TV-Kritik: Mit Gülsha auf Deo-Jagd

Gestern präsentierte die Joiz-Moderatorin mit «Sherlock Hol's» den Auftakt einer neuen Streetgame-Sendung auf SRF 2. Man würde ihr ein anderes Format wünschen.

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«You have to play with me», ruft Gülsha Adilji und wedelt mit den tausend Franken in ihrer Hand. Schnell fügt sie an: «Aso ned so wie du jetzt meinsch!» Das jüngere Publikum kennt Adilji als Moderatorin des jungen Senders Joiz, Anfang Jahr wurde sie von der Zeitschrift «Schweizer Journalist» zur Newcomerin des Jahres gewählt. Jetzt also sprintete sie das erste Mal für die neue Sendung «Street Games» auf SRF 2 durch die Zürcher Strassen. Ob dies ein Nachspiel hat, wird sich zeigen: Jeden Abend dieser Woche demonstriert ein anderer Jungmoderator sein Können und ein anderes Strassenspielformat vor der Kamera. Welches Spiel und welcher Präsentator am Schluss auf Sendung gehen, entscheidet das Publikum: Es kann online abstimmen und Noten verteilen.

Gülshas Format heisst «Sherlock Hol’s» und geht so: Spielwillige Kandidaten von der Strasse müssen in drei Runden unter Zeitdruck Passanten mit gewissen Eigenschaften finden; befragen dürfen sie nur eine begrenzte Anzahl an Personen. Gelingt die erste Runde, gibts dafür 200 Franken. Wer weiterspielt, kann 500 und am Schluss 1000 Franken gewinnen.

«Du häsch sicher au es Deo däbii»

Der erste Kandidat am Zürcher Seebecken ist schnell gefunden: Ein Jazzstudent, er muss in den nächsten fünf Minuten drei Personen finden, die ein Deo oder ein Parfüm bei sich tragen, fünf Personen darf er im Ganzen anfragen. Und so sprintet er los, Gülsha sprintet hinterher und der Kandidat meint: «Weisch, ich sueche Lüüt, wo gschminkt sind, so wie du. Du häsch sicher au es Deo däbii.» Tatsächlich werden zwei Deos und ein Parfüm gefunden und bereitwillig in die Kamera gestreckt.

Sie wolle Herrn und Frau Schweizer auch weiterhin auf den Zahn beziehungsweise unter den Rock fühlen, hatte Gülsha zu Sendungsbeginn verkündet, und so sucht der Musikstudent nun rasierte Männerbrüste – bei Frauen wäre das schliesslich komisch, da sind sich Moderatorin und Kandidat einig. Dieser scheitert wenig später an zu vielen Körperhaaren. Schwer zu sagen, wer am Ende enttäuschter ist, der Klarinettstudent oder die Moderatorin. «Neiiiiii!», ruft sie, die eingangs grinsend gefragt hatte: «Isch diini Klarinette gross oder chlii?»

Unter der Hardbrücke dann der erste und einzige Sieg der Sendung: Eine junge Kandidatin liess die richtigen Leute in ein Promilletestgerät blasen, fand jemanden mit einem Hunderternöötli im Portemonnaie und zwei Leute mit Oben-ohne-Fotos auf ihrem Handy, wobei das eine Bild gar alles zeigte. Das wurde dann selbst Gülsha zu viel. Vielleicht erinnerte sie sich an das jüngste SRF-Skandälchen, als das Strassenquiz «Don’t say it – bring it!» am Openair St. Gallen weibliche Oberweiten vermass – und sich Roger de Weck im Nachhinein entschuldigte.

Nach einer knappen halben Stunde ist der Spass vorbei. Der Moderatorin, «selbsternannte Dilettantin», wie es auf der SRF-Homepage heisst, würde man ein anderes Format wünschen. Denn: Wer wie Gülsha nach der Präsentation dieser Sendung nicht jegliche Würde verloren hat, verdient definitiv eine zweite Chance.

Erstellt: 11.09.2013, 11:31 Uhr

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