«Rachel» schlägt zurück

Jennifer Aniston ist erstmals wieder in einer Serien-Hauptrolle zu sehen – als Aushängeschild von Apple TV+. Der Einstieg harzte.

Jennifer Anistons Serien-Comeback: «The Morning Show» ist ab sofort bei Apple TV+ zu sehen. (Quelle: Youtube)


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Jennifer Aniston ist gerade im Hoch und zwar gleich doppelt. Einerseits feiert die Serie «Friends», mit der sie Mitte der Neunziger weltberühmt wurde, ein wundersames Comeback: 15 Jahre nach dem Ende der letzten Staffel laufen plötzlich Jugendliche in aller Welt in «Friends»-T-Shirts herum und vergöttern die Serie mit den sechs New Yorker Freunden um Rachel und Ross, mit denen sie sich identifizieren, auch, weil diese ganz genau dieselben Klamotten tragen wie sie selber heute.

Jennifer Aniston feiert aber noch ein zweites Comeback: Sie ist eines der Aushängeschilder in der neuen Drama-Serie «The Morning Show», die wiederum eines der Aushängeschilder von Apples neuem Streamingdienst Apple TV+ ist, der am 1. November weltweit gestartet ist. Es ist ihre erste Serien-Hauptrolle seit dem Ende von «Friends».

Mit «Friends» schaffte Jennifer Aniston ihren Durchbruch: Szenen aus der Serie (Quelle: Youtube).

Noch immer wohnt sie in New York, bloss nicht mehr als Kellnerin Rachel wie vor 25 Jahren, sondern als entschlossene Frühstücksendungs-Moderatorin Alex, deren Karriere, beziehungsweise Welt gerade dabei ist, in die Brüche zu gehen. Schuld darin ist ihr langjähriger Co-Moderator und Ex-Lover (Steve Carell), der über Nacht gefeuert wird, nachdem diverse Sexaffären ans Licht gekommen sind.

MeToo, Fake News und mehr

Und schon sind wir mitten drin in «The Morning Show», mitten in MeToo. Aber es kommen noch mehr heisse Themen auf den Tisch: Fake News und das Glaubwürdigkeitsproblem der klassischen Medien, der Bedeutungsverlust des Fernsehens und die wachsende Macht der sozialen Medien, die Unbekannte innert Stunden ins Zentrum des Interesses spülen. In «The Morning Show» ist dies eine zu Wutausbrüchen neigende Fernsehreporterin, die sich dem ehrlichen Hintergrundjournalismus verpflichtet fühlt und nicht den Quoten und der Unterhaltung wie das Frühstücksfernsehen.

Sie mimt in «The Morning Show» Jennifer Anistons Gegenspielerin: Reese Witherspoon.

Sie wird gespielt von Reese Witherspoon, aktuell eine der wichtigsten Frauen in Hollywood. Am Ende von Folge 1 sitzen sich die beiden Gegenpole live im Frühstücksfernsehen gegenüber. Das freundliche TV-Gesicht vermögen beide nur knapp bis zur Werbepause zu halten. Hier werden bald die Fetzen fliegen, das ist so eindeutig wie das Happy Ending all der romantischen Komödien, in denen Jennifer Aniston in den vergangenen Jahren zu sehen war.

Böser Humor statt flotte Sprüche

«The Morning Show» ist nicht auf lustige Schenkelklopfer aus wie «Friends», sondern setzt eher auf dunkleren Humor. Das zeigt etwa Szene mit einem aufgebrachten Steve Carell, der überhaupt nicht verstehen kann, warum er nur wegen ein paar Sexaffären mit Kolleginnen seinen Job als Star der «Morning Show» verlieren soll. «Seit Anbeginn der Zeit nutzen Männer ihre Macht, um Frauen rumzukriegen! Und jetzt was? Stellen sie mich dafür an den Pranger!» Er schreit und tobt, zertrümmert seinen riesigen Flachbildschirm und fasst schliesslich zusammen. «Das ist Weinsteins Fehler!»

Alex, Aushängeschild der «Morning Show», hatte schon bessere Zeiten.

Ironisch kann man jene Szene verstehen, in der sich Alex alias Aniston nach der Sendung ein paar Haar-Extension-Clips aus der perfekten TV-Frisur zupft, gilt doch ihre «Rachel»-Frisur seit 25 Jahren ungebrochen als eine jener Frisuren, die sich Kundinnen in Coiffeursalons am häufigsten wünschen.

Streamingdienst stürzte ab

Rund eine Stunde dauerte die erste Folge von «The Morning Show». Mehr als doppelt so lange wie eine «Friends»-Folge. Noch eine halbe Stunde mehr, und Jennifer Aniston hätte in einer Hollywood-Komödie schon das Happy Ending erreicht. Im Vergleich dazu wirkte «The Morning Show» zuweilen etwas schleppend. Aber erste Folgen von neuen Serien sind selten überragend: Schliesslich muss dem Publikum zuerst verklickert werden, mit wem und was sie es zu tun haben werden.

Das grössere Ärgernis war jedoch der neue Streaming-Dienst selber. Dieser ist ab sofort auf allen Apple-Geräten verfügbar. Wer ein Handy, Tablet oder einen Computer von der Konkurrenz besitzt, kann sich direkt auf der Apple-TV+-Website für den Dienst registrieren und ein Abo lösen. Das Streamen über die Website war jedoch zumindest an Tag 1 noch kein Genuss. «The Morning Show» stürzte immer wieder ab und begann von vorne, was einen dazu zwang, wieder zur richtigen Stelle zu spulen und die Spracheinstellungen – man hat die Wahl zwischen verschiedenen Audiospuren und Untertiteln – erneut zu definieren.

Wer die Geduld noch nicht verloren hat, kann «The Morning Show» und AppleTV+ aber ohne Risiko nochmals eine Chance geben. Das Abo ist in den ersten 7 Tagen kostenlos, auch die Folgen zwei und drei der neuen Serie sind bereits verfügbar. Erst ab kommendem Freitag müssen sich «The Morning Show» und der Streamingdienst beweisen. Ab dann wird wöchentlich eine neue Folge aufgeschaltet. Und das Abo wird 6 Franken pro Monat kosten.

Erstellt: 01.11.2019, 20:36 Uhr

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