Analyse

Rezepte gegen Talker Roger Schawinski

Wer in seiner Talkshow Platz nimmt, kann nicht einfach seinen Stehsatz abliefern. Roger Schawinski interviewt knallhart. Wer kann ihm Paroli bieten? Eine Auswahl von Personen, die dies schaffen.

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Roger Schawinski wird ab Montag mit seiner Sendung «Schawinski» Politikern und Wirtschaftsführern auf den Zahn fühlen. Als Vorbild dient ihm der «Hard Talk» auf BBC. Seine Ansprüche sind hoch. Es besteht kein Zweifel, dass er sich für den Grössten hält.

Unlängst fragte er sich in einem Interview: «Wer macht bessere Interviews als ich?» Wer auf seinem Sofa Platz nimmt, wird also in die Mangel genommen. Aber auch Schawinski hat Schwachstellen. Tagesanzeiger.ch/Newsnet stellt Personen vor, die beim begnadeten Talker ein besonderes Kraftfeld erzeugen. Acht Rezepte, die «Schawi» knacken können:

Der Gesprächsverweigerer: Cédric Wermuth
Der SP-Jungspund hat die Gabe, viel zu reden und wenig zu sagen. Das reizt Schawinski und kann damit enden, dass er die Selbstbeherrschung verliert. Wermuth brachte den Radio-1-Boss 2010 in Rage, indem er seine Botschaften ständig wiederholte, auf konkrete Fragen kaum einging und auf den sachlichen Argumentationsstil von Schawinski nur sehr knapp reagierte. Das Duell mündete in einem sprachlichen Durcheinander. Schawinski machte als Interviewer keine gute Figur.

Der Unantastbare: Victor Giacobbo
Keiner kennt den neuen SF-Talker und seine Allüren besser als der Komödiant. Regelmässig parodiert er ihn in seiner Show Giacobbo/Müller. Im «Doppelpunkt»-Interview mit Schawinski zeigte der TV-Satiriker, wie man kritischen Fragen auf sympathische Art aus dem Weg geht. Mit Antworten wie «Da musst du besser recherchieren» oder «Bring eine neue kritische Frage» hatte Giacobbo den Talker stets im Griff. Eine Lehrstunde für Gäste, die auf Schawinskis Sofa Platz nehmen müssen.

Der Besserwisser: Roger Köppel
Wöchentlich treffen sich Schawinski und der «Weltwoche»-Chef in der Sendung «Roger vs. Roger» zum Schlagabtausch. Konfrontation pur. Jeder will den Applaus. Dabei geht Köppel öfter als Sieger hervor als Schawinski, weil Köppel Schawinskis Provokationen mit Schalk begegnet. Entgegnungen wie «Das ist eine verzerrte Wahrnehmung» oder «Das ist eine einseitige Einschätzung» locken Schawinski aus der Reserve. Dann steuern Emotionen sein Verhalten.

Der Scharfmacher: Klaus J. Stöhlker
Die beiden reden seit dem «Doppelpunkt»-Interview im September 2009 kein Wort mehr miteinander. Das Rededuell mit dem PR-Hansdampf war ein wüstes Wortgefecht. Tiefpunkt des Gesprächs: Stöhlker warf Schawinski vor, dass er aufgrund seiner Herkunft Araber und Muslime diskreditiere. Stöhlker bezeichnete Schawinski als «islamfeindlichen Juden». Der Altherren-Knatsch wirkte rückblickend peinlich. Eines offenbarte die Begegnung: Stöhlker setzte bei Schawinski das Thema. Nicht umgekehrt.

Der Kläger: Alfredo Lardelli
Das Interview mit dem Milieu-Rechtskonsulenten war spannend und aufschlussreich. Das Nachspiel dürfte Schawinski jedoch eine schlaflose Nacht beschert haben. Lardelli reichte beim Bezirksgericht Zürich eine 18-seitige Anzeige gegen den Radiomann ein. Er forderte eine Entschädigung von einer Million Franken, weil ihn Schawinski als «Mörder, Milieugrösse und Verkehrsrowdy» bezeichnete. Letztere Bezeichnung war Grund für die Anklage. Unwahrscheinlich, dass Schawinski je mit Lardelli wieder talkt.

Der Provokateur: Hanspeter Lebrument
Der Verlegerboss und Roger Schawinski sind Streithähne. Zwar ist es zwischen den beiden nie zu einem Interview-Duell gekommen, doch Lebrument kennt wie kein Zweiter die Schwachstellen des Medienunternehmers. Er bezeichnete Schawinski einst als Medienspekulanten, der eine marode Radio- und Fernsehfirma verkaufte. Solche Meinungsäusserungen wirken auf Schawinski wie ein rotes Tuch.

Die Verführerin: Hannelore Elsner
Wer im Studio Platz nehmen darf und Schawinski fürchtet, sollte sich das Interview mit der Schauspielerin Hannelore Elsner als Vorbild nehmen. «Die hat mich so eingenommen, dass ich während der Sendung vom Stuhl gefallen bin», erinnert sich Schawinski jüngst in einem Interview. Wer eine Charmeoffensive nach Elsner lancieren kann, lässt Schawinski wie einen Jüngling aussehen.

Der Flüchtende: Ueli Maurer
Wer mit dem Rücken zur Wand steht und kein Rezept gegen Schawinski besitzt, der kann Ueli Maurers Strategie anwenden. 1999 bezeichnete Schawinski den SVP-Politiker als «Parteipräsidenten von Blochers Gnaden», worauf Maurer das Mikrofon vom Revers nahm und ging. Eine Taktik, die nicht empfehlenswert, aber möglicherweise der letzte Ausweg ist.

Erstellt: 19.08.2011, 07:05 Uhr

Gäste der Polit-Talks bekannt

Am Montag empfängt der Talkmaster Roger Schawinski Privatbankier Konrad Hummler. Der Teilhaber von Wegelin & Co. soll in der Sendung zu Bankenproblemen, Währungsturbulenzen und die geplanten Steuerdeals mit Deutschland Red und Antwort stehen.

Bekannt sind auch die ersten Gäste der Konkurrenzsendung "Filippos Politarena", die am nächsten Mittwoch auf Sat 1 anläuft. Der Journalist und FDP-Politiker Filippo Leutenegger wird sich mit Hildegard Fässler (Nationalrätin SP), Fulvio Pelli (Präsident FDP) und Christoph Blocher (Vizepräsident SVP) zum Thema "Eurokrise und der harte Franken" unterhalten.

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