Wie man mit einem Eunuchen Sex hat

Wie viele Intrigen, Gewalt und Unzucht gabs diesmal? Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht die siebte Staffel des Serienhits «Game of Thrones». Heute: Folge 2.

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SPOILER-ALARM: NUR WEITERLESEN, WENN MAN EPISODE 2 VON STAFFEL 7 GESEHEN HAT.

Was ist in der neusten Folge passiert?
Erleichterung herrscht. Die erste Episode der neuen Staffel war ziemlich lahm – bis auf Aryas Zaubertrick. Doch nun, da die Figuren wieder eingeführt waren, wurde die Handlung weitergetrieben. Will heissen: Die Machtverhältnisse gerieten ordentlich durcheinander. Schien Cersei letzte Woche noch auf verlorenem Posten, verbesserten sich ihre Aussichten beträchtlich: Euron hat Yaras/Danys Flotte vernichtet, und Qyburn präsentierte ihr eine Boden-Luft-Abwehrwaffe gegen Drachen. Eigentlich ist es eine simple Armbrust. Es war ein bisschen enttäuschend. Gebt uns das Drachenhorn, dessen Bläser die Drachen kontrollieren kann! Oder kommt das bloss in den Büchern von George RR Martin vor?

Zwar kriegten wir auch eine zünftige Seeschlacht serviert, doch in erster Linie wurde in dieser Episode viel gesprochen bzw. Kriegsrat gehalten. So wurden die verschiedenen Motive hinter den Seilschaften erläutert. Varys will mehr Macht fürs Volk, Ellaria handelt aus Rachegelüsten und Olenna aus reinem Pragmatismus (ihr Rat an Daenerys: «Du bist die Drachenkönigin, handle wie eine»). Cersei und Euron wiederum geht es bloss um persönliche Macht. Nach ihnen die Sintflut. Und Tyrion? Der will seinen Familiensitz Casterly Rock einnehmen mithilfe der Unbefleckten. Apropos Unbefleckte: Greyworm und Missandei trieben es endlich miteinander. Bloss hat er ja kein Gemächt. Auf Twitter ertönen denn auch schon feministischer Jubel und unfeine Sprüche. Auch Sexologen haben sich bereits zur Szene geäussert.

Neben Dragonstone wurden auch in Winterfell strategische Überlegungen angestellt. Daenerys hatte Jon aufgefordert, sie auf Dragonstone zu besuchen, um ihr seine Loyalität zuzusichern. Sansa und die anderen Nördler witterten darin eine Falle. Doch Jon blieb unbeirrt und übergab Sansa die Führung über den Norden, was wohl demnächst für spannende Konflikte sorgt. Wird Jon vor Daenerys auf die Knie gehen, wie sie es fordert? Immerhin ist er auch ein König. Und vor allem ist er ein Targaeryen, was er allerdings noch nicht weiss. Eine Steilvorlage für die Autoren, um eine weitere knackige Inzestbeziehung zwischen ihm und Daenerys anzuzetteln. Und wie wird Sansa mit ihrer neuen Position umgehen? Wird sie Littlefingers Einflüsterungen zum Opfer fallen? Wahrscheinlich – bis Arya angeritten kommt.

Ja, Arya hat ihren Kurs gewechselt und reitet statt nach Süden nach Norden. Hot Pie hat ihr nämlich gesteckt, dass Jon inzwischen König des Nordens ist. Auf dem Weg dorthin traf sie auf ihren lange verschollenen Schattenwolf Nymeria. Es war ein seltsames Treffen; Arya murmelte zum Abschied «Das bist nicht du». Was sie damit meinte? Dass sie als beglaubigte Mörderin kein Anrecht (oder Bedarf) auf einen edlen Schattenwolf mehr hat?

Fragen und Gedanken:

  • Hurra, zwei der drei Sandschlangen sind tot. Sie hätten gar nie erst auftreten sollen. Schwache Figuren, schwache Dialoge.
  • Theon sprang in der Not seiner Schwester Yara nicht zu Hilfe – sondern über Bord. Manche Dinge sind halt zu kaputt, um repariert zu werden. Nun ja, ich hätte wohl dasselbe getan…
  • ...denn mit Mad Max, Pardon: Captain Sparrow, Pardon: Euron, ist nicht zu spassen. Der ist ungefähr gleich durchgeknallt wie Theons früherer Peiniger Ramsay. Ein würdiger Nachfolger also, man musste ja schon befürchten, dass der Serie die charismatischen Bösewichte ausgehen.
  • Schöner Einblick in die hochvalyrische Grammatik: Offenbar existieren dort wie im Deutschen Wörter mit männlichen Endungen, die aber auch für Frauen angewendet werden. Im Fall von «Prinz» hat das bei Daenerys zu Übersetzungsschwierigkeiten geführt.
  • Brillanter Schnitt von Ser Jorahs eiternder Wunde zu einem cremigen Gericht in Hot Pies Kneipe. Ich verzichte von nun an auf Vanillebrötchen.

Ekligste Gewalteskalation:
Viele massakrierte Seemänner und eine herausgeschnittene Zunge.

Unflätigster Unzuchtsmoment:
Missandei und Greyworms Schäferstündchen. Aber mal ehrlich: Wer will jetzt, da das grosse Finale naht, noch Brüste und Hintern sehen?

Der Winter ist ja nun hier. Aber wurden auch White Walkers gesichtet?
Nein.

Wie gefiel Ihnen die Folge? Unten können Sie mitreden.

Alle Recaps von Staffel 7 zum Nachlesen:

-Folge 1
-Folge 2
-Folge 3
-Folge 4
-Folge 5
-Folge 6
-Folge 7


Erstellt: 25.07.2017, 10:14 Uhr

Serien-Besprechung

Tagesanzeiger.ch/Newsnet bespricht jeweils am Mittwoch die neuste Folge von «Game of Thrones», die am Montagabend auf dem welschen Fernsehsender RTS im englischen Originalton läuft (und danach im RTS-Webplayer zu sehen ist).

Die US-Serie ist das TV-Ereignis schlechthin. Weltweit verfolgen Millionen jede Woche die neuste Folge der Machtkämpfe im fiktiven Königreich von Westeros. Das Erfolgsgeheimnis von «Game of Thrones» sind eine komplexe Handlung, ein hochkarätiges Schauspieler-Ensemble und überraschende Wendungen sowie politische Bezüge zur Gegenwart.

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