deutschland sorgte auch die Synchronisation des Schweizer «Tatorts» für Diskussionen.
Das sind zwei Probleme, die Sie hier ansprechen. Eines ist technisch: Bei einzelnen Episoden gab es bei den Partnersendern in Deutschland offenbar Schwierigkeiten bei der Ausstrahlung; Tonspuren wurden verschoben gesendet. Das zweite Problem ist folgendes: Die ARD strahlt im Hauptprogramm beinahe nie synchronisierte Filme aus.

Da prallen also Fernsehkulturen aufeinander…
Wir haben hart dafür gekämpft, diese Synchron-«Tatorte» in Deutschland durchzubringen. Die ARD hätte am liebsten, wenn wir von Anfang an auf Hochdeutsch drehen würden.

Gleichzeitig soll der «Tatort» aber immer Lokalkolorit beinhalten.
Genau. Die ARD will, dass der «Tatort» lokal verortet ist. Wie die lokale Verortung auszusehen bzw. zu tönen hat, ist sehr schwierig zu definieren.

Inwiefern?
Die ARD möchte, dass man das Schweizerische auch in der Synchronfassung hört. Für uns bedeutete dies aber einen Spagat. Nach Kuh-Schweizer-Deutsch darf es ja dann auch nicht klingen. Also müssen wir subtil arbeiten. Die Schauspieler sprechen Hochdeutsch, sagen aber «Grüezi» oder verwenden Helvetismen wie Pneu oder Trottoir. Bei «Zwischen zwei Welten» haben wir zudem die Hintergrundgespräche auf Schweizerdeutsch belassen. So verstärken wir lokale Verortung.

Spüren Sie einen Erfolgsdruck aus Deutschland?
Nein, unser Verhältnis zur ARD ist hervorragend. Der Sender war besonders mit dem letzten «Tatort», «Zwischen zwei Welten», sehr zufrieden. Druck baut man sich vielmehr selber auf: Natürlich haben wir den Ehrgeiz, dass unser «Tatort» auch in Deutschland gut ankommt und im nächsten Ranking wieder vorne dabei ist. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 13.06.2014, 09:22 Uhr

Urs Fitze leitet bei SRF die Abteilung Fiktion. (Bild: SRF/Oscar Alessio)

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