Theologieprofessor beleidigt SF-Reporter

Ein Basler Theologie-Ordinarius erteilte Israel-Korrespondent André Marty seltsame Ratschläge. Der Fernsehmann reagiert erstaunt.

Auslandkorrespondent André Marty: Ein Basler Professor wirft ihm vor, journalistische Grundsätze zu vernachlässigen.

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André Marty berichtet seit sechs Jahren für das Schweizer Fernsehen aus Tel Aviv, hauptsächlich über den Nahostkonflikt. Weil er zuvor bereits vier Jahre als Italienkorrespondent tätig war, reist er heute, nach zehn Jahren im Ausland, wieder heimwärts. So will es das interne Reglement. Im letzten Eintrag in seinem Blog vor der Heimreise outet Marty nun einen seiner heftigsten Kritiker, den Basler Theologieprofessor Ekkehard Stegemann. Dieser hatte Marty kürzlich per Mail nahegelegt, sich in den Iran oder die Türkei versetzen zu lassen. «Da können Sie für Ihre Seelenlage gute Unterstützung, geradezu Therapie finden und womöglich ein Boot, mit dem Sie Gaza befreien können», frotzelte Stegemann. Das Mail schickte er von seinem Account der Universität Basel ab, was Marty offenbar besonders nervte. «Sagenhaft, auf welchem Niveau sich ein Ordinarius der Universität Basel bewegt, gell?», quittiert Marty Stegemanns Äusserungen.

Vorwürfe und Provokationen

Im Gespräch mit dem TA provoziert Stegemann weiter: «Marty leidet doch furchtbar unter der Situation in Israel.» Er habe Marty, der in der Tat nie einen Hehl aus seiner Kritik an der israelischen Regierung und ihrer Armee machte, keineswegs verhöhnen wollen, sondern sich ernsthaft um dessen emotionale Stabilität gesorgt. «Er erträgt die Situation in Israel offenbar schlecht. Der Aufenthalt in einem Nahost-Land würde ihn sicherlich weniger aufwühlen», sagt Stegemann. Wenn Marty in Fernsehbeiträgen über «erschreckende Entwicklungen in der israelischen Gesellschaft» spreche, dann zeuge das von fehlender journalistischer Unvoreingenommenheit. «Das kann er als Privatmann am Stammtisch tun, aber nicht als SF-Korrespondent», sagt Stegemann. Marty seinerseits bezeichnet Stegemanns Verunglimpfungen als weiteren Versuch der Einflussnahme der einen oder anderen Partei, die er nicht dulde. «Stegemann ist ein Paradebeispiel dafür, wie die Parteien auf den Mann spielen. Das zeigt, wie wichtig eine unabhängige Berichterstattung aus dem Nahen Osten ist», sagt Marty.

Stegemann hat sich mit seinen Äusserungen unnötig in die Nesseln gesetzt. Als er seine Mail abschickte, war bereits bekannt, dass Marty seinen Korrespondentenposten verlassen würde. Und die Universität Basel distanziert sich auf Anfrage deutlich von ihrem Professor: «Dass Herr Stegemann seine Aussagen über den Mailaccount der Universität Basel gemacht hat, ist bedauerlich. Das Rektorat möchte betonen, dass Stegemanns Aussagen keineswegs die Meinung der Universität Basel wiedergeben.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.07.2010, 07:11 Uhr

Ekkehard Stegemann.

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