TV-Kritik: Trinker unter sich

Eine alkoholgetränkte Weihnachtsgeschichte lieferte der «Tatort» aus Frankfurt. In «Im Namen des Vaters» ging es alles andere als festlich zu und her.

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Nach Maria Furtwänglers Ermittlungen in Hannovers High Society wartete die ausnahmsweise nicht an einem Sonntag ausgestrahlte «Tatort»-Folge aus Frankfurt mit Ermittlungen in einem ganz anderen Milieu auf, und zwar bei Alkoholikern, Randständigen und Kriminellen. Das Frankfurter Ermittlerduo Conny Mey (Nina Kunzendorf) und Frank Steier (Joachim Król) trat dabei zum zweitletzten Mal zusammen auf: Kunzendorf wird die Serie nach nur fünf Folgen verlassen, Król wird während einer Folge allein ermitteln und soll danach eine neue Kollegin zur Seite gestellt bekommen.

Mit 2,7 Promille im Blut wurde die Leiche der Alkoholikerin Agnes Brendel am Neujahrstag gefunden – und die Liste der möglichen Täter war lang: Einen ganzen Zettel schrieb der Lebenspartner der Toten mit Namen von deren Liebhabern voll. Doch er schied als Täter schnell aus und suchte vielmehr selber nach dem Schuldigen, mit nicht ganz legalen Methoden.

Alles Alkoholiker

Im Rahmen des Gesetzes versuchten Mey und Steier ihr Glück und wurden auch rasch fündig. Im alleinstehenden und sehr religiösen Alkoholiker Werner Krabonk hatten sie schnell einen Hauptverdächtigen, der allerdings erst zum Schluss überführt werden konnte. Er legte ein Geständnis ab und erzählte, wie er, ein von den Frauen immer enttäuschter Mann, sich im Suff stellvertretend an einer Frau rächte und sie erwürgte.

Krabonk hatte Pater Markus zuvor seine Tat gebeichtet, doch der konnte der Polizei wegen des Beichtgeheimnisses nicht mehr sagen, als dass er mit Krabonk und Brendel kurz vor der Tat noch einen Schnaps getrunken hatte. Damit brachte der sichtlich leidende Geistliche die Ermittler auf die richtige Spur, geriet am Schluss aber selber in Gefahr, als er von Brendels Lebenspartner gekidnappt wurde, weil dieser die Wahrheit erfahren wollte.

Alle waren sie Trinker: Opfer, Täter, Freund des Opfers, sogar der Pater. Die Ermittlungen führten die Polizisten denn auch oft in Kneipen und Absteigen, wo die Gäste rumlagen, sich prügelten und nur noch lallen konnten. Doch dieses Milieu wurde nie voyeuristisch oder urteilend, sondern stets mitfühlend gezeigt, was die Stärke dieses «Tatorts» war.

Ungleiches Duo

Der Alkoholismus zog sich bis in die Polizei hinein: Kommissar Steier hatte sich vorgenommen, zum neuen Jahr mit dem Trinken aufzuhören. Demonstrativ wurde er immer wieder mit einer Wasserflasche in der Hand gezeigt. Seine plötzlichen Aussetzer machten aber nicht nur seiner Kollegin Mey Sorgen. Auch als Zuschauer fragte man sich trotz gelegentlicher Geistesblitze des Ermittlers: Wie soll der allein zurechtkommen? Conny Mey dagegen war auch in ihrem vorletzten Fall stets gut gelaunt und verlor nie den Glauben – es wurde ihr allerdings nicht besonders schwer gemacht in den glatt verlaufenden Ermittlungen.

Die Geschichte beruhte auf einer Episode aus dem Buch «Auf der Spur des Bösen» des Profilers Axel Petermann. Doch «Im Namen des Vaters» war eher lau und langfädig; offenbar schreibt nicht immer das Leben die besten – oder zumindest nicht die spannendsten – Geschichten.

Erstellt: 27.12.2012, 12:09 Uhr

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