Wichtig ist anderswo

Komiker Bendrit Bajra spielt in der SRF-Serie «A 1» eine spezielle Rolle.

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Seine Karriere geht ab wie ein gepimpter BMW mit abgesägtem Auspuff: rasend schnell, und jeder merkts.

Die Werbung bemüht sich beinahe panisch um Bendrit Bajra. Fast wöchentlich kann der Schweiz-Albaner einen neuen Vertrag präsentieren – von der Gratiszeitung bis zum Milchdrink. Mit 19 Jahren ist er wohl der kommerziell erfolgreichste Komiker des Landes.

Die Zuneigung hat mit Social Media zu tun, klar. Der Digital Native hat sich mit seinen Videos eine imposante Gefolgschaft aufgebaut; seine Facebook-Einträge bringen Tausende von Likes. Hinzu kommt der sympathische Balu-Charme: Diesem beleibten, trägen, possierlichen Schlawiner nimmt keiner was übel.

«Mikrokosmos Würenlos»

Auf die Spitze treibt Bajra den Gemütlichkeits-Swag derzeit in der SRF-Serie «A 1». Gemeinsam mit einer St. Galler Wirtin und einem Appenzeller Senior verbringt er drei Wochen als Hilfsarbeiter in der Raststätte Würenlos. Heute beginnt die zweite Woche der Realityshow.

Wirtin und Senior legen sich ins Zeug. Die Wirtin sagt: «Ich habe Energie für zwei.» Der Senior sagt: «Wir haben eine Spülmaschine. Aber wir waschen trotzdem von Hand.»

Inbesondere die Wirtin pflegt das Bild der Chrampfer-Schweiz, die sich aus Prinzip müht und nie beklagt. Als ihr die karge Schlafkabine der Raststätte vorgeführt wird, jubelt sie: «Sehr schön!» Sie scheint der Selbstbestätigung wegen an der Serie teilzunehmen – um der TV-Nation zu beweisen, dass sie anpacken kann.

Doch was macht Medienprofi Bajra hier? Um was geht es ihm? Um Bildschirmpräsenz natürlich. «A 1» wird zur besten TV-Zeit vor der «Tagesschau» gezeigt. Lächelnd verabschiedete ihn seine Managerin vor der Raststätte in die erste Sendung. Mau dagegen ist Bajras Interesse am «Mikrokosmos Würenlos, wo sich Menschen und Kulturen aus allen Himmelsrichtungen treffen» (Moderator).

«Jetzt habe ich mich ans Chillen gewöhnt»

Zum Glück für die Zuschauer: Bajras Desinteresse sorgt für die wenigen vergnüglichen Momente dieser sonst eher unüberraschenden Sendung. Als er morgens verschläft, gibt er heimlifeiss der Wirtin die Schuld: «Warum hast du mich nicht geweckt?» Danach die Frage an den Vorgesetzten: «Können wir heute nicht freimachen?» Hat er sich schliesslich doch zur Arbeit bequemt, nutzt er jede Pause, die er längstmöglich zerdehnt: «Jetzt habe ich mich ans Chillen gewöhnt.» Die Mitarbeit in der Würenloser Wohngemeinschaft beschränkt er aufs Allernötigste.

Bajra zelebriert die Faulheit, und natürlich weiss er sehr genau um die entwaffnende Wirkung seines Charmes. Bass erstaunt blicken Wirtin und Senior jeweils von der Arbeit kurz auf – wie gehetzte Erdmännchen, die im Baum ein Faultier erblicken. Und dann schrubben, putzen, kochen sie eifrig weiter.

Der Komiker wischt derweil lässig auf seinem Smartphone herum. Chatten, Likes sammeln, vielleicht sogar ein paar neue Werbeverträge angeln. Wichtig ist anderswo. (Tagesanzeiger.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.08.2015, 09:44 Uhr

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