So ist die neue «Star Trek»-Serie

Die lange erwartete neue «Star Trek»-Serie wird von einem «Walking Dead»-Star angeführt. Was taugt sie?

«Star Trek: Discovery» dringt in Sphären vor, die die Fans noch nie zuvor gesehen haben.


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Der US-Sender CBS machte über Monate ein gewaltiges Geheimnis aus der neuen «Star Trek»-Serie. Weder über Figuren noch Plots gab es Informationen. Dann stieg Chefautor Bryan Fuller («Hannibal») aus. Gerüchte kamen auf. Würde die lang erwartete Fortsetzung der Kultreihe ein Desaster werden?

Im Gegenteil! «Star Trek: Discovery» dringt in Sphären vor, die die Fans noch nie zuvor gesehen haben – die Serie ist horizontal erzählt, die Handlung erstreckt sich über mehrere Folgen und Staffeln. Ein weiteres Novum: Nicht ein Captain ist die Hauptfigur, sondern die erste Offizierin Burnham, die auf dem Planeten Vulkan aufgezogen wurde. Burnham (Sonequa Martin-Green, bekannt aus «The Walking Dead») ist menschlich, denkt aber, wie Vulkanier nun mal denken: logisch wie ein Bordcomputer.

Ihre Abenteuer passieren zehn Jahre vor jenen der Originalserie aus den 60ern. Damit wird das politische Spannungsfeld, das die letzten «Star Trek»-Reihen «Deep Space Nine» und «Voyager» aufgebaut haben, deutlich simplifiziert. Statt Dutzender fremder Spezies, die alliiert oder verfeindet sind, ist das Feindbild hier wieder der gute alte Klingone. Deren Anführer ist ein polternder Rassist, und obwohl seine minutenlange Kriegsrede in Klingonisch gehalten ist, lässt sie sich leicht eindampfen: Make Klingon Great Again. Es kommt denn auch bald zur ersten Weltraumschlacht, wobei die Klingonenschiffe, die ja über eine Tarnfunktion verfügen, plötzlich am Sternenhimmel aufpoppen, dass es dem altgedienten Fan eine Freude ist.

Schwächelnder Optimismus

Nun ging es bei «Star Trek» nie nur darum, sich mit Aliens zu prügeln – auch wenn die neuen «Star Trek»-Kinofilme schändlicherweise mit dieser Regel brechen, um mit den actiongeladenen «Star Wars»-Filmen mithalten zu können. Die meisten «Star Trek»-Serien zeigen ein Universum, in dem die Menschen persönlichen Besitz überwunden haben und nach Selbsterfüllung streben. Der Fokus liegt oft auf der Erforschung von neuen Planeten, auf Begegnungen mit unbekannten Gesellschaftsformen sowie den moralischen Fragen, die solche aufwerfen. «Discovery» scheint, sofern der Eindruck nach zwei gesendeten Episoden nicht trügt, in eine ähnliche Richtung zu gehen. Nur schon in Burnhams Figur sind interessante Konflikte zwischen Logik und Instinkt oder verschiedenen Kulturen angelegt, die die Serie sicher noch vertiefen wird.

Insgesamt hat der Optimismus früherer «Star Trek»-Serien allerdings gelitten. Der obligate Ausserirdische im Team der Sternenflotte ist der Kelpier Saru. Seinesgleichen wird auf seinem Heimatplaneten als Beute für eine stärkere Spezies gezüchtet. Saru ist verständlicherweise ängstlich und risikoscheu. Damit ist er Lichtjahre von seinen unerschrockenen Vorgängern Mr. Spock oder Mr. Data entfernt. Aber wir leben ja auch in ganz anderen Zeiten.

«Star Trek: Discovery» ist ab sofort auf Netflix zu sehen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 25.09.2017, 15:41 Uhr

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