TV-Kritik

TV-Kritik: Wie Albert sich Charlene angelte

Eine Doku auf SF zeigte gestern Abend, wer Charlene Wittstock tatsächlich ist und warum Fürst Albert sie nach Monaco holte. Das Wichtigste blieb uns die Sendung jedoch schuldig.

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Es war einmal eine blonde Schwimmerin aus Südafrika, die verliebte sich in einen Fürsten. So würde die Geschichte von Charlene Wittstock und Fürst Albert von Monaco beginnen, wenn sie ein Märchen wäre. Der «DOK»-Film «Albert & Charlene – Eine Fürstin von Monaco» erzählte uns gestern Abend, wie das alles wirklich war.

Schürzenjäger trifft naive Blondine

Nach einer Party zeigte der 128-fache Schürzenjäger Albert der 23-jährigen, ziemlich naiven Schwimmerin, die wegen eines Wettkampfs in Monaco weilte, seinen Palastgarten (genau wie damals sein Vater das mit Grace Kelly getan hatte beim ersten Date). Ausserdem führte er sie zur Schaukel, auf der ihm seine Mutter immer «Das Dschungelkind» vorgelesen hatte. Deswegen sei übrigens Alberts Leidenschaft für Afrika geweckt worden, hiess es.

Das passt ja, die erste Verbindung der Südafrikanerin zur verstorbenen Fürstin Gracia Patricia, mit der sie so viele Gemeinsamkeiten habe: Das Aussehen, die deutschen Vorfahren, die Tatsache, dass beide in einem fernen Land aufgewachsen sind und wohl auch deswegen nach Monaco geholt wurden, um das angeschlagene Image des Staates aufzupolieren – und nicht nur aus reiner Liebe. Immerhin soll auch Afrika von der Liaison profitieren können. Man erhofft sich einiges in der Heimat der künftigen Fürstin, die sich schon für die eine oder andere Charity hat einspannen lassen.

Naiv, lustig, bossy

Die Doku bot interessante Einblicke, vor allem über Charlene, die meist wie eine reservierte Marionette wirkt, seitdem sie an Alberts Seite ist. Dabei sei sie total lustig, rede viel und sei immer gut gelaunt, sagte ihre Freundin, um vielversprechend anzufügen: «Nach einer Party weiss man, wer Charlene ist.» Sie sei immer gerne der Boss, sagte ihr Bruder, der unter anderem erzählte, dass sie als Kind täglich stundenlang Schwimmen trainiert habe. Sie sei ein bisschen naiv, sagte ein Journalist, der Charlene gut kennt. Ihr ehemaliger Trainer und ein weiterer Freund schwärmten derweil, wie warmherzig und loyal Charlene sei. Die Statements aus den verschiedensten Blickwinkeln schafften es, zumindest ein Gefühl für die Persönlichkeit der künftigen Fürstin von Monaco zu vermitteln.

Von der heute 33-Jährigen selber war dagegen nichts zu erfahren, zumindest nichts, was mit Albert oder ihrer Liebe, beziehungsweise ihrer Beziehung zu ihm zu tun hat. Umgekehrt gab es auch von ihm nichts über seine Zukünftige zu erfahren. Das ist das Einzige, was wirklich gefehlt hat in dieser Doku, was man von der viel zu dominanten Musik, die ständig im Hintergrund lief, nicht behaupten kann. Immerhin bestätige eine Society-Expertin, dass es tatsächlich Liebe sein könnte zwischen Charlene und Albert. Sie selber habe ja immer daran gezweifelt, dass echte Gefühle im Spiel seien – bis sie die beiden an einer Party verliebt habe tanzen sehen. Ihre messerscharfe Analyse dagegen, dass in Südafrika sechs Monate Sommer sei und die Bewohner (also alle) deswegen richtig viel Party machten, hätte die Dame wohl besser für sich behalten.

Alles in allem war die Doku vielseitig, schwenkte vom Heute ins Damals, zeigte echte Aufnahmen von dazumal und schummelte geschickt, wenn es wie bei Charlene keine echten gab. Schonungslos, dafür hie und da ein wenig gesucht, zeigte sie die Parallelen zwischen Charlene und ihrer verstorbenen Schwiegermutter in spe auf. Die Erzählstimme schien derweil nicht alles so bierernst zu nehmen und streute locker ein paar Witzchen ein. Das sollte vielleicht auch Charlene in der Öffentlichkeit ein wenig mehr tun: locker sein. Stur die Etikette zu bewahren wie Kate und William in England braucht sie jedenfalls nicht. Immerhin sind wir von den fürstlichen Monegassen, vor allem von Albert und seiner Schwester Stephanie, ja einiges gewohnt.

Erstellt: 28.06.2011, 10:06 Uhr

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