TV-Kritik

TV-Kritik: Leben und Sterben in der Provinz

Im Bodensee-«Tatort» starb eine Dorfschönheit gleich zweimal. Kommissarin Blum und ihr Kollege Perlmann tappten in einem spannenden und doppelbödigen Krimi lange im Dunkeln.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

«I was made for loving you baby», dröhnte es aus der vollgestopften Provinz-Kneipe, durch die ein Polonaise-Wurm kroch. Wer für wen gemacht wurde, war dabei unklar. Eine ehemalige Miss Bodensee – etwas gar klischeehaft als verblühende Sexbombe inszeniert – drohte ihrem Liebhaber, mit seiner Frau zu reden. Draussen stand ihr Mann und schaute eifersüchtig herein. Und schon landete sie mit ihrem Auto am Ufer des Bodensees, abgedrängt von einem Pick-up. Wem der gehörte, war schnell klar. Wer ihn gefahren hatte, hingegen nicht. Unklar blieb auch der Verbleib der Leiche.

Der «Tatort» vom Bodensee mit dem Titel «Die schöne Mona ist tot» präsentierte eine auf den ersten Blick klassische Konstellation: Eine Frau wurde umgebracht, und ihr Mann und ihr Liebhaber waren die Hauptverdächtigen. Ein feingeistiger Journalist oder ein schmieriger «versoffener Versicherungsfuzzi», die beide auf eine spezielle Art trauerten. Doch die Ermittlungen von Kriminalhauptkommissarin Klara Blum und ihrem Kollegen, Kriminalkommissar Kai Perlmann, kamen nur schleppend voran, und die Sache wurde immer verzwickter.

Geld und Liebe

Plötzlich ging es um viel Geld, Erbschaften, innerfamiliäre Animositäten, Intrigen, enttäuschte Verehrer und nie überwundene Erfolge und Misserfolge von früher. Mit Monas Bruder kam ein neuer Verdächtiger ins Spiel, der mit Selbstjustiz gegen seinen Schwager drohte. Die Frau des Liebhabers geriet schliesslich auch ins Visier der Ermittlungen.

Zwar häuften die Ermittler Indizien an, die gegen beide Männer sprachen. Doch keiner wollte gestehen. Mit den Kommissaren tappte auch der Zuschauer im Dunkeln. Während alle Seiten ihre Waffen verschärften und sich die Schlingen langsam zuzogen, fehlte immer noch etwas Entscheidendes: Die Leiche der schönen, toten Mona. «Keine Leiche, kein Mord. Kein Mord, kein Mörder», wiederholt Perlmann mantra-artig, und bereite damit die Wendung im letzten Teil vor, die wieder Leben in die Handlung brachte.

Denn unvermittelt tauchte die Leiche auf – und war gar keine Leiche. Das brachte ihr kein Glück. Am Schluss musste die schöne Mona doch noch sterben, praktisch vor den Augen der Kommissare, die den entscheidenen Moment zu spät kamen.

Grenzen der Polizeiarbeit

Neben dem «wer wars?»-Krimi kamen menschliche Abgründe zum Vorschein, in einem zerstrittenen Dorf, in dem der zugezogene Christian Seitz immer auf Ablehnung stiess. Als Kriegsreporter zog er durch Asien und kam in seine eigene Schlacht, als er als Lokalredakteur ein ruhigeres Leben machen wollte.

Geschlagen wurde er am Ende von seiner eigenen Frau. Die beiden unaufgeregten Ermittler probierten dabei vieles. Doch konnten sie in diesem spannenden und vielschichtigen «Tatort» wenig ausrichten – ausser am bitteren Ende die Scherben einzusammeln und gleich vier Leute hinter Gitter zu bringen.

Erstellt: 03.02.2013, 21:49 Uhr

Wie wars?

Lesen Sie nach dem «Tatort» die Kritik und das Rating der Tagesanzeiger.ch/Newsnet-Kulturredaktion – und beteiligen Sie sich an der Diskussion in den Kommentarspalten.

Rating

Folge: «Die schöne Mona ist tot»

Spannung
Glaubwürdigkeit
Reiz des Milieus
Gesamteindruck

1 Stern = schlecht, 5 Sterne = sehr gut

Umfrage

Wie viele Sterne verdient die aktuelle Folge?







Artikel zum Thema

TV-Kritik: Die durchgedrehte Knalltüte

TV-Kritik Der «Tatort» aus Saarbrücken hat einen neuen Kommissar. Und was für einen. Mehr...

TV-Kritik: Also seufzend die Nebenfiguren durchgehen

TV-Kritik Befund nach dem «Tatort»: Wer weiss schon, was im Kopf eines Mörders vorgeht. Von einigen Drehbuchautoren ganz zu schweigen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Gamen in der Schule

Die Schule bereitet Kinder auf die Arbeitswelt vor. Das Rüstzeug soll auch spielerisch vermittelt werden.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Harter Einsatz: Ein Demonstrant wird in Santiago de Chile vom Strahl eines Wasserwerfers getroffen. Die Protestbewegung fordert unter anderem höhere Untergrenzen für Löhne und Renten, günstigere Medikamente und eine neue Verfassung, die das Grundgesetz aus den Zeiten des Diktators Augusto Pinochet ersetzen soll. (9. Dezember 2019)
(Bild: Fernando Llano) Mehr...