TV-Kritik: Affe gut, Ospel bös

Der «Kassensturz» ist seit Jahrzehnten ein Bollwerk im Programm des Schweizer Fernsehens. Warum? Weil nirgends sonst so eindeutig ist, wer der Gute und wer der Böse ist.

Immer auf der Seite der Guten: Moderator Ueli Schmezer.

SF/Merly Knörle

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Jeder Beitrag im «Kassensturz» ist genau gleich aufgebaut. Zuerst erklärt ein Opfer mit Unschuldsmiene, was ihm Ungerechtes widerfahren ist. Daraufhin wird gezeigt, auf welch fiese Art die Täter vorgehen. Am Schluss kommt wieder das Opfer zu Wort, das nun sagen darf, was es gelernt hat und wie sein Leben jetzt weiter geht. Egal, ob es sich um einen Beitrag über Internet-Abzocker oder Urwaldrodungen wegen Palmölplantagen handelt, diese Masche funktioniert. Da darf das Opfer gerne mal ein Mensch, mal ein Affe sein.

Opfer und Täter, Gut und Böse - nie gibt es den geringsten Zweifel, ob vielleicht doch nicht alles so eindeutig ist, wie es auf den ersten Blick erscheint. «Ich habe gemeint, ich könne eine Karte versenden ohne Kostenfolge», sagt das Internet-Betrugsopfer. Selber Schuld? Auf einen solchen Gedanken darf man in dieser Sendung nicht kommen. Und wenn doch? Ist man dann ein schlechter Mensch?

«Über 1000 Milliarden!»

Einer, der bestimmt nie auf einen solchen Gedanken kommt, ist Moderator Ueli Schmezer, zumindest scheint es so. Er verteidigt die Opfer immer mit grösster Vehemenz, kämpft für sie und bleibt dennoch sympathisch, wirkt wenig verbissen. Manchmal kann er seine Empörung nicht genug betonen, zum Beispiel beim jüngsten Beitrag zur Finanzkrise. «Über 1000 Milliarden Franken haben Staaten schon für die Rettung der Banken ausgegeben», sagte er. Und damit auch alle merken, dass dies viel Geld ist, wiederholte er: «Über 1000 Milliarden!». Ein dankbares, wenn auch plattes Thema. Man zeigt einfach Fotos von Bankenchefs und setzt darunter die Zahl des letzten Jahresverdiensts. So weckt man die niederen Instinkte des Publikums, die Empörung hat man auf sicher. Die Analyse der Wirtschaftsprofessorin, wonach die hohen Boni an allem Schuld seien, ist genau das, was man hören möchte, mehr nicht.

Kein Verlust für die Sendung ist das Fehlen einer humoresken Einlage - vielleicht haben die Macher endlich gemerkt, dass eine Konsumentensendung keine Comedy-Show ist. Was aber nicht fehlen darf, ist der obligate Test. Diesmal geht es um Kinderwagen. Um die Zuschauer bei der Stange zu halten, werden die Resultate gestaffelt gezeigt, immer unterbrochen durch Bilder aus der Testvorrichtung. Den Babys in den Wagen scheints zu gefallen, den Eltern, die einen Kinderwagen kaufen wollen, weniger. Die gezeigten groben Testresultate sind kaum brauchbar, und auf der «Kassensturz»-Internetseite sind die detaillierten Testergebnisse nicht abrufbar. Das Ganze entpuppt sich als Werbebeitrag für den «K-Tipp», ein kostenpflichtiges Magazin. Und dies bei einem gebührenfinanzierten Sender. Schon fast ein Fall für den «Kassensturz». (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 15.10.2008, 10:24 Uhr

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Kommentare

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...