«Tatort»-Star Götz George ist tot

Der grosse deutsche Schauspieler Götz George ist völlig unerwartet im Alter von 77 Jahren verstorben.

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Er war ein Raubein mit Charme, ein Intellektueller, ein sanfter Künstler, ein aufbrausender Charakter. Götz George war nicht nur einer der vielfältigsten Schauspieler des Landes, sondern ein Mensch mit vielen Facetten. Er wurde 77 Jahre alt.

Der Schauspieler ist tot. Wie seine Agentin am späten Sonntagabend in Berlin mitteilte, starb George bereits am 19. Juni nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren. «Götz George hat sich eine Verabschiedung im engsten Kreis gewünscht», hiess es in der Mitteilung. Von weiteren Nachfragen solle aus Rücksicht auf die Privatsphäre der Familie abgesehen werden. Die Zeitung «Bild» berichtete, George sei in Hamburg im engsten Kreis der Familie beigesetzt worden. Dazu wollte die Agentin keine Angaben machen.

Unvergesslich als Schimanski

George ist einem Millionenpublikum neben zahlreichen weiteren Rollen besonders als «Tatort«-Kommissar Horst Schimanski in Erinnerung. Den schnodderigen Polizisten aus dem Ruhrgebiet verkörperte er binnen 32 Jahren insgesamt 48 Mal. Trotzdem hat sich George nie gern in die Krimischublade stecken lassen. Mit Ehrgeiz, Spielfreude und unglaublicher Vitalität profilierte er sich in seiner langen Karriere als einer der vielseitigsten deutschen Schauspieler.

Die Todesnachricht löste Betroffenheit und Trauer aus. «Adieu, Schimmi. Mit Götz George verliert unser Land einen unserer grossen Charakterdarsteller», twitterte der deutsche Justizminister Heiko Maas. Bundestags-Vizepräsidentin Petra Pau schrieb: «Ach nö, dieses 2016 reicht mir wirklich langsam...», nachdem Anfang des Jahres bereits Prominente wie David Bowie oder Roger Cicero gestorben waren. Der frühere Fussballnationalspieler Christoph Metzelder schrieb schlicht: «Tschüss, Schimanski.»

Viele Facetten

Doch George war weit mehr als TV-Kommissar Schimanski. Eine seiner berühmtesten Kinorollen hatte der gebürtige Berliner als homosexueller Massenmörder Fritz Haarmann in «Der Totmacher» von 1995. In Satiren wie «Schtonk!», welche 1992 den Skandal um die vom «Stern» veröffentlichten falschen Hitler-Tagebücher aufs Korn nahm, oder «Rossini» zeigte George sein komödiantisches Talent.

2007 wurde er für sein Lebenswerk mit dem Deutschen Fernsehpreis geehrt. Sechs Jahre später spielte er im TV-Drama «George» seinen eigenen Vater Heinrich, der wegen seiner Schauspieler-Karriere in der Nazi-Zeit umstritten war. Er war 1946 im sowjetischen Speziallager Sachsenhausen gestorben, wo er wegen seiner Rollen in Propagandafilmen der Nationalsozialisten inhaftiert war. In einem «Spiegel«-Interview vom Juni 2013 verteidigte Götz George seinen Vater: «Wenn ein Mensch mit 52 Jahren sterben muss, dann hat er bezahlt», sagte er darin.

Klavierlehrer und Taschendieb

Er verkörperte ausserdem den KZ-Arzt Josef Mengele («Nichts als die Wahrheit») und einen an Alzheimer erkrankten Busfahrer («Mein Vater»), einen Taschendieb («Das Trio») und einen blinden Klavierlehrer («Der Novembermann»), einen Öko-Aktivisten («Lüg weiter, Liebling») und einen todgeweihten Staatsanwalt («Nacht ohne Morgen»).

2014 wurde Götz George mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Im Juli wäre George 78 Jahre alt geworden. Zu den Medien hatte George trotz seines Erfolgs ein gespanntes Verhältnis; dem Fernsehen warf er auch mal vor, «nur noch auf Kohle und Quote» zu schauen.

Noch einmal vor der Kamera

In Deutschland sei er deshalb nur mehr zum Arbeiten und Steuern zahlen, sagte er einmal. Ansonsten zog er sich mit seiner gut 20 Jahre jüngeren Lebensgefährtin Marika Ullrich in sein Refugium auf Sardinien zurück. Schlagzeilen machten ein schwerer Badeunfall 1996 und eine Herzoperation 2007.

Vor zwei Jahren hatte er erklärt, er wolle sich nach 65 Arbeitsjahren aus dem Schauspielgeschäft weitestgehend zurückziehen. 2015 stand er dann zum letzten Mal vor der Kamera: Im ARD-Krimi-Drama «Böse Wetter» spielte er einen Bergbau-Baron – nicht im Ruhrgebiet, sondern im Harz. Ein Ausstrahlungstermin für den Film steht noch nicht fest. (jros/fal/sda)

Erstellt: 26.06.2016, 22:23 Uhr

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