«Sonst bin ich als Zombie unterwegs»

Daniela Lager gibt ihre «10 vor 10»-Moderation ab. Im Interview nennt sie den inoffiziellen Grund und verrät, welche Kollegen sie nicht vermissen wird.

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Ihr offizieller Grund, hinter die Kamera zu wechseln, lautet «neue Herausforderung». Gibt es auch einen inoffiziellen Grund?
Nein, es ist wirklich so. Aber klar: Ich bin über 50 und war schon mit 20 ins Moderationsgeschäft eingestiegen. Wenn ich etwas Neues machen will, dann jetzt, sonst ist es zu spät. Es ist auch eine tolle Aussicht, an der Migroskasse nicht mehr als «10 vor 10»-Gesicht erkannt zu werden.

Was werden Sie vermissen?
Ich moderiere noch ein halbes Jahr! Wenn ich mich jetzt schon in den Abschied begebe, bin ich in den nächsten Monaten als Zombie unterwegs. Danach wird mich wohl schon eine gewisse Wehmut befallen, aber ich bin sicher, dass mein Schritt auch belohnt wird.

Was werden Sie sicher nicht vermissen?
Meine Roboterkollegen im Studio.

Bitte?
Wir haben wie die meisten Medienunternehmen Automatisationsprozesse durchgemacht. Bei uns wurden etwa Kameraleute durch Roboter ersetzt, die auf Schienen an ihre Positionen fahren. Nachdem ich jahrelang mit Kameraleuten im Studio war, ist mir dieser Wechsel nahegegangen. Die neuen Kollegen haben keinen Humor. Die vermisse ich nicht (lacht).

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Jahre sonst noch verändert?
Heute ist dank den Handykameras jeder ein Aussenreporter. Die Exklusivität zum Zugang der Information ging verloren. Das treibt einen in einem absurd schnellen Tempo vorwärts. Dafür kriegt man Augenzeugenbilder, die früher schlicht nicht existierten. Die Herausforderung für uns ist es, dieses Tempo mitzuhalten und gleichzeitig am Abend nochmals auf einem Stock höher zu berichten.

Was ist die grösste Herausforderung für TV-News in den nächsten Jahren?
Das dürfte der Zusammenschluss von verschiedenen Medien und Technologien sein. Was bedeutet es für uns, wenn das Handy den Fernsehapparat ersetzt? Die Antworten hat noch niemand. Aber es sind spannende Zeiten, die auf uns zukommen.

«10 vor 10» wurde einmal vom SRG-Aufsichtsgremium als boulevardesk kritisiert. Was sagen Sie zum Boulevard-Vorwurf, der auch von TV-Kritikern immer wieder erhoben wird?
Haben Sie ein konkretes Beispiel? Über einzelne Beiträge diskutiere ich gerne. Aber Pauschalvorwürfe lehne ich ab. Nur weil wir publikumsnah sind oder Dialekt reden, sind wir nicht boulevardesk.

«10 vor 10» und «Tagesschau» wurden sich über die Jahre immer ähnlicher, weil die «Tagesschau» vermehrt auf Hintergründe setzt. Stört Sie das?
Nein, es treibt uns an, nochmals eine neue Perspektive einzunehmen, eigene Zugriffe zu Themen zu finden. Mir hat das stets gefallen. Wie beim Brexit, als wir am Morgen nach dem überraschenden Entscheid beschlossen hatten, nach London zu reisen und vor Ort mit zwei Satellitenleitungen und viel Improvisationsgabe die ganze Sendung zu drehen. Noch am gleichen Abend wurde sie ausgestrahlt. Das war einer der Höhepunkte bei «10 vor 10». Mehr von solchen Momenten erhoffe ich mir vom neuen Job als Reporterin.

Gab es auch Tiefpunkte?
Natürlich, aber die habe ich sofort verdrängt. Da müssten mich andere daran erinnern.

«Roadpiercing» statt «Roadpricing»?
(lacht) Das war so einer, das war der wahrscheinlich dümmste Versprecher meiner Karriere. Ich denke aber, dass einem solche Fehler vom Publikum verziehen werden, weil sie einen menschlicher machen. So auch der Hustenanfall, den ich im Studio hatte und der lustigerweise für ein Riesenaufsehen gesorgt hat. Persönlich ärgere ich mich viel mehr über eigene journalistische Fehler.

Video – Lager und die Pannen bei «10 vor 10»:

Haben Sie einen Favoriten für Ihre Nachfolge?
Ich habe niemanden im Auge, es gibt so viele gute Kandidaten.

Aber eine Frau sollte es schon sein, oder?
Schön wärs, aber nach vielen Jahren mit zwei Frauen und einem Mann, wären auch zwei Männer in Ordnung. Hauptsache, es ist jemand mit grosser Lust auf News und die andere Perspektive.

Erstellt: 07.07.2016, 15:51 Uhr

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