TV-Kritik

TV-Kritik: Ein wurstiger «Tatort» aus Weimar

Nora Tschirner und Christian Ulmen gaben ihren Einstand als Ermittler. Was uns unweigerlich zu etwas People-Journalismus verleitet.

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Weimar, das ist die Heimat der wahren Dichtung und der wahren Wurst, also die Stadt von Goethe und Schiller und einer ebenso legendären Bratwurst namens «Die Fette Hoppe». Und von der schwer schwangeren neuen «Tatort»-Kommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner). Und was für ein herziger Zufall ist es doch, dass Nora Tschirner in ihrem ersten «Tatort» nicht nur schwanger spielte, sondern während der Dreharbeiten auch tatsächlich schwanger war. (Das Baby kam im August zur Welt, sein Name ist, wie der des Vaters, streng geheim!)

In Tschirners erstem Weihnachts-Spezial-«Tatort» geht grad das Festival «Weimar schillert» vonstatten, weshalb die Mörderin, so sies denn wirklich war, sich einmal als Schiller verkleidet und unter unzähligen andern Schillers verschwindet. Das Tatmotiv des klamottigen Klamauks ist einerseits die Liebe, andererseits die berühmte Wurst beziehungsweise deren Rezept, das ein verstorbener Wurstkönig nicht etwa seiner Frau, sondern seiner Geliebten vermacht hat. Es geht aber auch um den Sohn des Wurstkönigs, der vor lauter Zartbesaitetheit ständig Nasenbluten hat und in eine dumme, aber schöne ehemalige Klassenkameradin von Kira Dorn verliebt ist.

Und es geht um einen Kutscher und seine flotte Tochter Lotte (jaja, Goethe hatte mal eine Geliebte namens Lotte in Weimar, Thomas Mann hat darüber einen Roman geschrieben), und irgendwann findet sich die Leiche der Wursterwitwe in der Tiefkühltruhe des Kutschers, und restlos alle werden verdächtig.

Zwei lustige Schnäbel

Ganz ehrlich hab ich vieles nicht zu Ende verstanden in diesem «Tatort», aber wenigstens hab ich mich zunehmend amüsiert, und vielleicht ist es Ihnen ja auch so ergangen. Zum Beispiel darüber, dass Kira Dorn und ihr Co-Kommissar, der aus Hamburg zugezogene Herr Lessing (Goethe, Schiller, da fehlte ja nur noch einer...), gespielt von Christian Ulmen, die velofahrende Verdachtsperson in der Pferdekutsche verfolgten. Ich mein, Hercule Poirot oder Sherlock Holmes hätte so was auch machen können.

Es lag sowieso über der ganzen Folge der Firnis der Nostalgie und des uralten Ermittlerhandwerks, das sich darauf beschränkt, dass zwei Menschen sich geistreich plaudernd über allerlei verdächtigen Kram beugen. Nora Tschirner und Christian Ulmen können so was natürlich perfekt, also natürlich und perfekt, ich vermute mal, sie haben sich nur in Stichworten an das Drehbuch gehalten und sonst einfach so drauflos improvisiert, wie ihnen der lustige Schnabel gewachsen ist. Es ist an den beiden nichts falsch, sie sind zwei heitere, sympathische und intelligente Schauspieler.

Ach, wären sie doch auch in echt ein Paar!

Dass Dorn und Lessing sich dann auch noch als Paar entpuppten, hat mir selbstverständlich besonders gut gefallen, ich finde ja, dass Christian Ulmen und Nora Tschirner auch in echt ein sehr apartes Paar abgäben, weit besser jedenfalls als Ulmen und seine Model-Moderatorin-Gattin Collien Ulmen-Fernandes. Aber es verhält sich da der Ulmen im Leben wohl so wie der Wurstkönigssohn im «Tatort». Bemerkenswert hübsch war auch, dass der ganze Soundtrack eine Variation der «Tatort»-Titelmelodie war. Es wurde da quasi viel Liebe ins weihnachtlich herzige Detail gesteckt. Der grosse Bogen des Falls hingegen, der verzog sich unterdes gemütlich im Gestrüpp des Spiels mit den Anspielungen. Aber das war mir, ganz ehrlich, ein bisschen wurst.

Erstellt: 26.12.2013, 21:46 Uhr

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