Spiess-Hegglins Nachspiel

Zwei Jahre lang begleitete die SRF-Sendung «Reporter» Ex-Grünen-Politikerin Jolanda Spiess-Hegglin. Damit ist die «Zuger Sexaffäre» hoffentlich endgültig abgeschlossen.

Im medialen Fokus – bis heute: Jolanda Spiess-Hegglin.

Im medialen Fokus – bis heute: Jolanda Spiess-Hegglin. Bild: Keystone

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«Mir hat die Menschlichkeit gefehlt #adezäme»: Letzte Woche wurde bekannt, dass Jolanda Spiess-Hegglin ihr politisches Amt niederlegt. Zwei Jahre zuvor erfuhr man von der Landammann-Feier kurz vor Weihnachten, die als «Zuger Sexaffäre» Schlagzeilen machen sollte und die Nation monatelang beschäftigte. Die Grünen-Frau Spiess-Hegglin und SVP-Politiker Markus Hürlimann hatten eine Nacht miteinander verbracht. Spiess-Hegglin sprach von sexuellem Missbrauch unter Einfluss von K.-o.-Tropfen. Der SVP-Mann von einvernehmlichem Sex.

Medizinische Gutachten fanden keine Hinweise auf K.-o.-Tropfen. Spiess-Hegglin blieb daraufhin erst recht im medialen Fokus – bis heute. Zu prickelnd ist die Vorstellung einer enthemmten Politikerin beim Schäferstündchen mit einem politischen Gegner. Auch gab sie sich mit dem Befund nicht zufrieden und suchte die mediale Plattform. Gleichzeitig stieg der politische Druck auf sie, auch die Stimmung in der Öffentlichkeit kippte. Primitive Post erreichte die dreifache Mutter. Vom Volksvertreter zum Volksfeind war es ein kurzer Weg.

Zwei Jahre begleitete SRF-Reporterin Vanessa Nikisch die gefallene Politikerin. Herausgekommen ist ein 30-minütiger Film, der nahelegte, was man schon wusste: Dass hier jemand um seinen Ruf kämpft – und damit das Gegenteil bewirkt. Man sah wie Spiess-Hegglin Trost von aufmunternden Onlinekommentaren bezieht. Dass im Cyberspace auch wüste Beleidigungen auf sie ausgestossen wurden, schien sie aber genauso zu beschäftigen. Dabei wäre Ruhenlassen die beste Strategie gewesen – politisch, aber auch für den eigenen Seelenfrieden.

Man könnte das naiv nennen. Oder lässt Spiess-Hegglins Idealismus ihre Umgebung nicht richtig erkennen? Bitter jedenfalls war folgende Szene: Zu ihrem Geburtstag hatte sie ihre Onlinefreunde eingeladen. Doch statt Dutzenden Leuten kamen bloss ein paar – und doppelt so viele Journalisten. Auch ihr Mann Reto war da. Die Journalistin, die sich während des Films einer prätentiösen und unnötigen Ich-Form bediente, versuchte vergebens, ihm ein Statement zu entlocken. Ja, es gebe viel zu sagen, aber das Fernsehen sei nicht der richtige Ort dafür.

Der Mann hat recht. Juristisch ist das Trauerspiel schon seit Mitte 2015 abgeschlossen. Bleibt zu hoffen, dass es mit diesem Film auch in der Öffentlichkeit so ist.

Erstellt: 28.11.2016, 10:07 Uhr

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