TV-Kritik

TV-Kritik: Zu Besuch bei einer verlorenen Generation

Jung, gut ausgebildet – und arbeitslos. Der «Kulturplatz» erkundete in einer Exkursion ein Symptom der Wirtschaftskrise in Spanien und lieferte ein spannendes, aber etwas oberflächliches Stimmungsbild.

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Fünf Jahre Wirtschaftskrise haben ihre Spuren hinterlassen in Spanien. Eine Folge davon ist die hohe Arbeitslosigkeit, welche 25 Prozent und bei Jungen sogar 50 Prozent beträgt. Auch ein abgeschlossenes Hochschulstudium ist alles andere als eine Jobgarantie. Viele finden keine Arbeit oder höchstens solche, für die sie überqualifiziert sind.

«Kulturplatz»-Moderatorin Nina Mavis Brunner, selber studierte Ethnologin mit gutem Job, besuchte für die «Extra»-Sendung «Ausgebremst» in Spanien gut ausgebildete Angehörige ihrer Generation, die schon eine verlorene genannt wird.

Bleiben oder nach Deutschland gehen?

Mit vier etwa gleichaltrigen Frauen traf sich die 31-jährige Brunner in den Metropolen Barcelona und Madrid: Übersetzerin Núria, deren Schwester Ruth, früher PR-Agentin und nun Fotografin, Architektin Rocío und Ingenieurin und Lehrerin Irene, alle zwischen Mitte zwanzig und Mitte dreissig. Trotz ihres Studiums sind sie arbeitslos oder haben nicht genug Aufträge. Viele ihrer Kolleginnen und Kollegen sind bereits ausgewandert – zum Beispiel nach Deutschland, wo auch drei der vier Frauen studiert haben; dementsprechend gut sprechen sie Deutsch.

Die vier Frauen sind bisher geblieben. Obwohl sie immer noch bei ihren Eltern oder in engen Wohngemeinschaften leben und gerade im Kultur- und Bildungsbereich immer weiter gekürzt wird, wollen sie nicht weggehen. Den fehlenden Perspektiven zum Trotz sind sie fest entschlossen, in ihrem Heimatland zu bleiben.

Doch wo liegt eigentlich das Problem? Die Antworten darauf fielen unterschiedlich aus. Die Architektin konnte klar benennen, dass mit der Krise die Immobilienblase platzte und der Bauboom damit gestoppt wurde – dementsprechend schlecht ist die Auftragslage für sie. Ansonsten wurde viel geredet über die Oligarchie, die sich seit Diktator Francos Zeit nicht geändert habe, über die korrupten Politiker und die unfähige Regierung. «Wir sollten Firmen gründen oder Firmen ins Land holen», sagte ein Kollege von einer der Frauen. Doch ob diese Jungen wirklich entsprechende Initiative zeigen oder nur lamentieren, blieb unklar.

Nur ein Symptom

Man kann sich auch selber eine Perspektive erarbeiten. Mit einem Nachbarschaftshilfeprojekt aus der Hausbesetzerszene und einem Mikrotheater mit kurzen Aufführungen und günstigen Eintrittspreisen wurden immerhin zwei kreative Versuche aufgezeigt, neue Wege zu finden. Ansonsten wurde wenig über Lösungen geredet – und die Warteschlange vor der Lotterielosverkaufsstelle ging schon als Symbol der Hoffnung durch.

Die «Kulturplatz extra»-Sendung lieferte einen spannenden Einblick in eine Generation in einer schwierigen Situation in einem geplagten Land, ohne aber den Problemen auf den Grund zu gehen oder gar Lösungsansätze zu liefern. Es wurde eines von vielen Symptomen der Krise gezeigt. Und über die nicht so gut ausgebildeten Spanier – jene ohne Hochschulabschluss – wurde gar nicht erst geredet.

Erstellt: 03.01.2013, 09:44 Uhr

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