«Und was ist die Frage?»

Wie das No-Billag-Duell zwischen Roger Schawinski und Gewerbeverband-Direktor Hans-Ulrich Bigler verlief.

Roger Schawinski und Hans-Ulrich Bigler.

Roger Schawinski und Hans-Ulrich Bigler.

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Roger Schawinski wirft sich bekanntlich gegen die No-Billag-Intitiative ins Zeug, kürzlich hat er ein Buch publiziert, das die Argumente der Gegner zerpflückt. Aus dieser Gegnerschaft hat sich in letzter Zeit ein Mann herausgeschält: Hans-Ulrich Bigler, der Direktor des Gewerbeverbands. Nun war Bigler, der Schawinskis Buch nach eigenen Aussagen nicht gelesen hat, in dessen SRF-Sendung zu Gast.

Schawinski stieg in medias res ein, liess die Wer-sind-Sie-Frage weg und unterstellte Bigler gleich Inkompetenz: «Haben Sie Erfahrung im Radio- und TV-Sektor?» Es war natürlich rhetorisch gemeint, Schawinski, der erfolgreiche Medienunternehmer, lieferte die Antwort gleich selbst: Er selber würde ja auch kein Flugzeug bauen wollen.

«Haben Sie Erfahrung im Radio- und TV-Sektor?» (Video: SRF)

Auf diesem Niveau ging es zum Glück nicht weiter, es wurden stattdessen Biglers Positionen diskutiert. Sein sogenannter Plan B bei einer Annahme der Initiative sieht vor, dass die SRG hernach mit mehr Werbung, Abonnementen und staatlichen Fördergeldern finanziert wird. Schawinski tat sein Bestes, dies Punkt um Punkt zu widerlegen. Man könne nicht Geld für ein Pay-TV-Abo verlangen und gleichzeitig meinen, mehr Werbung zu verkaufen als heute. Die Leute seien nur bereit, für Sport, Spielfilme und Porno zu bezahlen. Und staatliche Fördergelder sehe die Initiative ja eben nicht vor.

Schawinskis Absicht war klar. Er wollte darlegen, dass sich Bigler und seine Mitstreiter noch keine richtigen oder nur halb gare Gedanken auf die Konsequenzen eines Ja gemacht haben bzw. brexitmässig erstmal abschaffen und dann nachdenken. Allerdings konterte der ohnehin schon nüchterne Ökonom Bigler diese Angriffe geschickt, indem er sich im Unterschied zu Schawinski keine Gefühlsregungen leistete. Schawinski: «Was ist Audience Flow?» Bigler: «Der ganze Ablauf vom Programm.» Schawinski: «Nein, wie man den Zuschauer von einer Sendung zur nächsten führt und so Marktanteile steigert. Und wenn man Pay macht, hat man keinen Audience Flow mehr.» Bigler: «Und was ist die Frage?»

Auf Schawinskis Zahlen hatte Bigler stets seine eigenen Zahlen parat. Das führte dazu, dass man sich immer wieder in numerischen Behauptungen verzettelte, wie etwa die Details zur Doppelbesteuerung für Unternehmen oder die Streitfrage, ob der Gewerbeverband die potenziellen Gebühren nach einem Ja fürs Radio einzeln ausweist oder zusammen mit den TV-Gebühren. Bigler und Schawinski wedelten dazu beide mit dem Bericht des Gewerbeverbands und zeigten mit dem Finger auf Zahlen, die der Zuschauer natürlich nicht sehen konnte – was anhand des Themas «Zukunft des Fernsehens» ziemlich ironisch war. Dass die Sendung ausnahmsweise länger dauerte als sonst, half da auch nichts.

Der Zahlenbeweis. (Video: SRF)

Schawinski probierte es weiter über die Loyalität von Biglers sonstigen Verbündeten, die der Initiative skeptisch gegenüberstehen wie etwa Gastro Suisse oder der Bauernverband. Auch Biglers eigene Partei, die FDP, hat die Nein-Parole beschlossen. Bigler gelang es aber auch hier, das Thema irgendwie zu umschiffen, ohne eine direkte Antwort zu liefern.

Am Ende wurde über Schawinskis Ex-Sender TeleZüri diskutiert. Der Moderator sagte, dieser könne sich allein mit Werbung nicht entwickeln. Bigler: «Weil wir mit der SRG einen Quasimonopolisten haben.» Schawinski: «Nein, weil die ausländischen Player zu stark sind.» Bigler: «Drum muss man den Service public subventionieren…»

Damit war der Zirkelschluss zum Beginn der Sendung gemacht und der Zuschauer leider nicht viel schlauer als zuvor.

Schawinski und Bigler über «Tele Züri». (Video: SRF)



(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.01.2018, 12:08 Uhr

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