TV-Kritik

TV-Kritik: «Da kommt noch viel Dreck»

Gestern war Christoph Mörgeli zum dritten Mal bei Roger Schawinski zu Gast. Das Duell der Lieblingsfeinde enttäuschte nicht.

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Schawinski gegen Mörgeli ist der erste Klassiker der Talksendung «Schawinski». Das Line-up, gestern zum dritten Mal programmiert, garantiert Rabatz und Quote. «Ich bin Christoph Mörgeli, im Hauptamt Historiker, im Nebenamt Politiker», sagte Mörgeli, als er zum ersten Mal bei Schawinski zu Gast war, auf die Standard-Eröffnungsfrage «Wer sind Sie?». Gestern eröffnete Schawinski mit «Was ist Ihr Traumjob?». Antwort: «Konservator des Medizinhistorischen Museums der Uni Zürich.»

In medias res, sagt der Akademiker da wohl. Mörgelis Auftritt bei Schawinski war ja einem ganz konkreten Umstand geschuldet, einer Developing Story gar. Der geschasste Historiker bewirbt sich um die Stelle als Rektor der Uni Zürich, was Schawinski so kommentierte: «Braucht man dazu keinen hervorragenden Leistungsausweis? Sie wurden doch eben entlassen.» «Eine Entlassung ist nie schön, das wissen Sie ja von Sat 1», erwiderte Mörgeli – was wiederum Schawinski in Abrede stellte.

Aussage gegen Aussage

Es kam also zum erwarteten Schlagabtausch zweier Lieblingsfeinde und gewiefter Rhetoriker. Seine Qualifikation für die Rektor-Stelle bezeichnete Mörgeli als «über jeden Zweifel erhaben». Es werde schliesslich eine visionäre und weltoffene Person gesucht, Eigenschaften, die er mitbringe. Sehe man sich den Zustand der EU an, könne man seine Haltung als alter EU-Gegner durchaus als visionär bezeichnen. Ausserdem sei die EU das Gegenteil einer offenen Welt.

Schawinski sprach Mörgeli derweil jegliche Qualifikation ab. Genüsslich zerpflückte er eine wissenschaftliche Arbeit über das Medikament Bactrim, die Mörgeli zusammen mit anderen Arbeiten ins Studio mitgebracht hatte: «Das ist nicht wissenschaftlich. Das ist nicht einmal Journalismus, sondern eine bezahlte Publireportage für Roche.» Mörgeli: «Im Gegenteil. Das ist eine saubere Analyse eines Medikaments.» Passagen wie diese waren bezeichnend für das Gespräch. Aussage stand gegen Aussage. Unterhaltend war es aber alleweil, da sich die Streithähne wendig zeigten und sich ein rasantes Wortduell lieferten.

Dann kam man auf Mörgelis Chef Flurin Condrau und die Amtsenthebung zu sprechen. Mörgeli betonte, dass er das Opfer eines politischen Komplotts sei. Tatsächlich wurden letzte Woche zwei ehemalige Mitarbeiter des Medizinhistorischen Instituts vorübergehend freigestellt, die dem «Tages-Anzeiger» den internen akademischen Bericht zugespielt haben sollen. Für Mörgeli war klar: Condrau wusste von dieser Amtsgeheimnisverletzung. Auch die Kritik an seiner Museumsführung, die in dem Bericht erhoben wird, wies Mörgeli erneut zurück. «Die Kritik steht in dem Bericht, weil Herr Condrau Professor Robert Jütte aus Stuttgart beauftragt hat, diesen vernichtenden Bericht zu verfassen.» Mörgeli zeigte sich zuversichtlich, dass die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen würden. Auch SP-Bildungsdirektorin Regine Aeppli sei «fällig» und müsse gehen.

Die Mörgeli-Lawine

Flurin Condrau hat angesichts der «schwierigen Situation» bekanntlich darum ersucht, von der Leitung des Instituts vorübergehend entlastet zu werden. Schawinskis These dazu war, dass die Beteiligten Mörgeli nicht gewachsen seien. Niemand wolle sich äussern, weil man Angst vor ihm habe; die Mörgeli-Lawine habe alles überrollt.

Musste Mörgeli aus fachlichen oder politischen Gründen gehen? Sind die freigestellten Mitarbeiter Whistleblower oder Intriganten? Die Antworten stehen beim gegenwärtigen Wissensstand noch aus. Schawinski beendete die Sendung denn auch mit einer persönlichen Frage: «Wie geht es Ihnen?» «Nicht glänzend. Ich bin erschüttert. Aber da kommt noch viel Dreck auf den Tisch.» Das letzte Wort mochte Schawinski seinem Gast allerdings nicht lassen. Süffisant kündigte er das Thema für den heutigen «Club» an: «Teilzeitjobs für Männer». Dann richtete er sich an Mörgeli: «Das interessiert Sie vielleicht.»

Erstellt: 27.11.2012, 10:05 Uhr

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