«SRF sagt Sorry»

Mit dieser Sendung überlebt der Leutschenbach «No Billag». Garantiert.

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Es ist nicht so, dass man nichts getan hätte. Roman Kilchsperger zum Beispiel, ein urbaner Zürcher, warf den Chüjermutz über und begann zu jodeln. Direktor Ruedi Matter schaute interessiert, als bei «Hallo SRF!» Zuschauerfragen eingingen. Und man produzierte einen Werbespot, in dem ein weisser Berg zu sehen und eine rauchige Männerstimme zu hören ist. «Wir beide haben die Schweiz im Herzen», schmeichelte die Stimme.

Aber seltsam: Irgendwie reichte das nicht. Natalie Rickli meint ungerührt: «Dann muss ich für No Billag stimmen.» SRF-Moderatoren werden weiterhin auf Twitter beleidigt. Und beim votierenden Anarcho-Haufen («Schweizer Stimmbevölkerung») kann man sowieso nie vorsichtig genug sein. Stichwort Minarett, Stichwort RTVG. Und jetzt eben: «No Billag». Nächsten Montag befindet der Nationalrat darüber, nächstes Jahr das Land. Erste Umfragen verheissen der SRG gar nichts Gutes.

Die Volksseele muss also beschwichtigt werden. Eine Sendung muss her, die nun aber wirklich den schlimmsten Knorrli im letzten Krachen überzeugt.

Nun, hier ist sie. Gern geschehen, SRG.

Sendungs-Name: «SRF sagt Sorry».
Sendungs-Form: TV-Talk.
Sendungs-Jingle: Eine verzerrte E-Gitarre heult die ersten 30 Sekunden der Nationalhymne.
Design: Ein Tisch aus Sperrholz in Schweizer-Kreuz-Form, an jedem Ende des Kreuzes steht ein Talkgast.
Moderatoren: Reto Brennwald und Matthias Ackeret.
Anmoderation: «Eidgenossen, Grüezi. Hier ist ‹SRF sagt Sorry› – der Talk, bei dem das Volk immer recht bekommt. Denn Wir nehmen das Geld, und Sie zahlen.»
Bei Wir bohren sich die Moderatoren ihre Zeigefinger in die Brust und senken den Blick. Bei Sie breiten sie die Arme treuherzig Richtung Kamera aus.
Thema (fix): «Welche SRG-Programme sind überflüssig?»
Gäste: Gregor Rutz (fix), Andreas Thiel (fix), ein FDPler (variabel, einfach kein etatistischer Welscher), ein Linker (zum Beispiel ein CVP-Ständerat). SPler und Grüne werden aus Gründen der politischen Ausgewogenheit nicht eingeladen.

Ablauf:
Minute 1 bis 20
In ihren Eröffnungsstatements erklären die Gäste den Zuschauern, warum sie die SRG nicht gut finden.

Rutz: «Fernsehen ist keine Kunst. Private Anbieter können das auch.»
Thiel: «Die SRG ist eine intellektuelle Fehlkonstruktion.»
FDPler: «Ich finde nicht, dass es gar keine SRG braucht. Ich finde, es braucht fast keine SRG.»
CVP-Ständerat: «Die arrogante Haltung von SRG kommt im Volk nicht gut an.»

Eine Video-Strassenumfrage zeigt, welche «Tagesschau»-Moderatoren ganz besonders unbeliebt sind.

Minute 20 bis 40
Die Gäste diskutieren über Sparmöglichkeiten. Die Moderatoren intervenieren, wenn die Gäste abschweifen oder die SRG loben.

Rutz: «Warum verfilmt ‹Schweiz aktuell› eigentlich nie ein Editorial der ‹Weltwoche›? Das wäre wahre Unabhängigkeit!»
Thiel: «Das Humor-Monopol am Leutschenbach muss aufgebrochen werden.»

In einer Gesprächspause liest Irina Beller mit italienischem Akzent Tweets von Claudio Zanetti vor.

Minute 40 bis 60
Die Gäste diskutieren, wofür man das SRG-Geld besser gebrauchen könnte. Rutz rechnet vor: Mit dem SRG-Budget könne man 6564 Duros sanieren. Mit einer einzigen «Schawinski»-Sendung könnten 62 Direktzahlungen für Ponys finanziert werden.

Über die Nummer 0848 88 24 25 können sich Zuschauer jederzeit ins Gespräch einschalten. Ihre Telefonate werden per Lautsprecher verstärkt, um das Gerede der Talkteilnehmer zu übertönen.

Minute 61
Schlusssequenz: Auftritt Ruedi Matter in weissem Büssergewand. Es wird dunkel im Studio, einzig ein Lichtkegel bleibt auf Matter. Der Direktor fällt auf die Knie, ruft aus: «Es tut mir leid!» Die Kamera schnellt in die Höhe, Ruedi Matter blickt ihr nach. Er entschwindet in der Froschperspektive.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 22.09.2017, 10:31 Uhr

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