Schiri ans Mikrofon!

Das SRF-WM-Team hat einen Matchwinner in seinen Reihen: TV-Schiedsrichter Carlo Bertolini.

«Bin so objektiv wie möglich»: Carlo Bertolini über den Schweizer Siegtreffer.
Video: SRF

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Gestern unkte Kollege Cherix hier gegen Sascha Ruefer, vorgestern wurden da die Postspielanalysen infrage gestellt. Das mag man so sehen, aber nicht alle Spielbetrachtungen sind sinnlos, und die WM-Berichterstattung von SRF hat durchaus Highlights zu bieten. Ich sage nur: ein Fall für Bertolini!

Der Tessiner Schiedsrichter Carlo Bertolini analysiert bei strittigen Szenen die Entscheide der Unparteiischen. Mal in der Pause, mal nach dem Spiel. Er tut dies mit dem Verständnis eines modernen Referees, der sich nicht als Aufpasser und Schnellrichter sieht, sondern als Konfliktlöser. Falsche Rücksichtnahme gegenüber seinen Berufskollegen kann man ihm auch nicht ankreiden. Nach dem Match zwischen Brasilien und Mexiko, als Marcelo durch den mexikanischen Strafraum segelte und einen Penalty forderte, konstantierte Bertolini: «Hier hätte ich mir Gelb wegen Schwalbe gewünscht!» – und erklärte weiter den Unterschied zwischen Halten und Touchieren, von dem die meisten Zuschauer wohl noch nie gehört hatten.

Gress geschulmeistert

Auch in der Partie Schweiz - Ecuador machte Bertolini eine gute Falle. Als Drmic die vermeintliche Schweizer Führung erzielte, aber der Schiedsrichter das Goal nicht gab, wertete Bertolini den Entscheid klar als falsch. Vor allem aber löste er das Dilemma des Schweizer Siegtreffers elegant. Denn Hand aufs Herz: Das war doch Abseits. Knapp, aber Abseits. Bertolini, sich der nationalen Euphorie bewusst, sagte, es sei kein Abseits, machte dazu aber ein vielsagendes Gesicht und fügte hinzu: «Ich bin Schweizer und versuche, in dieser Situation so objektiv wie möglich zu sein…» Zuvor bedachte er Behramis Sturmlauf mit einem euphorischen «phantastische Vorteilsanwendung!»

Zwar verstehen sich Hüppi und Bertolini akustisch nicht immer hundertprozentig, aber das liegt wohl auch daran, dass man den Schiedsrichter in eine Ecke gestellt hat. Wieso eigentlich? Könnte man ihn vielleicht in die Runde integrieren? Der Mann bringt mit seiner geselligen Art Schwung in die Bude und hätte sicher auch sonst etwas über Fussball zu sagen. Hier könnte man sich am ZDF orientieren, wo Urs Meier neben, meistens sogar zwischen, Oliver Kahn und Oliver Welke steht. Apropos: Bertolini ist klar der bessere Meier, weil er weniger besserwisserisch wirkt - auch wenn er nach dem Schweiz-Spiel Gilbert Gress vor laufender Kamera schulmeisterte. Aber der hat das verdient. Bravo Bertolini!

Erstellt: 18.06.2014, 14:25 Uhr

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