Schawinski-Talk führt zu Entlassung in Deutschland

Ihre Kolumne nach der Aufzeichnung zur Sendung wird der Philosophin, Autorin und Prostituierten Salomé Balthus zum Verhängnis.

An ihr orientieren sich finanzstärkere Männer im Hochpreissegment der Prostitution: Salomé Balthus. (Bild: Screenshot SRF)

An ihr orientieren sich finanzstärkere Männer im Hochpreissegment der Prostitution: Salomé Balthus. (Bild: Screenshot SRF)

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Die vor wenigen Tagen im Fernsehstudio des Schweizer Fernsehens aufgezeichnete Sendung «Schawinski» hat bereits vor der Ausstrahlung am Montagabend für einen Eklat in Deutschland gesorgt.

Zu Gast in der Sendung war Salomé Balthus. Die in Ostberlin geborene Tochter des Künstlerpaares Monika Ehrhardt und Reinhard Lakomy wird als Aushängeschild ihres eigenen Escortservices Hetaera in Berlin beschrieben. Doch Balthus, die Philosophie und Literatur studiert hat, sieht sich in erster Linie als Autorin. Sie verfasste regelmässig Kolumnen («Das Kanarienvögelchen») in der deutschen Tageszeitung «Die Welt». Nun ist sie wegen eines nicht ausgesprochenen Zitats ihren Kolumnistenjob los.

Balthus veröffentlichte am Sonntag einen mittlerweile wieder gelöschten Text über ihre Erlebnisse bei «Schawinski». So habe der Moderator einen Clip eingespielt, in dem die Frauenrechtlerin Alice Schwarzer erklärt habe, dass alle Prostituierten von ihren Eltern missbraucht worden seien. Balthus schrieb: «Und kaum dass man diese Aussage richtig verarbeiten könnte, auch ihre Absurdität erkennen, stoppt der Clip, und Schawinski stellt mir seine nächste Frage: ‹Hat Ihr Vater Sie als Kind sexuell missbraucht?›»

«Dass ich nicht ausrastete, nicht den Faden verlor, nicht Herrn Schawinski mein Wasserglas ins Gesicht schüttete. Dass ich nicht aufstand und die Sendung verliess»: Balthus sei selbst ob ihrer Reaktion erstaunt gewesen, schrieb sie.

Das Interview schien die 34-jährige Berlinerin derart mitgenommen zu haben, dass sie sich am Flughafen Zürich «zielstrebig betrunken» und deshalb ihren Rückflug nach Berlin verpasst habe.

Nach der Veröffentlichung der Kolumne wendete sich Roger Schawinski an den Chefredaktor der «Welt»-Gruppe, Ulf Poschardt. Laut Schawinski stelle Balthus’ Kolumne eine «arge Verunglimpfung meiner Person und meiner Integrität als Journalist» dar.

Dass das oben erwähnte Zitat nie in der Sendung gefallen und erfunden sei, bewies er anhand eines Protokolls mit dem Gesprächsverlauf in der Sendung. So habe er nach dem Clip von Alice Schwarzer gefragt: «Ist das bei Ihnen auch der Fall gewesen? Oder würden Sie mir gestehen, wenn es so gewesen wäre?»

Das hat Schawinski Salomé Balthus in der Sendung gefragt. (Video: SRF)

Gegenüber dem «Blick» sagte Oliver Michalsky, Chefredaktor von «Welt digital», dass man festgestellt habe, dass die zentrale Passage der neuen Kolumne unzutreffend sei. Die Schawinski zugeschriebene Frage sei von diesem nicht gestellt worden. «Frau Balthus baute aber darauf die gesamte Kolumne auf. Dies können wir nicht tolerieren, denn so ein Vorgehen entspricht nicht unseren journalistischen Leitlinien. Deswegen haben wir den Artikel gelöscht und auch die Zusammenarbeit mit Frau Balthus beendet. Bei Herrn Schawinski haben wir uns per Mail entschuldigt», so Michalsky.

Noch in diesem Jahr sollen die Balthus-Kolumnen in einem Roman erscheinen. Die Werbetrommel dazu wurde bereits gerührt. (nag)

Erstellt: 09.04.2019, 10:59 Uhr

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