TV-Kritik

TV-Kritik: Der Kantengänger

Als Anwalt hat Valentin Landmann ein Faible für die Unterwelt. Nun verteidigt er die Ehre von Christoph Mörgeli. In der Sendung von Roger Schawinski stand er Red und Antwort.

«Ich bin ich»: Anwalt Valentin Landmann.
Bild: Screenshot SF

«Ich bin ich»: Anwalt Valentin Landmann. Bild: Screenshot SF

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Valentin Landmann ist in den Medien dauerpräsent. Seit Wochen hört und liest man ständig vom Mann mit der gepflegten Glatze und dem selbstsicheren Grinsen. So verteidigt er in der Causa Hildebrand den Thurgauer SVP-Grossrat und Rechtsanwalt Hermann Lei. Davor war er im Fall der beiden ehemaligen Sozialarbeiterinnen Wyler und Zopfi vor Bundesgericht aktiv und erzielte erst kürzlich für die Hells Angels gegen die Bundesanwaltschaft einen De-facto-Freispruch.

Nun hat Landmann mit Christoph Mörgeli einen nächsten schillernden Fall, der ihn wiederum in den Medien zur gefragten Person macht. So war Landmann gestern zu Gast bei SRF-Talker Roger Schawinski. Was konnte man im Vorfeld der Sendung erwarten? Inhaltlich wenig, denn Landmann gab in den Tagen zuvor in vielen Medien bereits ausführliche Interviews zum Fall Mörgeli.

Langjährige Freundinnen, die anschafften

Das Gespräch begann mit Schawinskis Einstiegsklassiker «Wer sind Sie?» trotzdem vielversprechend, weil mit Landmann ein gewiefter Interviewgast im Studio sass, der Schawinskis Stil kennt. Unzählige Male begegneten sich die beiden in Interviews. Landmann antwortete lang und fast schon philosophisch: «Das ist die wichtigste aller Fragen, die ich mir täglich stelle. Bin ich ein Konglomerat aus denen, die ich verteidige, oder bin ich noch ich selber? Ich bin ich selber. Ich bin ich.»

Statt sofort über die Causa Mörgeli zu diskutieren, rückte Schawinski die Person Landmann ins Zentrum. Dabei war absehbar, dass der Talker Landmanns Beziehungen zum Sexmilieu und zu SVP-Kreisen sowie sein Faible für die Unterwelt ausleuchten wollte. Landmann begegnete den Fragen seines temperamentvollen Befragers mit Ruhe, als hätte er diese schon zighundertmal beantwortet. Auf die Frage, ob Landmann im Sexmilieu aktiv sei, sagte der Jurist: «Ich hatte langjährige Freundinnen, die anschafften. Es waren fantastische Frauen. Das liegt aber viele Jahre zurück.»

Selbst als Schawinski auf Landmanns negative Erfahrungen mit einem Drogenbaron zu sprechen kam, zeigte Landmann Grösse: «Ich habe Fehler gemacht.» Später wird er sagen: «Ich bin kein Regierungsrat. Ich kann sagen, dass ich mich geirrt habe.» Erster inhaltlicher Höhepunkt ist Landmanns Anekdote zu Hermann Lei, der die Hildebrandaffäre ins Rollen brachte. Leis spontanes TV-Zitat «Ich seich id Hose» wertet Landmann als «Satz des Jahres». Und im Fall Lei kündete Landmann an, dass bald Neuigkeiten zu erfahren seien.

Die Metapher mit dem Fuss

Bis dahin war das Gespräch eine lockere Plauderrunde unter zweien, die sich schon Jahre kennen. Inhaltlich spannend wurde der zweite Teil zum Thema Mörgeli. Wer zur späten Stunde News erwartete, wurde allerdings enttäuscht. Inhaltlich war nicht mehr zu erfahren, als nicht schon in den unzähligen Interviews und Berichten der Sonntagspresse zu lesen war. Landmann sprach von Mobbing gegen Christoph Mörgeli. Erhob Vorwürfe gegen die Universitätsleitung und verteidigte Mörgelis Reaktionen in den Medien, die zur Entlassung geführt haben sollen: «Wenn man mit voller Wucht auf den Fuss von Christoph Mörgeli tritt, dann schreit er.»

Doch Schawinski liess nicht locker und gab sich mit den Ausführungen Landmanns keineswegs zufrieden. Gesprächsdynamisch ging es spätestens dann richtig zur Sache, als Schawinski Mörgelis akademischen Leistungsausweis thematisierte. Hat der entlassene Mörgeli tatsächlich wissenschaftlich publiziert? Schawinski wollte die Mobbingthese Landmanns auf eine sachliche Ebene führen und stellte sich auf den Standpunkt, Mörgeli sei innerhalb der Wissenschaft nicht beachtet und zitiert worden, was letztlich zur Kündigung führte. Mörgeli habe im Prinzip SJW-Büchlein für Erwachsene publiziert, lautete Schawinskis saloppes Verdikt. Landmann verwies auf die 30 Bücher, die Mörgeli vorzuweisen hätte. Schawinski: «Es geht doch nicht um Kilos.» Erstmals konnte Schawinski Landmann aus der Komfortzone holen. Landmann musste ausweichen. Der sonst so eloquente Verteidiger zeigte im Gespräch Unsicherheiten. Landmanns Aussagen wie «Ich kenne keinen Wissenschaftler, der in Insiderheftchen publiziert» oder «Mörgelis wissenschaftliche Bücher sind lesbar» konnten den Zuschauer nicht vollends überzeugen.

Alles in allem zeigte Landmann jedoch einen souveränen Auftritt in Schawinskis Sendung. Gegen Schluss konnte der medienerprobte Anwalt gar das Gespräch vollends zu seinen Gunsten drehen und widerspruchslos die Verteidigungsstrategie seines Mandanten erklären. Spätestens da dürfte dem Zuschauer klar gewesen sein: Mörgelis Anwalt ist das Geld wert.

Erstellt: 25.09.2012, 06:53 Uhr

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