TV-Kritik

TV-Kritik: Mister Schweiz versteht nur Bahnhof

Der neue Mister Schweiz heisst Luca Ruch. Im Kampf um den Titel musste sich der 21-jährige Thurgauer qualvollen Aufgaben stellen. Am meisten litten jedoch die TV-Zuschauer.

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«In welcher Schweizer Stadt wird alljährlich der ‹Goldene Leopard› vergeben?», fragt Moderator Sven Epiney. Einzig Luca Ruch glänzt mit der richtigen Lösung «Locarno». Alle anderen liegen falsch. Der Baselbieter Pascal Breitenstein kritzelt gar «London» auf seine Schiefertafel. Wie eine Strafaufgabe scheint den vier Mister-Finalisten dieses Quiz vorzukommen. Verlegen hocken sie hinter ihren Schulbänken.

Die weiteren Fragen beantworten schlicht alle Kandidaten falsch. Dass der Glacier Express von Zermatt nach St. Moritz fährt, davon haben sie noch nie gehört. Die würden nur Bahnhof verstehen, kommentiert Epiney zu Recht. Dass Wihelm Tells Sohn Walter heisst und die Rüeblitorte aus dem Aargau stammt, nicht mal das wissen sie.

Beim Baby-Wickeln angepinkelt

Und doch war diese kurze Schulstunde der unterhaltsamste Teil des Abends. Als «härteste Mister-Schweiz-Wahl» aller Zeiten wurde die Show aus der Bodensee-Arena in Kreuzlingen angekündigt. Für wen eigentlich? Für das TV-Publikum oder die Teilnehmer? Was die Kandidaten betrifft, mussten diese sich in unzähligen Aufgaben bewähren. Halbnackt machten sie Klimmzüge oder versuchten sich im Wettnageln. Für das Publikum recht anstrengend waren die vielen öden Einspieler: In der Wüste von Dubai lieferten sich die Schönlinge etwa ein Kamelrennen, das wohl eher den Namen Schneckenrennen verdient hätte. Luca Ruch stach übrigens auch beim Baby-Wickel-Wettbewerb heraus: Er wurde angepinkelt.

Dazwischen gab es viel Gelegenheit, die muskelbepackten Herren mit nacktem Oberkörper zu begutachten. Ob in knallbunten Badehosen, zerrissenen Jeans oder schrecklichen Anzügen mit Karo-Hemden darunter: Die Herren machten eine gute Falle, trotz der modischen Fehltritte.

Sven Epiney verschlägts die Sprache

Insgesamt war dieser Mister-Parcours aber verdammt lange. Ganze eineinhalb Stunden musste man sich mit den immer selben elf Kandidaten beschäftigen. Erst dann sorgte der erste Showgast Zucchero für musikalische Abwechslung. Ihm folgte später Star-Geiger David Garrett. Mitgenommen hat das Ganze offensichtlich auch Sven Epiney. Die Stimme des SF-Stars war heiser. So sprang Co-Moderatorin, Model Tanja Gutmann, oft für ihn ein. Gutmann, zum ersten Mal so prominent live auf Sendung, war sehr professionell, aber brav wie eine Wetterfee.

Schon einiges nach zehn Uhr wurden schliesslich der Sieger gekürt und die Zuschauer erlöst. Wirtschaftsstudent Luca Ruch konnte sich beim Telefon-Voting gegen Personaltrainer Michel De Carolis durchsetzen. Dass der 21-Jährige schon liiert ist, war offenbar kein Nachteil. Nach dem musisch begabten und schon fast intellektuellen Jan Bühlmann hat dieses Jahr ein bodenständiger Kandidat das Rennen gemacht.

Erstellt: 03.04.2011, 09:38 Uhr

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