Hintergrund

Playboy im Sturzflug

In den 70er-Jahren galt er als der schönste Mann der Welt und war der Star des europäischen Kinos. Nun macht ein abgewrackter Helmut Berger beim RTL-Dschungelcamp mit. Wie konnte es so weit kommen?

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Seine wohl berühmteste Szene zeigt ihn nackt mit Elizabeth Taylor im Bett, im Film «Ash Wednesday» von Larry Peerce. Auch im richtigen Leben hatte Helmut Berger mit seiner Kollegin aus den USA eine Affäre – genauso wie mit Ursula Andress, Mick Jagger und zahlreichen weiteren Stars. Einst galt er als der schönste Mann der Welt – doch heute ist Helmut Berger eher ein jämmerlicher Anblick. Nun geht der Schauspieler ins berühmt-berüchtigte Dschungelcamp und nimmt an der siebten Staffel der RTL-Serie «Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!» teil.

Als er am Montagabend am Frankfurter Flughafen ankommt, ist er sturzbetrunken. Bei der Reise nach Australien wird er von einem Reporter der «Bild»-Zeitung begleitet, der minutiös von Bergers Äusserungen und Konsumationen berichtet.

Erst seit einigen Monaten ist der einstige Weltstar Helmut Berger wieder im Fokus der Öffentlichkeit. Dabei war der 1944 im österreichischen Bad Ischl geborene Berger einst ein Weltstar. Seine Karriere beginnt, als er 1964 den italienischen Regisseur Luchino Visconti trifft, dessen Liebhaber und Muse er wird. Dank den gemeinsamen Filmen wird Berger zum grossen Star des europäischen Kinos der 60er- und 70er-Jahre.

Ludwig II. und Dorian Gray

Er glänzt vor allem in Rollen narzisstischer Charaktere wie Dorian Gray oder als bayerischer König Ludwig II. (mit Romy Schneider als Ludwigs Cousine Sissi, Kaiserin von Österreich) und arbeitet auch mit Regisseuren wie Vittorio De Sica, Joseph Losey und Claude Chabrol. Starfotografen wie Helmut Newton fotografieren den Schönling, die «Vogue» setzt ihn als ersten Vertreter seines Geschlechts auf ihr Cover und bezeichnet ihn als «schönsten Mann der Welt».

Doch als sein Lieblingsregisseur Luchino Visconti 1976 stirbt, stürzt Berger in eine tiefe Krise. Er unternimmt einen Suizidversuch und verliert sich in Drogen und Alkohol. In der Folge sinkt sein Stern, er spielt nun vor allem in B-Movies und Fernsehproduktionen wie «Denver Clan» mit. Eine kleine Rolle im letzten Teil von Coppolas «Godfather»-Trilogie, ein Auftritt in einem Videoclip von Blumfeld oder vor einigen Jahren die Hauptrolle im Drama «Blutsfreundschaft» sind seltene Höhepunkte.

«Die Leute werden schon sehen»

Sein exzentrisches Jetset-Leben führte er aber lange weiter. Davon erzählt er immer noch gerne. Mit seiner direkten Art ist er gern gesehener Gast in Talkshows, wo er pikante Details aus seinem Liebesleben verrät und alle möglichen Leute beschimpft. Vor allem in diesem Jahr erregte er Aufsehen mit seinen Auftritten im deutschen Fernsehen. Viele Vertreter jüngerer Generationen hatten allerdings noch nie von diesem abgewrackt aussehenden Mann mit dem aufgedunsenen Gesicht und den schlechten Manieren gehört, der 2004 Rom verliess und nach Salzburg zu seiner 2009 verstorbenen Mutter zog.

Das wird sich nun bestimmt ändern, berichten doch die «Bild» und andere deutsche Medien fast rund um die Uhr vom Dschungelcamp – und greifen dankbar jede Äusserung von Berger auf. So nahm er zum Beispiel seine eigene Klobrille mit und sagte dazu: «Ich teile mit niemandem, auch nicht beim Scheissen.» Und er versprach dem Reporter: «Ich werde ‹Queen of the Jungle›. Die Leute werden schon sehen.» Warum er überhaupt mitmacht, ist eine offene Frage. Vieles deutet darauf hin, dass es pure Geldnot ist, weshalb Berger auch unbedingt den Hauptpreis von 100'000 Euro abräumen will.

Bildband statt Trash-Sendung

Vielleicht sollte man sich statt der Trash-Sendung besser den neuen Bildband «Helmut Berger. Ein Leben in Bildern» ansehen, der Anfang November in Berlin präsentiert wurde. Die Aufnahmen des strahlend schönen Jünglings standen dort in krassem Gegensatz zum zerfallenden alten Mann, der die Bücher signierte. Damals kam auch das Gerücht auf, dass Berger an der Dschungelcamp-Sendung teilnehmen könnte, was sich in der Folge verdichtete, aber erst diesen Montag offiziell bestätigt wurde.

Nach den Berichten über den derangierten Berger am Flughafen wurde RTL von verschiedenen Seiten heftig kritisiert: Ein schwacher Mann, der nicht mehr Herr seiner Sinne sei, werde da im Dienste der Quote völlig vorgeführt. Ausserdem sei es ein Gesundheitsrisiko, der kalte Entzug könnte für den Alkoholiker Berger lebensgefährlich sein – denn anders als beim Toilettensitz machte der Sender für den Alkohol keine Ausnahme. (lmm)

Erstellt: 09.01.2013, 16:03 Uhr

Interview mit Berger zum neuen Bildband

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